Schreufa

„Wir bauen einen riesigen Stromkreis“

- Frankenberg-Schreufa (mba). In jedem Kind steckt ein kleiner Wissenschaftler, schlummert ein neugieriger Forschergeist. Den zu wecken, war erklärtes Ziel des „Science Camps“ für Grundschulkinder bei der Firma Günther.

„Wir bauen hier einen riesigen Stromkreis“, verkündet Felix im roten T-Shirt voller Stolz und hantiert zielstrebig an einer langen Kabelverbindung von mehreren Batterien, einem Nagel, einem Stück Alufolie und zwei kleinen Glühlampen. „Der Motor läuft richtig“, betont der zweite Felix im grauen Sweatshirt und weist auf den beabsichtigten Zweck des „riesigen“ Stromkreises hin. „Es leitet alles, das ist die Hauptsache“, erklärt schließlich Paul den technischen Zusammenhang. Dann vertiefen sich die drei Nachwuchstechniker wieder in ihr Projekt: „Wir brauchen mehr Kabel!“ – „Minus an Minus, Plus an Plus!“ – „Ich habe zuhause einen Propeller, den könnten wir an den Motor anschließen“, rufen die Kinder einander zu. „Das Experiment hat sich ein wenig verselbständigt“, sagt Johannes Rech schmunzelnd. Er ist einer der beiden wissenschaftlichen Begleiter des „Science Camps“, das der Verband der Metall- und Elektro-Unternehmen veranstaltete. Zusammen mit seinem Kollegen Tobias Winter erforschten er und 16 Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren die Phänomenen Magnetismus und Elektrizität. Gastgeber war das Unternehmen Günther Heißkanaltechnik aus Schreufa, das den jungen Forschern ein „Labor“ zur Verfügung stellte. Das Programm stand unter der – ideellen – Schirmherrschaft von Albert Einstein, dessen Vorbild der forschenden Jugend ein Ansporn sein sollte. Insgesamt wurden am Mittwoch und Donnerstag nacheinander vier „Science Camps“ angeboten, an denen insgesamt 64 Kinder im Grundschulalter teilnahmen. Im ersten Teil des Forschungsprojektes mit dem Titel „Voll geladen, echt anziehend“ ging es um Magnetismus: „Die Kinder haben untersucht, welche Materialien magnetisch sind und welche nicht“, berichtet Winter. Dabei stellte sich zur allgemeinen Überraschung heraus, dass Aluminium zwar ein Metall ist, aber keinerlei magnetische Eigenschaften aufweist – im Gegensatz zu Eisen. Dann machten die kleinen Forscher mit feinen Eisenspänen ein Magnetfeld sichtbar. Anschließend magnetisierten die Kinder einen Nagel, um dann daraus einen Elektromagneten herzustellen, indem sie einfach einen Metalldraht um den Nagel wickelten. Propeller mit Beleuchtung Der zweite Teil der Experimente drehte sich um Elektrizität. Die Kinder prüften wiederum, welche Materialien Strom leiten und welche nicht. Dazu bedienten sie sich einer Batterie und einer Glühlampe. Dann fingen sie an, den „riesigen Stromkreis“ zu bauen. Und dank ihres Improvisationstalentes konstruierten die jungen Techniker tatsächlich kleine Propeller, mit Bleistiften als Drehachse und Rotorblättern aus Klebeband – recht praktische Modelle, sogar mit Beleuchtungseinheit. Auch wie man mit Strom, Rotkohlsaft und Salzlösung „malen“ kann, fanden die Forscher heraus. „Nicht nur zuschauen – selber experimentieren“ war das Motto dieses wissenschaftlichen Osterferienspaßes für Grundschüler. „Wir haben zum ersten Mal in der Region Frankenberg so ein Science Camp angeboten“, sagte Frauke Syring vom Verband der hessischen Metall- und Elektrounternehmen. In Nordhessen war es bereits die vierte Veranstaltung dieser Art, die bisher immer großen Zuspruch sowohl von den jungen Teilnehmern, als auch von den Eltern fand. Auch die vier Angebote in Schreufa waren ausgebucht. „Gerade Kinder im Alter von sechs bis zehn sind sehr neugierig und experimentierfreudig. Diese Eigenschaften sollen im Camp gefördert werden“, sagte Syring. „Einige Kinder zeigen schon ein erstaunliches Verständnis für die Phänomene.“ Die Kinder würden sehr selbstbewusst an die Experimente herangehen, berichtete sie von ihren bisherigen Erfahrungen. Die Kinder stellten selbst Hypothesen auf und könnten die Phänomenen oft auch schon – mehr oder weniger richtig, aber mit eigenen Worten – sehr genau erklären. Der Forscherdrang sei dabei keineswegs einen Jungendomäne: Es hätten sich genauso viele Mädchen wie Jungen für die Wissenschafts-Camps angemeldet. Experimentier-Diplom „Wir haben diese Camps ins Leben gerufen, weil wir das Technikverständnis und das Interesse an Naturwissenschaften fördern wollen. Das schlummert in jedem Kind“, erklärte Syring. Gerade für die Metall- und Elektrobranche sei es wichtig, dass es technikbegeisterte Menschen gibt, um so dem bereits bestehenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken – und den Grundstein für diese Begeisterung müsse man schon im Kindesalter legen. – Am Ende der Camps bekam jedes Kind ein Experimentier-Diplom, ein Dankschreiben für die geleistete Forschungsarbeit sowie eine „Günni“-Puppe, das Maskottchen der Firma Günther. Und die selbstgebastelten Magnete durften sie auch mit nach Hause nehmen In der Firma Günther hat der Unternehmensverband einen begeisterten Partner gefunden. „Wir haben uns sehr über die Anfrage gefreut, das Projekt hier umzusetzen“, sagt Gabriele Skotschier von der Firma Günther. „Wir hoffen, dass unter den kleinen Einsteins vielleicht einige unserer zukünftigen Azubis sind.“ Auch bei Günther steige der Bedarf an Nachwuchskräften und neben guten Noten seien besonders Begeisterungsfähigkeit, Engagement und technisches Verständnis wichtige Einstellungsvoraussetzungen. Ein „Experimentier-Diplom“ aus dem „Science Camp“ mache sich in den späteren Bewerbungsunterlagen sicher gut, scherzte Frauke Syring.

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