Bottendorfer Familie wartet auf Geld aus der Versicherung

"Wir fühlen uns einfach hängen gelassen"

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Burgwald-Bottendorf - Ein Feuer hat im März ihr Heim zerstört, die Gebäudeversicherung hat noch kein Geld bezahlt und Familie Stephan kann es sich nicht leisten, weiter auf Miete zu wohnen. Also versuchen sie seit Wochen selbst ihr Haus wieder bewohnbar zu machen.

Bianca und Michael Stephan fühlen sich von ihrer Gebäudeversicherung im Stich gelassen. Vor mehr als vier Monaten brannte es in ihrem Haus - das Heim der achtköpfigen Familie ist seither unbewohnbar. Die Schäden werden von Woche zu Woche schlimmer: Das Löschwasser ist in die Wände eingedrungen, Balken schimmeln, faul gewordene Gebäudeteile brechen weg. Nicht eine Fachfirma war bisher in dem Haus, um die verkohlten Balken auszubessern, die beschädigten Wände herauszureißen oder die vom Brand beschädigten Decken neu einzuziehen.

Statt gelernten Fachleuten stehen Bianca und Michael Stephan jeden Tag in ihrem früheren Heim. Nur unterstützt von ihren sechs Kindern, von Freunden und Familienmitgliedern versuchen sie, ihr Haus wieder bewohnbar zu machen. Sie arbeiten auf einer Baustelle: Keine Decken, die Fußböden und Tapeten haben sie schon herausgerissen, Dämmmaterialien landen eimerweise in einem großen Schuttcontainer im Hof. Wie sie die Entsorgung des Bauschutts bezahlen sollen wissen die beiden nicht. „Wir versuchen, die Rechnungen bei unserer Gebäudeversicherung einzureichen“, sagt Bianca Stephan. „Selbst zahlen können wir das nicht.“ Die Familie ist wütend: Denn statt ihnen selbst sollten eigentlich Firmen das Haus auf Vordermann bringen. Getan habe sich bisher nichts: „Zwei Wochen nach dem Brand kam ein Gutachter. Aber der wollte nicht ins Haus. Er meinte, er sei erst krank gewesen“, erzählt Bianca Stephan.

Vier Wochen lang habe die Familie hinter ihrem Versicherer her telefoniert, bis ein zweiter Gutachter kam - Ende April. Ein Gutachten habe die Familie monatelang nicht gesehen. Mehrmals hätten sie sich beschwert. „Unser Versicherungsvertreter sagte, für ihn sei der Fall mit dem Abschluss der Versicherung erledigt und er wäre nicht mehr zuständig“, sagt Michael Stephan. Nach einer Beschwerde bei der Zentrale vor drei Wochen habe das Paar erfahren, dass in ihren Akten gar kein Gutachten vorliege - ein Telefonat mit dem Gutachter habe ergeben, dass der es nicht einmal geschrieben habe. „Er hat versprochen, es innerhalb einer Woche zu schreiben und uns zu schicken“, berichtet der Familienvater. Auf die Post warte er zu diesem Zeitpunkt noch immer.

Die Hausratversicherung hatte das Paar bei einer anderen Versicherungsgesellschaft abgeschlossen. „Das ging schneller“, erzählt Bianca Stephan. Der Gutachter sei nach einer Woche da gewesen. Geld für neue Möbel habe die Familie bereits bekommen - außerdem hat die Versicherung für ein Haus die Miete bis September bezahlt. „Dann müssen wir da raus. Miete und den Abtrag für das Haus können wir uns nicht leisten“, sagt Bianca Stephan. „Wir fühlen uns einfach hängen gelassen und wissen nicht, wo wir hin sollen.“ Deswegen haben sie mit den Arbeiten nicht mehr abgewartet, bis die Gebäudeversicherung bezahlt - sie wollen zurück. „Unser Sohn Jonas wird jede Nacht wach und schreit, dass er nach Hause will.“

Dabei lief für die Familie alles so gut: In dem Haus in Bottendorf wohnten sie seit zwölf Jahren. Im vergangenen Jahr haben sie das Haus gekauft. Mehr als 130 Quadratmeter, den Dachboden für die Kinder erst ausgebaut.„Das Haus war Anfang des Jahres endlich so, wie wir es haben wollten“, sagt die Familienmutter. Ein neues Sofa habe sich das Paar wenige Wochen vor dem Brand gegönnt, das Geld dafür lange gespart. Die Küche sei gerade fertig geworden: Mit einem Herd in der Mitte, dunklem Holz an den Wänden und Café-Haus-Flair.

Weil sie nicht mehr weiter wissen, hat Familie Stephan sich an die Frankenberger Zeitung gewandt, um ihre Geschichte zu erzählen. Einige Tage nach einer Anfrage dieser Zeitung bei der Versicherung hat der Gutachter einen Termin mit dem Ehepaar ausgemacht, um die weitere Vorgehensweise zu erklären. Die Pressesprecherin des Versicherers Sylvia Knittel sagte: „Ich denke die Sache wird jetzt in der üblichen Form abgewickelt.“ Warum es mehr als vier Monate gedauert hat, bis der Fall der Bottendorfer Familie ins Rollen kam, wolle die Versicherung prüfen. „Es ist unüblich, dass es so lange dauert.“

Michael Stephan erklärt, dass der Gutachter bei dem Termin das Gutachten übergeben hat. Der Sachverständige der Versicherung bekomme es zugeschickt. „Er will in den nächsten Tagen einen Termin mit uns machen und die Arbeiten und Kosten durchgehen.“ Darauf, dass ihr Haus durch Firmen fertig gestellt werde, wolle die Familie nicht warten: „Einiges haben wir angefangen. Was wir können, machen wir weiter“, spezielle Arbeiten würden laut Stephan Fachfirmen übernehmen. Auch das solle mit dem Sachverständigen abgesprochen werden. „Und die bisherigen Kosten für die Schuttcontainer sollen wir erstattet bekommen“, ergänzt Bianca Stephan.

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