Frankenberg

„Wir haben eine gute Wahl getroffen“

- Frankenberg (-gi-). Mahmoud Mohtadi gehört zum Stadtbild. Der schlanke Mann mit dem inzwischen schlohweißen Zwirbelbart, stets ein Lächeln im Gesicht, lebt seit 33 Jahren in Frankenberg.

Er hat einen deutschen Pass, ist CDU-Mitglied, ist „voll integriert“ und liest seit 33 Jahren die Frankenberger Zeitung. Die Stadt von Iller und Mones wurde Mahmoud Mohtadi zur „zweiten Heimat“. Am Mittwoch feierte er seinen 80. Geburtstag – und ließ sich von seiner Familie in ein alpines Skigebiet „entführen“. Freunde und Bekannte sind im Januar zu einer Fete eingeladen.

Mahmouds Wiege stand im Libanon, dem kleinen vier Millionen Einwohner zählenden Land am östlichen Mittelmeer. Grenznachbarn sind Syrien und Israel; politisch gesehen eine Region mit Turbulenzen. In Tripoli erblickte er am 23. Dezember 1929 als zweites von zehn Kindern das Licht der Welt. Sein Vater war Exil-Armenier und Christ, seine Mutter Libanesin und Muslimin. Nach dem Besuch der Tripoli-Boy-School, einer von den USA geförderten Bildungseinrichtung, studierte er am Tripoli-College Betriebswirtschaft mit Diplom-Abschluss. Zu seinem Rüstzeug gehörten die Fremdsprachen Deutsch und Englisch, die er bis heute – neben seiner Muttersprache Arabisch – in Wort und Schrift beherrscht.

Im Alter von 25 Jahren zog es Mahmoud nach Europa, hauptsächlich als „Berater für Auslandsvertretungen“ in den Sparten Wirtschaft und Politik. Zu seinen Wirkungsbereichen gehörten England, die Schweiz, Finnland, Schweden und Frankreich. Aber auch nach Ostasien, in die USA, in den Sudan und nach Äthiopien zog es den jungen Diplom-Betriebswirt: „Ich habe Land und Leute vieler Nationen kennengelernt und prominente Regierungsmitglieder getroffen, von Hamid Karzai in Afghanistan bis hin zum 1975 verstorbenen Kaiser Haile Selassie von Äthiopien.“ Und auch mit dem bekannten Journalisten Peter Scholl-Latour hat er schon geplaudert.In Deutschland begann seine Beratertätigkeit zunächst in Düsseldorf und Bad Godesberg. Dort lernte Mahmoud dann 1960 seine deutsche Frau Ellen bei einer Weihnachtsfeier in Düsseldorf kennen und lieben; man schloss umgehend den „Bund fürs Leben“.

Im August 1962 wurde Tochter Astrid Elisabeth geboren. Die studierte Juristin ist heute Hausfrau und Mutter. Im November 1983 kam Sohn Sami zur Welt, der heute Arzt mit eigener Praxis in Wunstorf am Steinhuder Meer ist. Beide bestanden ihr Abitur am Gymnasium Edertalschule. Inzwischen sind sieben Enkelkinder der ganze Stolz der Großeltern. Viele Jahre war Mahmoud dann als Berater, PR-Bevollmächtigter und in der „VIP- Betreuung“ tätig und musste prominenten Fluggästen zur Seite stehen und deren Informationshunger stillen. Mahmoud gegenüber der FZ: „Man kann sagen, dass ich damals auch eine Art Hobby-Diplomat gewesen bin. Eine sehr interessante Aufgabe.“

Seit Juni 1976 lebt Mahmoud Mohtadi mit seiner Familie in Frankenberg. Sein täglich Brot verdiente er als Vertreter und Berater eines namhaften saudi-arabischen Wirtschaftsunternehmens, speziell für Deutschland und Europa: „Wir haben uns von Anfang an in Frankenberg wohl gefühlt.“ Erste Anlaufstelle war damals das Gasthaus von Vöhls Heini, erinnert sich Mahmoud. Nach verzehrtem Mittagessen stellte er fest: „Geldbeutel vergessen!“ Er bot Heini seine wertvolle Uhr als „Pfand“ an. Doch der Gastronom lehnte ab: „Ich vertraue Ihnen.“ Eine positive Antwort für den Neubürger aus dem Libanon. Als ihm dann auch noch Rudi Jung „völlig unkompliziert“ ein preiswertes Haus in der Geismarer Straße verkauft hatte, war die Sympathie für Frankenberger Land und Leute perfekt: „Ich glaube, wir haben damals eine gute Wahl getroffen“.Die Mohtadis fanden rasch Anschluss. 1980 wurde ein stattliches, komfortables Eigenheim in der Gemündener Straße bezogen; „Deutsche Eiche“ dominiert in fast allen Räumen. Lediglich drei orientalische Wasserpfeifen und einige Gemälde erinnern an die libane-sische Heimat des Hausherrn.

Mahmoud gehört von An-fang an zum Stammtisch um Michael Kiendl und Karl-Heinz Debus, mischt bei den Christdemokraten als „Delegierter“ mit, ist hoch dekoriertes ADAC-Mitglied und seit 20 Jahren Mitglied der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik. Ganz nebenbei fungiert er auch noch als Präsident des „Libanesisch-Deutschen Kulturvereins“.Wie hält er sich so gesund und fit, dass man ihm sein hohes Alter nicht ansieht? – „Im Hotel Sonne ein Fitnessprogramm mit Sauna. Ich esse diszipliniert und bewege mich viel.“ Und was wünscht er sich für die Zukunft? – „Noch viele Jahre mit meiner Ellen gesund und glücklich zu sein und Reisen zu unternehmen.“ – Was ist typisch deutsch für den Libanesen? – „Sauberkeit, Pünktlichkeit, Fleiß, Qualität und Verlässlichkeit“. – Hat er jetzt im Winter manchmal Heimweh nach dem warmen, sonnigen Libanon? – „Manchmal schon, etwa dreimal im Jahr fliegen wir dorthin. Ich wohne dann im Haus meiner Eltern. Das Klima ist bestens, wir haben alle Klimazonen – bis hin zum Wintersport in 3000 Meter Höhe. In 40 Minuten bin ich von Tripoli aus im Schnee.“ Und wie wird im Hause Mohtadi Weihnachten gefeiert? – „Nach christlichem Ritus. Ich selbst praktiziere keine Religion. Meinen Kindern habe ich die Freiheit gelassen, was sie wollen. Im Libanon leben 18 Religionen zusammen. Da sind wir sehr tolerant erzogen worden ...“

Die Frankenberger Zeitung gratuliert ihrem treuen Leser Mahmoud Mohtadi mit den besten Wünschen ganz herzlich!

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