Erfolgsrezept ist Kommunikation mit Gästen

Wie ein Wirt sein Gasthaus in Birkenbringhausen vollbekommt

Junger Gastwirt. Der 36-jährige Udo Graf führt seit 2010 das Gasthaus Bilse in Birkenbringhausen und kontaktiert seine Gäste auch per Facebook und Whatsapp. Foto: Biedenbach

Birkenbringhausen. Wie es dem jungen Wirt Udo Graf gelingt, dass sein Dorfgasthaus Bilse entgegen dem Trend noch gut besucht ist, das erläutert er im Interview.

Immer mehr Dorfkneipen schließen ihre Pforten. Gründe sind zum einen das Ausbleiben der Gäste, zum anderen finden sich oft keine Nachfolger, wenn die alten Wirtsleute in den Ruhestand gehen. Doch das Gasthaus Bilse im 750 Einwohner zählenden Birkenbringhausen hält sich und hat mit dem 36-jährigen Udo Graf sogar einen jungen Wirt.

Wie er es schafft, dass seine Gaststätte noch gut besucht ist, dass erläutert er im Interview.

Wie kommt es, dass sich ein junger Mann heutzutage noch entscheiden, ein Dorfgasthaus zu betreiben? 

Udo Graf: Ich bin in der Gaststätte meiner Eltern aufgewachsen. Ich habe in der Gaststube meine Hausaufgaben gemacht und schon früh auch beim Bedienen geholfen. Mir macht das Spaß. Außerdem haben mein älterer Bruder Joachim und ich meinem Vater, der 2005 verstarb, versprochen, die Gaststätte weiterzuführen. Als ich 2009 arbeitslos wurde, entschieden wir uns, dass ich das Lokal von meiner Mutter übernehme.

Woran liegt es, dass Ihre Kneipe im Vergleich zu vielen anderen gut besucht ist? 

Graf: Ein wichtiges Standbein sind die Vereine. Die drei Chöre des MGV Birkenbringhausen üben einmal pro Woche bei uns. Dann gibt es Stammgäste und Stammtische. Und ein wichtiges Standbein macht die Übertragung von Fußballspielen auf Sky aus. Seit Sky allerdings die Gebühren für Gaststätten erhöht und für private Kunden herabgesetzt hat, werden die Gäste, die zum Beispiel samstagnachmittags kommen, weniger.

Sie stellen also auch den Trend fest, dass die Menschen sich immer mehr in ihre eigenen vier Wände zurückziehen und die Geselligkeit nicht mehr so wichtig zu sein scheint? 

Graf: Ja, auf jeden Fall. Früher trafen sich die jungen Leute erst bei uns im Gasthaus, um zwei, drei Bierchen zu trinken, bevor sie ein Taxi riefen und woandershin fuhren. Heute findet das Vorglühen meist zuhause statt. Dann aber mit hochprozentigem Alkohol. Früher kamen die Fußballer nach dem Training oder dem Spiel noch gerne auf ein paar Bier zusammen. Heute ist das nur noch selten der Fall.

Woran liegt das? 

Graf: Früher saßen die Leute in geselliger Runde zusammen, um etwas Neues zu erfahren und sich auszutauschen. Durch die neuen Medien haben sich heute die Neuigkeiten schnell rumgesprochen. Zum anderen ist der Leistungsdruck an der Arbeit groß, da erlauben sich viele keinen Kneipenabend mehr. Ich meine aber, es ist besser, mal einen Abend bei zwei, drei Bierchen abzuschalten, um auf andere Gedanken zu kommen.

Wie oft sind Sie denn ganz alleine in der Gaststätte - so ganz ohne Gäste? 

Graf: Das kommt auch vor, jedoch relativ selten. Ich stehe mit vielen Gästen über soziale Netze wie Facebook und Whatsapp in Verbindung. Da kann ich sie auf besondere Ereignisse aufmerksam machen, zum Beispiel auf die Übertragung von Fußballspielen. Und ich kann auch bei Stammgästen und Stammtischen nachfragen, ob sie planen zu kommen oder nicht. Wenn nicht, dann mach’ ich zu - zum Beispiel, wenn andere Vereinsveranstaltungen im Dorf sind. Die besuche ich selbst auch ganz gern.

 

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Quelle: HNA

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