WM-Viertelfinale: Deutsch-französische Familie Protzek gewinnt auf jeden Fall

+
Vorfreude: Für Matthieu Protzek, seine französische Mutter Anne-Marie und seinen deutschen Vater Alfred ist das WM-Viertelfinale heute ein besonderes Spiel. Foto:  Paulus

Bottendorf. „Bei uns gibt es nur Gewinner", sagt Anne-Marie Protzek mit Blick auf das WM-Viertefinale zwischen Deutschland und Frankreich. Die gebürtige Französin hält „ein bisschen mehr zu Frankreich", ihr Mann Alfred - ein gebürtiger Bottendorfer - zu Deutschland.

Und egal, wie das Fußballspiel ausgeht: Danach hält die ganze Familie zu der Mannschaft, die weiterkommt. „Das ist doch selbstverständlich“, sagt Alfred Protzek.

Die beiden sind seit 1975 ein Paar, haben sich damals in Frankreich kennengelernt, wo er nach dem Abitur Urlaub machte. Heute leben die beiden 59-Jährigen in einer deutsch-französischen Großfamilie mit vier Kindern und bereits vier Enkeln. Die meisten von ihnen drücken heute Abend Frankreich die Daumen. „Sogar das älteste Enkelkind“, sagt Anne-Marie Protzek.

„Die Kinder sind zweisprachig groß geworden. Deutschland-Frankreich ist bei uns immer Thema, nicht nur beim Fußball“, erzählt Alfred Protzek. Dass beide Länder jetzt bei der WM gegeneinander spielen, „war so nicht geplant“, sagt seine Frau. Das Ehepaar wird das Spiel heute Abend gemeinsam am Fernsehen verfolgen. Alfred Protzek tippt auf 3:1 für Deutschland - und ist damit Außenseiter: seine Frau Anne-Marie glaubt an ein 3:2 für Frankreich, Sohn Matthieu (24) hofft optimistisch auf ein 5:0 für das Heimatland seiner Mutter.

Matthieus Geschwister Jerome - „wie Boateng“ -, Jonas und Aline wohnen nicht mehr im Elternhaus in Bottendorf, werden heute Abend also nicht dabei sein. „Die Kinder schicken sich während der Spiele aber immer Fotos und Nachrichten aufs Handy“, verrät die Mutter. Fußball steht bei den Protzeks normalerweise nicht im Mittelpunkt, „WM und EM kann man sich aber angucken“, sagt Matthieu.

Unter den Verwandten in Frankreich gibt es einige begeisterte Fußballfans, erzählen sie. „Die loben immer die deutsche Mannschaft“, sagt Anne-Marie Protzek. Ihr Mann befürchtet trotzdem keine Häme beim nächsten Familienbesuch in Frankreich, sollte Deutschland heute Abend verlieren. „Da habe ich keine Angst.“

Nicht erst wegen des deutsch-französischen Duells im Viertelfinale sind die Protzeks im Fußballfieber. Sogar eine Wette auf den neuen Weltmeister gibt es zum ersten Mal innerhalb der Familie: Wer den Tipp verliert, muss für die anderen ein Gericht aus dem Land des Weltmeisters kochen. Vielleicht gibt es ja nach dem Finale am 13. Juli im Haus Protzek Coq au vin oder Schweinshaxe mit Sauerkraut.

Von Jörg Paulus

Quelle: HNA

Kommentare