Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Frankenberger Hettich-Werk

Wochenendarbeit beliebt bei Vätern

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Hettich-Personalleiterin Britta Trompeter präsentiert stolz den Preis, den das Unternehmen im Jahr 2012 für seine Familienfreundlichkeit erhalten hat. Im Hintergrund die Mitglieder der Lenkungsgruppe des Bündnisses Beruf und Familie.Foto: Mark Adel

Frankenberg - Familienfreundlichkeit dank Arbeit am Wochenende klingt zunächst widersprüchlich. Doch im Frankenberger Druck- und Spritzgusswerk Hettich ermöglicht die Schicht vor allem jungen Vätern, unter der Woche zu Hause zu bleiben. Britta Trompeter stellte am Dienstag weitere Beispiele für die Familienfreundlichkeit des Unternehmens vor.

Das „Regionale Bündnis Beruf und Familie“ im Landkreis vergibt bald wieder Preise für Unternehmen, deren Mitarbeiter Beruf und Familie besonders gut miteinander vereinbaren können. Am Dienstag hat die Lenkungsgruppe bei Hettich, einem der Preisträger des Jahres 2012, getagt.

„Was wir tun, ist für uns eine Selbstverständlichkeit“, sagte Personalleiterin Britta Trompeter. Sie stellte der Lenkungsgruppe die Projekte für mehr Familienfreundlichkeit vor. Bei den Befragungen von Mitarbeitern werde das Bedürfnis nach flexiblen Arbeitszeiten am häufigsten genannt. „Wo es der Arbeitsplatz erlaubt, ermöglichen wir das“, sagte Trompeter.

Überall umsetzbar sei das allerdings nicht. „Im Schichtbetrieb die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gewährleisten, ist schwierig.“ Dafür sei die reine Wochenendschicht eingeführt worden: Gearbeitet wird freitags, samstags und sonntags, unter der Woche sind die Mitarbeiter zu Hause. „Das wird oft von Vätern genutzt“, sagte Britta Trompeter. Wegen der Wochenendzulagen reiche das Einkommen, um eine Familie zu ernähren, ergänzte Betriebsratschef Willi Naumann. Außerdem ermögliche das Modell der Partnerin, unter der Woche arbeiten zu gehen.

Je nach Arbeitsplatz dürfe aber auch von zu Hause aus gearbeitet werden, „das wird teilweise in Anspruch genommen - allerdings noch nicht so stark, wie sie es eigentlich dürften“, erklärte die Personalleiterin. Als Beispiel nannte sie eine Mitarbeiterin aus der Qualitätsplanung, die nach der Geburt des Sohnes daheim ans Firmennetz angebunden ist und nur einmal in der Woche in den Betrieb kommt. Von rund 500 Mitarbeitern bei Hettich in Frankenberg seien etwa 120 Frauen. In Führungspositionen seien vier Frauen, „das ist noch ausbaufähig“.

Grundsätzlich müsse mit jedem Mitarbeiter, der Familie und Beruf vereinbaren will, nach individuellen Lösungen gesucht werden, „weil die Bedürfnisse ganz unterschiedlich sind“, sagte Britta Trompeter.

Generell hätten aber Mitarbeiter mit Familie einen hohen Stellenwert im Unternehmen. Das zeige sich, wenn beispielsweise bei Anlässen wie Kindergeburtstagen ein freier Tag benötigt wird. „Dann sind die Kollegen gern bereit, eine Vertretung zu übernehmen.“ Verfolgt werde der Ansatz, „dass sich eine familienbewusste Perso-nalpolitik langfristig auszahlt“.

Doch nicht nur Kinder können eine größere Flexibilität am Arbeitsplatz nötig machen: Die Pflege von Angehörigen sei ein Thema, „das zunehmend wichtiger wird“, sagte Trompeter. Hinzu komme, dass ein Pflegefall oft nicht planbar sei und plötzlich eintrete, während man sich auf eine Geburt vorbereiten und eventuell neue Arbeitszeitmodelle regeln könne. „Auch dabei reagieren wir individuell“, erklärte die Personalleiterin. Eine Voraussetzung dafür sei ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Mitarbeitern und Führungskräften.

Britta Trompeter appelliert an andere Firmen, sich um den Preis zu bewerben. Der Gewinn habe auch bei Hettich das Bewusstsein für familienfreund-liche Maßnahmen verändert.

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