Mann wollte Sex: Randale im Bordell endet vor Gericht

Frankenberg/Paderborn. Mit dem „Ausflug" zweier in Borgentreich (Ostwestfalen) untergebrachter Asylbewerber in ein örtliches Bordell hat sich das Landgericht Paderborn beschäftigt.

Einer der beiden ist knapp einer mehrjährigen Haftstrafe wegen versuchter Vergewaltigung entgangen. Das Opfer wohnt in Frankenberg.

Anfang November vergangenen Jahres: Der 24-jährige Marokkaner und ein 20-jähriger Mitbewohner aus der zentralen Unterbringungseinrichtung in Borgentreich klauten in einem Supermarkt eine Flasche Hochprozentiges und leerten sie. Beide erreichten das Etablissement mit ordentlichem Pegel, der Angeklagte hatte bei seiner Festnahme am frühen Abend 2,34 Promille Alkohol im Blut.

Die Damen verweigerten den Möchtegern-Freiern jegliche Gunstbeweise, und zwar aufgrund der erheblichen Alkoholisierung, wohl aber auch, weil die Barschaft für die gewünschten Dienste nicht ausreichte. Was die beiden Männer dazu veranlasste, ihre Forderungen sowohl mit verbalem Nachdruck, aber auch mit Drohungen und aggressivem Verhalten erneut und mehrfach vorzubringen.

Das in der Anklageschrift festgehaltene Geschehen bestätigte die 33 Jahre alte, in Frankenberg lebende Freundin des Bordell-Betreibers im Zeugenstand mehr oder weniger exakt. Gläser und Flaschen hätten die beiden Männer zerdeppert, der Angeklagte habe sie selbst an den Armen festgehalten, sie geschüttelt und versucht, ihr Kopfstöße zu verpassen. Denen sei sie ausgewichen, dafür habe der Mann sie dann mit einem abgebrochenen Flaschenhals bedroht.

Die Frankenbergerin sei schließlich allein mit den beiden völlig aggressiven Männern gewesen, nachdem die anderen Frauen hätten flüchten können. „Ich hatte Angst, ich stehe heute noch unter Schock“, sagte die 33-Jährige, „die sagten: Wenn die anderen nicht wollen, dann machst du es.“ Sie sei jedoch keine Prostituierte und gehe nicht „mit den Kunden aufs Zimmer“.

Allerdings erschien die kuriose Darstellung der Zeugin, die beiden Männer hätten sich zur Drohung jeder eine volle Bierflasche auf dem eigenen Kopf zerschlagen, ebenso widersprüchlich wie andere Details ihrer Aussage. So versuchte der Verteidiger hartnäckig, aber erfolglos, von der Zeugin herauszubekommen, in welcher Sprache die Männer denn die sexuellen Dienstleistungen gefordert hätten und wie der Begriff „umsonst“ gefallen sei. Worauf die 33-Jährige theatralisch eine Ohnmacht vortäuschte und so ihre Glaubwürdigkeit abschwächte.

Dass die Kammer die Bereitschaft zu einer Bewährungsstrafe signalisierte, brachte den 24-Jährigen nach ein paar Stunden Verhandlungsdauer dazu, die Taten zu gestehen. „Er wollte Sex und konnte nicht akzeptieren, dass die Frauen das nicht wollten“, ließ er seinen Verteidiger erklären.

Das Gericht sah die Handgreiflichkeiten gegenüber dem 33-jährigen Opfer als versuchte Vergewaltigung in besonders schwerem Fall, da die abgebrochene Flasche im Spiel war - allerdings auch als einen minderschweren Fall angesichts der Alkoholisierung und „weil Geschlechtsverkehr in einem Bordell nun mal zum Geschäftsmodell gehört“, wie Richter Bernd Emminghaus es formulierte. Dennoch seien Prostituierte „kein Freiwild“.

Statt der von der Staatsanwaltschaft geforderten Haftstrafe kam eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren heraus. Eigentlich egal für den Angeklagten: Die Abschiebungsverfügung nach Marokko liegt bereits vor. Sein Kumpan hingegen ist flüchtig und wird in Deutschland und der Schweiz mit Haftbefehl gesucht - er soll noch mehr Straftaten begangen haben.

(Von Ulrich Pfaff)

Quelle: HNA

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