Nachlese zur Wahl in Hatzfeld

Wunden lecken, Sieg feiern

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Hatzfeld - Am Tag nach der Bürgermeisterwahl haben sich Mitglieder der Bürgerlisten Hatzfeld und Reddighausen gegenseitig unfairen Wahlkampf vorgeworfen. Beide Seiten schlugen aber auch versöhnliche Klänge an.

Nach dem knappen Ergebnis - 53,2 Prozent für den von der BL Hatzfeld unterstützten Dirk Junker, 46,8 Prozent für Ralf Schärer - leckten die Verlierer ihre Wunden, während die Sieger sich vom Feiern erholten. „Ich weiß nicht, wie spät es war. Auf jeden Fall nach Mitternacht“, sagte Stadtrat Ralf Schmitt. „Es war halb drei“, wusste Dirk Junker, der am 1. Mai 2013 den Chefsessel im Rathaus von Uwe Ermisch übernimmt.

Junker war am Montag schon wieder auf dem Weg nach Uelzen - die Pflicht rief den Bundeswehr-Soldaten vom Rang eines Hauptmanns. „Ich war mental auch auf eine Niederlage eingestellt“, sagte er mit Blick auf den Sonntagabend. Die Feier sei sehr gut gewesen, viele Vertreter von Vereinen hätten teilgenommen. Die Menschen hätten die Hoffnung, „dass es in Hatzfeld anders wird als bisher“. Er wolle mit den Vertretern der Bürgerliste Reddighausen das Gespräch suchen, wiederholte er sein Angebot von Sonntagabend. „Ich hoffe, dass wir das regeln können.“ Er wolle ein Bürgermeister für alle sein, gab aber zu: „Das wird nicht einfach sein.“

Er sei mit schlechtem Gefühl am Sonntagabend ins Bürgerhaus gekommen, sagte Ralf Schmitt. „Ich hatte den Gedanken, dass wir es nicht geschafft haben.“ Verbale Angriffe aus Reddighausen gegen den Hatzfelder Kandidaten „haben mich sehr enttäuscht, das fand ich unschön“. Die Bürgerliste Hatzfeld habe einen Kandidaten aufgestellt „wie vier andere Listen auch“. Man habe in Hatzfeld versucht, Dirk Junkers Qualitäten in den Vordergrund zu stellen. „Man kann uns nicht Ortsteil-Denken vorwerfen“, sagte er. „Man muss akzeptieren, dass Dirk Junker gewonnen hat.“ Wunder dürften die Wähler allerdings keine erwarten.

Junker sei kein Mitglied der Bürgerliste. „Er ist unabhängig und wird seinen eigenen Weg gehen.“ Jeder brauche nun ein paar Tage. „Auch ich bin von einigen Leuten enttäuscht.“ Er blicke aber der weiteren Zusammenarbeit im Parlament und Magistrat optimistisch entgegen. „Es gibt keine Vorbehalte. Bis in fünf Monaten haben sich alle beruhigt.“

So weit war Ralf Schärer am Montag noch nicht. „Der Stachel sitzt tief“, sagte er. „Ich muss sehen, welche Konsequenzen ich ziehe.“ Wie diese aussehen könnten, sagte er nicht. Er werde aber weiter kommunalpolitisch aktiv bleiben. Er habe am Sonntagabend mit Unterstützern im Gasthaus „Zum Edertal“ in Reddighausen zusammengesessen. „Es war ein schöner Abend“, sagte er. Er werde noch einige Tage zu Hause bleiben „und mich sammeln. Das muss man erst mal verkraften.“ Schärer ist kaufmännischer Leiter einer Spedition in Korbach.

Die BL Reddighausen ist die größte Fraktion im Stadtparlament, stellt den Ersten Stadtrat und den Parlamentschef. Sprecher Marcus Bettelhäuser hatte die Niederlage „seines“ Kandidaten gestern verkraftet. „Das ist so, das muss man hinnehmen.“ Nun müsse man abwarten, was von Dirk Junker komme, oder „ob das nur heiße Luft ist“.

Kritik übte er am Wahlkampf der Bürgerliste Hatzfeld, die im Vorfeld Stimmung gegen einen möglichen Bürgermeister aus Reddighausen gemacht habe. „Ich finde erschreckend, was passiert ist. Das hat nichts mehr mit Politik zu tun und ging unter die Gürtellinie.“

Mehr erhofft habe sich die Bürgerliste aus Holzhausen. Dort hatte Ralf Schärer nur knapp vor Dirk Junker gelegen. „Da haben wir uns mehr erhofft, wir arbeiten ja auch bei verschiedenen Projekten zusammen“, sagte Bettelhäuser. Die Bürgerliste Reddighausen werde versuchen, mit Dirk Junker zusammenzuarbeiten, kündigte der Reddighäuser Ortsvorsteher an.

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