Zahl der Landfrauenvereine geht zurück

Erläutern die Entwicklung der Landfrauenvereine: Die Vorsitzende des Bezirksvereins Frankenberg, Christa Rauhio (Mitte), ihre Vorgängerin Ruth Tijssen (rechts) und die langjährige ehemalige Bezirksgeschäftsführerin Elfriede Höhne. Foto: Biedenbach

Waldeck-Frankenberg.Die Zahl der Landfrauen und der Landfrauenvereine in Waldeck-Frankenberg ist rückläufig.

Mit Dainrode und Haina-Kloster lösen sich allein in diesem Jahr zwei Vereine auf. Insgesamt ist dann die Zahl der Ortsvereine im Bezirk Frankenberg von 34 auf 27 und im Bezirk Waldeck von 32 auf 30 zurückgegangen.

Vorbei sind auch die Boomzeiten um das Jahr 2005 herum, als der Bezirk Frankenberg über 3000 und der Bezirk Waldeck über 2000 Mitglieder zählte. Mit 2832 Mitgliedern im Raum Frankenberg und 1900 Mitgliedern in Waldeck gehören die Landfrauen aber weiterhin zu den zahlenmäßig stärksten Organisationen in Waldeck-Frankenberg.

Einen Hauptgrund sehen die Bezirksvorsitzenden Christa Rauhio (Frankenberg) und Elke Jäger (Waldeck) im demografischen Wandel und in der Altersstruktur der Mitglieder. Die Zahl der über 60-Jährigen mache einen großen Anteil der Mitglieder aus. Auslöser für die Auflösung von Ortsvereinen sei meist die erfolglose Suche nach einer neuen Vorsitzende.

Das beobachtet auch die Geschäftsführerin des Landfrauen-Landesverbandes, Almut Wittig. Besonders schwer sei es für Vereine, die sich nicht um jüngere Mitglieder bemüht hätten. „Wenn dann die Vorstandsfrauen aus Altersgründen ihre Ämter abgeben, folgen keine Jüngeren“, sagt sie. Hinzu komme, dass Jüngere nicht gern verbindlich Verantwortung übernähmen. Das betreffe aber die gesamte Gesellschaft.

Über den Rückgang der Mitgliederzahlen und der Ortsvereine bei den Landfrauen und über die Aussichten für die Zukunft sprachen die HNA mit der Vorsitzenden des Bezirksvereins Frankenberg, Christa Rauhio, ihrer Vorgängerin Ruth Tijssen und der ehemaligen Bezirksgeschäftsführerin Elfriede Höhne.

Ist die Landfrauenbewegungen nicht mehr attraktiv? 

Christa Rauhio: Doch. Sie ist nach wie vor attraktiv. Wir haben im Bezirksverein Frankenberg derzeit 2832 Mitglieder in noch 29 Ortsvereinen. Damit stehen wir sehr gut da. Rückgang gibt es bei vielen Vereinen. Die gesamtgesellschaftliche Entwicklung spiegelt sich auch bei uns wider.

Was sind die Gründe für die Vereinauflösungen? 

Christa Rauhio: Es gibt immer weniger Frauen, die vorweg marschieren und den Vereinsvorsitz übernehmen wollen. Die Frauen sind heute meist berufstätig und es ist schwer, Arbeit, Familie und Verein unter einen Hut zu bringen. Und die Bereitschaft zum Ehrenamt geht ja allgemein zurück.

Ruth Tijssen: Vielleicht haben es manche Vereine auch versäumt, sich rechtzeitig um Nachwuchs in der Vorstandsarbeit zu kümmern. Wenn dann eine langjährige Vorsitzende aufhört, ist es schwierig, Ersatz zu finden.

Elfriede Höhne: Man muss auch die Geschichte der Landfrauenvereine betrachten. Bei ihrer Gründung vor 50 bis 60 Jahren, als die Frauen auf dem Land ohne ihre Männer meist gar nicht aus dem Haus kamen, boten die Vereine den Frauen Möglichkeiten, sich mit anderen Frauen zu treffen, sich auszutauschen, weiterzubilden, gemeinsame Projekte zu verwirklichen, wie zum Beispiel Gefrieranlagen. Die Landfrauen gewannen so mehr Selbstbewusstsein. Und sie hatten gemeinsam auch viel Spaß.

Ruth Tijssen: Und früher kamen die Frauen kaum aus ihren Dörfern raus, die wenigsten hatten einen Führerschein. Das ist jetzt komplett anders. Hinzu kommt, dass sie mittlerweile ein Vielzahl von Freizeitangeboten wahrnehmen können.

Von Martina Biedenbach 

Warum die Landfrauen diese Entwicklung bisher kaum in der Öffentlichkeit bekannt gemacht haben und welche Ideen sie für die Zukunft haben, das lesen Sie in der gedruckten Dienstaguasgabe der HNA Frankenberger und HNA Waldecker Allgemeine

Quelle: HNA

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