Battenbergerin geht für ein halbes Jahr nach Westafrika

Ein Zauber aus der Ferne zu Besuch

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Battenberg - Bereits als Kleinkind hat Hannah Müller Fernweh nach weit entfernten Ländern und fremden Kulturen verspürt. Ab Februar kommt sie ihrem Traum ganz nahe: Sie lebt für ein halbes Jahr in Gambia bei der Familie von Agi Ngoneh John. Die 13-Jährige vom Wolof-Volk hat ihre Gastschwester vorab in Battenberg besucht.

Die beiden Mädchen sitzen einträchtig nebeneinander am Küchentisch der Familie Müller, wälzen Reise-Lektüre und lachen viel. Es ist ihr letzter gemeinsamer Tag in Battenberg, den sie noch einmal innig zusammen verbringen wollen.

Für eine Woche hat Agi Ngoneh John die Familie Müller in Battenberg besucht. Hannah, die 14-jährige Tochter von Heike und Frank Müller, möchte dagegen bei Agis Familie länger bleiben - ein halbes Jahr. „Eigentlich ist mir das noch zu kurz“, gibt Hannah unumwunden zu. Lieber wäre ihr ein ganzes Jahr gewesen, aber das geht aus organisatorischen Gründen nicht.

Bereits im Alter von vier Jahren verspürte Hannah eine Sehnsucht, die sie in die Ferne zog - Traumziel: Australien. Das war auch ein Grund für sie, die Edertalschule in Frankenberg als weiterführende Schule zu wählen, da diese Austausch-Programme anbietet. Doch bis zur elften Klasse wollte die Neuntklässlerin nicht mehr warten und erfüllt sich ihren Traum daher schon jetzt. Auch Hannahs Reiseziel hat sich geändert: Es heißt jetzt Gambia, eine Republik in Westafrika mit rund 1,7 Millionen Einwohnern.

Die Entscheidung, dort ein halbes Jahres als Austauschschülerin zu verbringen, ergab sich aus einem glücklichen Zufall, berichtet Hannahs Mutter. Unter zahlreichen Kleinanzeigen auf einer Webseite im Internet entdeckte Heike Müller eine Anzeige einer deutschen Lehrerin aus Hannover, die mit Agis Onkel verheiratet ist und Austausche organisiert. Nach einer ersten Kontaktaufnahme fuhren Mutter und Tochter Müller nach Hannover und lernten dort Agi sowie deren Tante kennen.

„Das hat sofort gepasst zwischen den beiden Mädels“, sagt Heike Müller, die von Agis Ausstrahlung begeistert ist: „Sie hat einen ganz tollen Zauber zu uns gebracht.“ Auch die Kontaktaufnahme mit Agis Familie in Gambia hat Hannahs Eltern überzeugt. „Die gesamte Familie hat eine ganz fröhliche Art, ist lieb und aufgeschlossen“, fasst Frank Müller seinen Eindruck via Skype - Videotelefonie über das Internet - zusammen.

Selbstverständlich wollen Heike und Frank Müller ihrer Tochter ihren Traum ermöglichen, aber ebenso verständlich machen sie sich auch Sorgen. „Doch wir fühlen uns beruhigt als Eltern, dass in Gambia die ethnischen Gruppen friedlich zusammenleben und ein westlicher Standard herrscht“, sagt Hannahs Mutter. Darüber ist auch die 14-Jährige froh, obwohl sie dennoch damit rechnen muss, dass es häufiger Stromausfälle gibt. Darauf hat Agi ihre Gastschwester schon vorbereitet.

Wäschefrau für Uniform

Auch in der Schule sei es strenger als in Deutschland. Hannah besucht in Gambia eine internationale Privatschule, wo der Unterricht auf Englisch und Französisch stattfindet. „Jeden Morgen wird die Nationalhymne gesungen und ich bekomme eine Schuluniform“, sagt Hannah. Die müsse ganz akkurat sein und dürfe nicht in der Waschmaschine gewaschen werden, damit sie nicht kaputtgeht. „Deshalb hat Hannah ihre eigene Wäschefrau, die die Schuluniform mit Kernseife wäscht“, berichtet Heike Müller.

Den kulturellen Veränderungen muss sich Hannah zunächst ohne ihre Gastschwester stellen, denn Agi bleibt noch eine Weile bei ihrer Tante in Hannover. Doch die 14-jährige Schülerin blickt mit vorfreudiger Aufregung auf ihre Zeit in Gambia: „Ich freue mich schon auf Ausflüge in Nationalparks, die Wärme und darauf, auf dem Boden zu sitzen und mit den Händen zu essen“, sagt sie mit einem strahlenden Lächeln.

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