Erinnerungen an Anneliese Rothenberger und ihr großes Frankenberger Konzert

Zauber der hellen Stimme

Otto Schwieder und der Opern-Star: Für den Frankenberger Männerchor und seinen Dirigenten ist das Konzert mit Anneliese Rothenberger 1975 ein unvergessliches Ereignis.

Frankenberg. Die Nachricht vom Tod der großen Opern-Diva und des liebenswürdigen Fernsehstars Anneliese Rothenberger am Pfingstmontag (HNA berichtete) hat auch in Frankenberg viele Erinnerungen geweckt, vor allem beim Männergesangverein „Liedertafel“, dessen ältere Mitglieder sich an ihren denkwürdigen gemeinsamen Auftritt mit ihr am 23. April 1975 erinnern konnten.

Dass Chormeister Otto Schwieder dieses Konzert der von ihm glühend verehrten Künstlerin - sie gehörte bis 1975 noch zur Wiener Staatsoper - zusammen mit seinem Chor arrangieren konnte, war für das damals wenig ausgeprägte Kulturleben in Frankenberg eine Sensation.

„Es zeugt für die besondere Qualität… und auch das gerechtfertigte Selbstbewusstsein dieses Chores, dass er ohne Scheu neben dem bekannten Gesangstar auftreten konnte. Für den langjährigen tüchtigen Dirigenten der ‚Liedertafel’ und die Seele dieses Unternehmens, Otto Schwieder, war dieser Galaabend die Erfüllung eines Wunsches und zugleich eine Ehrung zu seinem 70. Geburtstag“, schrieb die HNA-Konzertkritikerin Gerlinde Hoffmann.

Publikumswirksamstes Stück des Konzertabends wurde das von Schwieder bearbeitete Schubert-Wiegenlied „Schlafe, schlafe, holder, süßer Knabe“ für Männerchor, Klavier und Anneliese Rothenberger. „Die Männer haben die Akkorde so zart gesummt, dass Franz Schubert aus dem Elysium diesem nicht wehrte, auch nicht, als sie es, nach stürmischem Beifall für alle Mitwirkenden, ein zweites Mal brachten“, meinte ein anderer Kritiker.

Professor Günther Weißenborn trat damals als Pianist an der Seite der Solistin auf, die Frankenberger Musikpädagogin Julia Ducheyne begleitete die „Liedertafel“ auf dem Flügel. Otto Schwieder mit seinem besonderen Faible für Schubert-Lieder hatte vier davon für das Konzert ausgesucht, eines im Originalsatz („Im Lenz“) und drei in einer eigenen Bearbeitung für Männerchor, wobei dem hervorragend disponierten Bassisten Rolf Beuermann eine große Solorolle zukam.

Den meisten Applaus in der ausverkauften Frankenberger Kulturhalle bekam natürlich die Kammersängerin Anneliese Rothenberger, insbesondere auch für ihre Mozart-Lieder. Die Kritiken würdigten „den Zauber dieser sehr hellen, biegsamen Stimme“, die „Liebenswürdigkeit, ja Verbindlichkeit dieser Stimme..., ihrer technischen Perfektion und Mühelosigkeit in allen Lagen“.

Anneliese Rothenberger trug sich ins Goldene Buch der Stadt Frankenberg ein, im Hotel Schmidtmann gab es einen Empfang. Mit ihrem Ehemann Gerd Dieberitz wohnte sie im Hotel „Schwedenstein“. Von der Terrasse aus konnte sie Rehe beim Äsen beobachten, bevor sie einen langen Spaziergang unternahm. Am Morgen nach dem Konzert wurde sie von Gerhard Gube und Otto Schwieder mit großer Herzlichkeit verabschiedet, bevor ihr Schweizer Mercedes 450 SL langsam davonrollte.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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