Rosenthaler Unternehmen will deutsche Gärten erobern

Zaun für Bastler

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Eine von vielen Anwendungsmöglichkeiten für das neue „Valu“-System der Böhl-Gruppe: Die Produkte sollen Zäune zu einem universellen Gestaltungselement von Gärten und Grundstücken machen.

Rosenthal - Die zugrundeliegende Technologie ist eine alte Idee aus dem Holzbau, das Produkt aber bislang einmalig: Rosenthaler Metallbauer wollen die Gartengestaltung und den Zaunbau durch Einfachheit revolutionieren - und bei Kunden die Lust am Basteln wecken.

Der Garten war schon immer ein Revier für Bastler, Selbermacher, Hobbyhandwerker. Spätestens, seit er nicht mehr der eigenen Ernährung dient, verdingt sich der Mensch im Frühling, Sommer und Herbst in seinem eigenen Stückchen Natur - sägt, hämmert, jätet und mäht. Am Schluss ist er erschöpft und verschwitzt, aber glücklich. Von der Suche nach genau diesem Zustand möchte auch das Rosenthaler Metallbauunternehmen Haboe profitieren - und hat Großes vor. Mit der Marke „Valu“ soll der deutsche, später der ganze europäische Markt erobert werden.

Und dass die Pläne durchaus ambitioniert sind, zeigt schon der durchdachte Name. Haboe ist tatsächlich in der Region wohlbekannt, für den Endkundenmarkt in Deutschland und erst recht Europa aber wohl etwas sperrig. „Valu“ hingegen, erläutert Produktdesigner Thorben Wassmuth, greife mit „alu“ sowohl eben jenes Material - Aluminium - auf, das zur Anwendung kommt, wie mit dem „V“ auch das Symbol für Winkel, die bei dem Produkt eine große Rolle spielen. „Und schließlich erinnert ‚Valu‘ ja auch an das englische ‚Value‘“, also Wertigkeit, erklärt er. Denn die soll das Produkt aus dem Hause Haboe selbstverständlich haben.

Eigentlich geht es bei „Valu“ nur um einen Zaun. Aber wie so oft, wenn deutscher Erfindergeist sich mit einem uralten Produkt auseinandersetzt, entsteht etwas komplett Neues. „Wir möchten den Bastlergeist wecken“, sagt Valu-Geschäftsführer Jan Krämer - und bezeichnet das Produkt als „Fischer-Technik für Erwachsene“.

Es soll ebenso einfach zu nutzen sein und ebenso viele Gestaltungs- und Einsatzmöglichkeiten bieten. Grundstein des Produktes ist der Pfosten. Er ist mit einer Schwalbenschwanz-Nut versehen. „Das ist eine alte Technik aus dem Holzbau“, weiß Wassmuth. Haboe-Geschäftsführer Harald Böhl habe es auf einer Messe bei Holzprodukten entdeckt und die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten in Metall erkannt. Denn die Nut erlaubt eine große Freiheit beim Gestalten: Die Füllung - also klassischerweise Zaunlatten - kann um bis zu 15 Grad in beide Richtungen angewinkelt werden, wenn sie maximal 20 Millimeter dick ist. Das erlaubt es, auch nicht rechtwinklige Grundstücke individuell zu umzäunen - oder Zäune als Gestaltungselemente quer durch den Garten zu ziehen. Auch in der Höhe sind die Füllungen neigbar, sodass auch Höhenunterschiede problemlos ausgeglichen werden können.

Doch der Clou des Systems steckt in einer Vielzahl von Verbindungs- und Füllelementen, die eine vollkommen individuelle Gestaltung der Elemente zwischen den Pfosten erlaubt: Werbebanner für Firmen, Glaselemente auf Balkonen, Holz, Plastik, Metall: Alles passt, alles hält dank passender Verbindungselemente. So wird aus dem klassischen Zaun ein Sichtschutz, eine weiße Fläche für das gemeinsame Fußballschauen per Beamer im Freien, die Wand einer Gartendusche. Denn auch Wasser oder Strom kann in den Pfosten verlegt werden: „Das Systemprofil nimmt alle Arten von Zuleitungen auf“, erläutert Wassmuth. Hinzu kommen Design-Elemente wie Aufhängungen für Pflanzenkübel, LED-Elemente, die wahlweise den Zaun oder den Raum davor beleuchten, und vieles mehr.

„Wir waren auf Messen in Köln, Kassel, Nürnberg“, sagt Jan Krämer - überall sei die Begeisterung für das Produkt groß gewesen. Bislang richtete sich der Vertrieb meist an Architekten oder Gartenbauer. Jetzt, zum Start in den Frühling, will das Haboe-Tochterunternehmen auch direkt an die Kunden herantreten. „Wir haben einen eigenen Schaugarten in Rosenthal“, lädt Krämer ein. Nur ein kleiner Teil der Einsatzmöglichkeiten sei dort zu sehen - das Unternehmen hofft, dass die Tüftler im Garten selbst Einsatzmöglichkeiten erdenken. Der deutsche Markt soll über zwei eigens neu eingestellte Mitarbeiter im Vertrieb erschlossen werden.

Noch setzt „Valu“ auf Synergien mit der Mutter-Gruppe. Doch wenn das System erst einmal in Baumärkten steht und von Landschaftsarchitekten eingesetzt wird, dann sei eine eigene Halle für die Produktion denkbar, sagt Krämer. „Valu“ soll ein neues Standbein der Rosenthaler Unternehmensgruppe werden. Und zwar kein kleines.

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