Staatsminister Michael Boddenberg informiert sich in den Unternehmen FingerHaus, Ewikon und Günther

Ziel: Mehr qualifizierte Facharbeiter

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Frankenberg - Damit die heimische Wirtschaft im internationalen Wettbewerb bestehen kann, brauchen die Unternehmen qualifizierte Mitarbeiter. Doch es droht ein Mangel an Fachkräften in Hessen. Staatsminister Michael Boddenberg (CDU) arbeitet mit einer Kommission an Lösungsvorschlägen für dieses potenzielle Problem.

Wenn Michael Boddenberg, Hessischer Minister für Bundesangelegenheiten und Bevollmächtigter des Landes beim Bund, über Handwerk und Mittelstand spricht, weiß er, wovon er redet: Vor seiner Karriere in der Politik war er zuerst als Metzgermeister, dann in der Geschäftsleitung eines mittelständischen Unternehmens in der Tiefkühlindustrie tätig.

Als Mitglied der 2011 gegründeten „Fachkräfte-Kommission“ beschäftigt sich der Christdemokrat mit den Fragen, wie der „Status quo“ in Hessen aussieht, wie sich der Arbeitsmarkt entwickelt und welche Lösungsansätze den heimischen Unternehmen bei der Rekrutierung von qualifizierten Mitarbeitern helfen könnten.

Um diese Fragen drehten sich auch die Gespräche, die der Minister gestern in Frankenberg führte. Er informierte sich bei FingerHaus und in den Heißkanaltechnik-Unternehmen Ewikon und Günther nicht nur über die Produkte, die dort hergestellt werden, sondern vor allem über die Anforderungen der drei Firmen an Fachkräfte und Auszubildende.

Bei Ewikon lag der Schwerpunkt des Gesprächs auf der Suche nach Auszubildenden. Durch die Weiterentwicklung der Technik seien auch die Anforderungen gestiegen, sagte Ewikon-Geschäftsführer Martin Wilhelmi. Was früher ein Dreher von Hand erledigte, übernehmen heute Maschinen - die Mitarbeiter, die diese bedienen, seien aber schon beinahe Programmierer. Das Potenzial der Bewerber um Lehrstellen reiche für solche Aufgaben oft nicht mehr aus. Während Lehrlinge früher mit Bestnoten abgeschlossen hätten, sei das Unternehmen heute schon froh, wenn die Noten „ordentlich“ seien. Zudem habe die Arbeit in der Produktion ein Imageproblem, dem das Unternehmen mit Praktika und Führungen für Schulklassen versuche entgegenzuwirken.

Von den aktuell 222 Mitarbeitern sind 17 in der Ausbildung. Bei den Lehrlingen sei es ähnlich wie bei den Fachkräften: „Wir stehen im Wettbewerb um die guten Leute“, sagte Wilhelmi. Von 14 neuen Mitarbeitern, die Ewikon im vergangenen Jahr eingestellt habe, sei nicht einer zuvor arbeitslos gewesen, sagte Personalleiter Gerhard Mütze.

Staatsminister Michael Boddenberg verwies auf die hohe Arbeitslosigkeit bei jungen, gut ausgebildeten Menschen im europäischen Ausland. In Spanien liege die Arbeitslosenquote bei den unter 25-Jährigen bei 45 Prozent. „Die Politiker in den Nachbarländern wären froh, wenn Deutschland ein Teil ihres Problems löste“, sagte der Minister.

Beim Fertighaushersteller Finger­Haus lag der Fokus im Gespräch zwischen Boddenberg, den Geschäftsführern Mathias Schäfer und Klaus Cronau sowie Personalleiterin Andrea Richter auf dem Handwerk. „Nur sehr qualifiziertes, fachkundiges Personal hilft uns, zufriedene Bauherren zu bekommen“, sagte Schäfer. „Die Problematik an sich liegt jedoch in einem Grundproblem der heutigen Gesellschaft“, ergänzte Klaus Cronau, „handwerkliche Berufe verlieren bei der Jugend an Ansehen. Heute ist hauptsächlich der Bereich IT von Interesse. Das gute Handwerk, welches große Entwicklungschancen mit sich bringt, hat an Beliebtheit verloren.“

Damit das Handwerk nicht als „Sackgasse“ erscheint, habe die Politik bereits Schritte unternommen und den Zugang zum Studium über den Meisterbrief ermöglicht, erläuterte Minister Boddenberg.

In einem Thesenpapier übergab FingerHaus dem Staatsminister die Hauptanliegen, die das Unternehmen im Zusammenhang mit Fachkräftemangel und -Bindung beschäftigt:

- Steigerung des Ansehens von Handwerksberufen in Schulen und in frühen Bildungsphasen

- Unterstützung der Unternehmen, die handwerkliche Berufe ausbilden, bei Suche und Ausbildungsplatzgestaltung

- Steigerung der Attraktivität der Region in und um Frankenberg durch Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur, sowie der Familien- und Freizeitangebote.

Der Minister forderte das Unternehmen auf, diese Punkte an die Landesregierung in Wiesbaden zu richten. Er lobte das Engagement der FingerHaus GmbH in der Ausbildung: allein 38 Auszubildende wird das Unternehmen ab August 2012 beschäftigen und besitzt dann eine Belegschaft von fast 500 Mitarbeitern.

Bei Günther Heißkanaltechnik sprach er mit Geschäftsführerin Sigrid Sommer sowie Matthias Vetter (Controlling) und Gertraud Beier (Marketing). Auch dort stand das Thema Auszubildende im Fokus: Boddenberg betonte, dass er sich dafür einsetzen wolle, junge Leute für Berufe in mittelständischen Unternehmen zu begeistern.

Von Andrea Pauly

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