Frankenau

Ziel: Nonstop die Alpen überqueren

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- Frankenau (apa). Thorsten Hoyer schnürt wieder die Wanderstiefel: Am Samstag bricht der Frankenauer Extremwanderer zu einem neuen Abenteuer auf: Er will 
die Alpen an einem 
Stück überqueren. 
Wofür andere acht Tage 
brauchen, hat er rund 
50 Stunden veranschlagt.

Es ist kein Rekordversuch, aber dennoch ist es ein Alleinstellungsmerkmal, wenn er es schafft: Noch nie hat ein Mensch die Alpen von Oberstdorf nach Meran am Stück überquert – zumindest nicht, so weit Thorsten Hoyer und sein Team wissen. Der Frankenauer bricht am Samstagmorgen um 10 Uhr aus der südlichsten Gemeinde Deutschlands auf, um diesen Weg nonstop zurückzulegen. Thorsten Hoyer hat sich mit seinen Extremwanderungen einen Namen „erlaufen“. Doch diesmal hat die Nonstop-Wanderung ein anderes Niveau: Denn in alpinem Gelände ist das Risiko deutlich höher als auf Island oder dem Kellerwaldsteig. „Ein Schritt an die falsche Stelle kann fatal sein“, ist sich Hoyer bewusst. Der 42-Jährige hat noch bis Donnerstag an einem Wanderführer über sämtliche Extratouren in der Region Burgwald-Ederbergland gearbeitet. Dafür wanderte er die Routen ab und legte dabei eine Strecke von insgesamt rund 250 Kilometern 
zurück. Das war zwar kein geplantes, aber dennoch gutes Training für die Alpen-Überquerung. Körperlich sei er auch 
ohne diese Wanderungen fit genug, sagt Hoyer. Er läuft fünfmal pro Woche. „Aber es ist auch wichtig für den Kopf, dass man vorher etwas gemacht hat“, erklärt er. Die Strecke von Oberstdorf nach Meran beträgt nur 135 Kilometer. Doch der Höhenunterschied hat es in sich: Insgesamt 12 500 Höhenmeter muss Hoyer durch Auf- und Abstiege meistern, der höchste Punkt liegt bei 3100 Metern. Nonstop will er diesen Weg wandern, „und ich habe keine Ahnung, ob das klappt“, sagt der 42-Jährige. Eine der größten Anforderungen für den Frankenauer ist es, sich in dieser Extremsituation selbst genau einzuschätzen. Er muss wissen, wann die Müdigkeit zu Fehlern führen kann. Hinzu kommt die größte Unbekannte: das Wetter. Wenn am Wochenende eine Gewitterfront über die Alpen zieht, ist das Projekt hinfällig – wenn er vier oder fünf Stunden in einer Hütte abwarten muss, dann ist der „Nonstop-Faktor“ nicht mehr gegeben. Und draußen zu bleiben, ist bei einem Gewitter im Gebirge keine Alternative. Weiterwandern will Hoyer zwar auch in diesem Fall, „aber es wäre nicht mehr dasselbe“. Um Geschwindigkeit und Strecke geht es Thorsten Hoyer nicht. „Das ist ein Versuch, ob es überhaupt geht“, sagt er. Er will ankommen und ist bereit, sich dafür die nötige Zeit zu nehmen. Für ihn geht es in erster 
Linie um die Grenzerfahrung. Er will sehen, was er schafft, was möglich ist, wie er sich selbst motivieren kann weiterzulaufen. Und er will die Risiken kalkulieren. Rund 50 bis 55 Stunden Wanderzeit hält Hoyer für realistisch. Vorschlafen, um dann 
Reserven abzubauen, funktioniere nicht, sagt der 42-Jährige. Würde er in der Woche vor einer solchen Wanderung viel schlafen, könnte das sogar kontraproduktiv sein, weil sich der Körper an die langen Schlafphasen gewöhne, mutmaßt er. Ein Fotograf wird ihn von Zeit zu Zeit begleiten, und ein Outdoormagazin berichtet über seine Extremwanderung. Dennoch wird Thorsten Hoyer rund 80 Prozent der Zeit allein sein, allerdings nicht beim Start: Samstagvormittags starten zahlreiche Wanderer auf ihre Touren und die Route, die Hoyer gewählt hat, gilt als die schönste Alpenquerung. Doch der Zeitpunkt ist bewusst gewählt, damit wenige schwierige Abschnitte in der Nacht liegen. Ganz zu vermeiden ist es jedoch nicht, dass er einige riskante Wege im Dunkeln zurücklegen muss. Einen sechs Kilo schweren Rucksack wird Hoyer bei sich haben, darin unter anderem Handschuhe – denn in den Bergen wird es nachts kalt, auch Schnee ist möglich. Blasenpflaster, GPS-Gerät, Digitalkamera, Rettungsdecke und Flüssignahrung mit einem hohen Nährstoffgehalt gehören ebenfalls in den Rucksack. „Um höher, schneller, weiter geht es mir nicht“, sagt Thorsten Hoyer. „Es geht darum, 
auch in schwierigen Situationen weiterzugehen.“

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