Else Hykel im Alter von 98 Jahren gestorben

Zielstrebig und fleißig bis ins hohe Alter

Frankenberg - Bis in die 1990er-Jahre gehörte die kleine, couragierte Frau zum Frankenberger Stadtbild. Denn in den Räumen Neustädter Straße 4 war Else Hykel die unangefochtene Chefin einer florierenden Buch-, Papier-, Spielwaren- und Musikalienhandlung. Am Pfingstmontag ist sie im gesegneten Alter von 98 Jahren gestorben. Hinter ihr liegt ein langes, ereignisreiches, aber auch erfülltes Leben, geprägt von nimmermüdem Fleiß und nicht zuletzt von Liebe und Verantwortungsbewusstsein für ihre Familie.

Else Hykel geborene Schramm wurde am 3. Februar 1914 in Bärn/Sudetenland geboren und heiratete dort im Alter von 22 Jahren den Buchdrucker und Buchhändler Gernot Hykel. Mit ihm führte die ausgebildete Kontoristin ab 1936 die erste Bärner Buch- und Papierwarenhandlung.

Vier Töchter

Nach der Vertreibung aus Nordmähren verschlug es die Familie Hykel mit ihren vier kleinen Töchtern - Charlotte, Elisabeth, Rotraut und Sonngard - nach Westdeutschland; Endstation war am 21. Juli 1946 Röddenau. Trotz des Verlusts der Heimat zeigten sich Else und Gernot Hykel voller Tatendrang. Bereits fünf Monate später, am 1. Januar 1947, bauten sie sich quasi aus dem Nichts heraus eine neue Existenz auf. Unter dem Wenigen, was aus der mährischen Heimat mitgenommen werden durfte, hatte die umsichtige Else Hykel die Adressen ihrer Geschäftspartner eingepackt. Ein kluger Schachzug, denn die Partner halfen sich gegenseitig. Und so wurde schon bald das ländlich geprägte Frankenberger Land mit Lesestoff und Schreibwaren „von Hykels“ vorsorgt. Zielstrebig und gemeinsam mit den Töchtern bauten Else und Gernot Hykel die neue Existenz auf; man zog nach Frankenberg. Während Gernot die Buchhandlung am Bahnhof gründete, leitete Else mit Herz und Sachverstand die Filiale in der Neustädter Straße 4. Das Hykel’sche „Spielzeugparadies“ wurde über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt.

„Mährische Höflichkeit

Ich erinnere mich noch, wie mir Frau Hykel meinen ersten „Geha-Füller mit Reservetank“ verkaufte, mit fachkundiger Beratung und bestimmender Liebenswürdigkeit. Das war „mährische Höflichkeit“, die in der Tonlage an die Donaumonarchie erinnerte. Es wurde sogar mein voller Name auf den Füller graviert; mit viel „Bittschön-Dankschön“ und ihrem typischen Gruß „Kommt’s bald wieder, Jungs!“

Vielen Kunden ist die kleine Frau Hykel als besondere Persönlichkeit in Erinnerung geblieben. Wie sie keck hinter ihrer hohen Verkaufstheke stand und dann plötzlich flink auf die Leiter kletterte, um von „ganz oben“ ein Spielzeug holen.

Neben allem Sinn für das Geschäftliche blieb Else Hykel ihrer mährischen Heimat immer verbunden. Sie hat zwar nie wieder Bärn/Sudetenland besucht, aber sie hat kaum ein Heimattreffen der „Bärner“ versäumt. Bis ins hohe Alter von 85 Jahren führte Else Hykel - nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1984 - die Geschäfte weiter. Im Sommer 1995 mussten wegen Umbauarbeiten nach über 48 Jahren die Geschäftsräume in der heutigen Fußgängerzone (Neustädter Straße 4) schweren Herzens aufgegeben werden. 1999 übergab die Seniorchefin die Buchhandlung an ihren Enkelsohn Rüdiger Richter.

„Noch a bissl Werbung…“

Else Hykel war immer wieder im ersten Stock des Geschäftes zu finden, in „ihrer“ Spielwarenabteilung, wo man ihr fachkundiges Wissen schätzte: „Was soll ich zu Hause die Wand anschauen und Trübsal blasen - das Geschäft ist mein Leben!“, war ihr gängiger Spruch. Noch bis Ende März beschriftete sie Hykel’sche Einkaufstüten und Tragetaschen mit der Aufschrift „Ich lese gern!“ per Edding mit der Hand: „’s is doch a bissel Werbung!“

Am Montag, 4. Juni, 14.30 Uhr, wird Else Hykel auf dem Frankenberger Friedhof beerdigt.

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