Aus der Geschichte der Frankenberger Garnison – Neunter Teil: das Aufgabenspektrum der Bundeswehrverwaltung

Zivilisten stellen Betrieb in der Kaserne sicher

An der Königsberger Straße oberhalb der Berufsschule entstand zwischen 1962 und 1965 die neue Standortverwaltung für die Burgwald-Kaserne – links liegt das Verwaltungsgebäude, rechts das Lager, heute die Regenbogenschule.Fotos: Burgwald-Kaserne

Frankenberg - Für 31 Jahre versorgte die Frankenberger Standortverwaltung die Truppe in der Burgwald-Kaserne.

„Ohne Mampf keinen Kampf“, pflegten Rekruten über Generationen zu sagen, wenn sie im Mannschaftsspeisesaal zur Essensausgabe oder im Manöver zur Gulaschkanone im Gelände zogen. Doch mit der Truppenküche ist es nicht getan: Die Versorgung der Soldaten muss an 365 Tagen im Jahr umfassend gesichert sein, und dazu zählen nicht nur genügend Kartoffeln und Karotten in der Küche - die Bandbreite reicht von der Munition fürs Standardgewehr „G 36“ über den Schreibtischstuhl für Auswerter oder Kommandeur, frische Bettwäsche in der Stube und die Uniformen bis zum Heizöl für die zahlreichen Gebäude der Burgwald-Kaserne.

Griechen oder Italiener könnten ein Liedchen davon singen: Ohne funktionierende Verwaltung läuft in einem Staat nichts rund. Und so benötigt auch die Truppe ihre Fachleute im Hintergrund, die dafür sorgen, dass im Winter genügend warme Socken vorhanden sind, das Dach der Mannschaftsunterkünfte dicht ist und mittags ein abwechslungsreiches Essen auf dem Tisch steht: Bis 2007 waren das die zivilen Beamten und Angestellten der Standortverwaltungen, eine von ihnen hatte von Anfang 1962 bis Ende 1993 ihren Sitz in Frankenberg.

Auch wegen der Erfahrungen aus der Weimarer Republik mit der Reichswehr als „Staat im Staate“ sollte die Bundeswehr - wie in Teil 1 dargestellt - der demokratischen Kontrolle unterliegen. Aus diesem Leitgedanken heraus wurde im März 1956 im neu eingefügten Artikel 87b des Grundgesetzes eine eigenständige Wehrverwaltung festgeschrieben, die von den Kommandostrukturen der Streitkräfte getrennt arbeiten sollte:

„Die Bundeswehrverwaltung wird in bundeseigener Verwaltung mit eigenem Verwaltungsunterbau geführt. Sie dient den Aufgaben des Personalwesens und der unmittelbaren Deckung des Sachbedarfs der Streitkräfte.“ Im Bonner Verteidigungsministerium als oberer Ebene wurde für die Versorgung der Truppe bis 1956 ein Bundeswehr-Ersatzamt aufgebaut, das 1962 zum Bundeswehr-Verwaltungsamt umgegliedert wurde. Für große Rüstungsprojekte trat 1958 das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung hinzu.

Als mittlere Ebene entstanden sechs regionale Wehrbereichsverwaltungen, denen vor Ort flächendeckend die Standortverwaltungen und 109 Kreiswehrersatzämter untergeordnet waren. Die Zahl der Standortverwaltungen wuchs von 145 im Jahr 1959 auf 207 im Jahr 1966. Dann ging die Zahl leicht zurück: 1971 waren es noch 195, aber 1989 nur noch 184.

Auch für die mehr als 1000 Soldaten der Burgwald-Kaserne war eine eigene Standortverwaltung vorgesehen. Nach dem Erlass des damaligen Ministers Franz Josef Strauß wurde sie zum 1. Februar 1962 eingerichtet. Zunächst standen nur gemietete Räume bei Balzers in der Röddenauer Straße zur Verfügung - „eine Lösung, die nicht sehr befriedigend war und wegen der räumlichen Enge kein Dauerzustand sein konnte“, schreibt der spätere Leiter Werner Stück 25 Jahre danach.Am 20. November 1962 war der erste Spatenstich für einen 2,4 Millionen Mark teuren Neubau oberhalb der Berufsschule. Im Winter 1962/63 folgte der Baubeginn, am 15. Dezember 1964 das Richtfest fürs Lager. Im Dezember 1965 zogen die Mitarbeiter in die neuen Büros ein und nahmen das Lager in Betrieb, und am 7. Februar 1966 wurden die neuen Gebäude feierlich übergeben.

Jeder Wehrpflichtige der Garnison hat sie kennengelernt: In der Kleiderkammer erhielt er zu Dienstbeginn seine Ausrüstung: 120 Einzelteile vom Barett bis zum Kampfstiefel, vom Sport-Shirt bis zum Handtuch, vom Stahlhelm bis zum ABC-Schutzanzug, vom Klappspaten bis zum Essbesteck. Wert pro Rekrut: rund 2300 Mark.

Für Ausbesserungen und Änderungen standen Schneider und Schuhmacher mit eigenen Werkstätten bereit. Die Reparaturen an Stiefeln und Halbschuhen übernahmen 1962 für mehr als zwei Jahrzehnte drei waldeckische Schuhmacher in einer Arbeitsgemeinschaft.

Auch die Versorgung der Großküche stellte die Standortverwaltung sicher. Allein 1988 hat sie für rund 1,2 Millionen Mark Lebensmittel beschafft - siehe den Kasten. Den Bedarf habe die Standortverwaltung halbjährlich ausgeschrieben oder „in freihändiger Vergabe“ auf dem regionalen Markt gedeckt, hält Stück fest. Die „StoV“ stellte zudem ziviles Personal, das an der Seite der Feldköche stand.

Auch fürs Inventar zeichnete die Standortverwaltung verantwortlich. Ob Schreibtisch, Spind oder ein Regal fürs Aufklärungsgerät - der Bezug und falls erforderlich die Reparatur lief über die zivilen Mitarbeiter. Sie gaben Reinigungsmittel, Toilettenpapier und Bettzeug aus, sie kümmerten sich darum, dass die Technik funktionierte, dass Wasser und Strom beständig flossen, Benzintanks gut gefüllt und Kühlgeräte und Notstromaggregate liefen. Auch für die Hygiene gerade in der Küche waren sie verantwortlich.

Gebäude unterhalten

Eine weitere wichtige Aufgabe war der Unterhalt der Gebäude und die Pflege des immerhin knapp 200 Hektar großen Geländes. Vermögenswert 1989: rund 57 Millionen Mark - also etwa 26 Millionen Euro. So gehörten auch Schlosser, Schreiner, Elektriker und verschiedene Bauhandwerker zum Team. Hinzu kamen Gärtner, Kanalarbeiter und andere Fachleute. Für sie waren besondere Werkstätten eingerichtet. So manch Auftrag ging aber an heimische Unternehmer und Handwerker.

Immer größeren Raum nahmen im Laufe der Zeit der Umweltschutz und die effiziente Energienutzung ein. Wie berichtet, besteht aber noch erheblicher Investitionsbedarf in der Kaserne. Auch die Heizzentralen wurden modernisiert - sie liefen bis 1985 zum Teil noch mit Koks, seitdem werden nur noch Öl und Gas verfeuert.

Die Verwaltung beglich nicht nur die Rechnungen heimischer Unternehmer, die Aufträge erhalten hatten: Sie war auch zuständig für die Auszahlung der Löhne und Gehälter aller Bundeswehrangehöriger. Und sie gewährte Zuschüsse für den Wohnungsbau oder auch für den Bau von Straßen und kommunalen Einrichtungen. Auch das mache den bedeutenden Wirtschaftsfaktor Bundeswehr gerade in strukturschwachen Gebieten aus, betont Stück.

Zum 25-jährigen Bestehen 1987 verzeichnet Stück um die 100 Beschäftigte: 14 Beamte, 16 Angestellte und 66 Arbeiter, Frauenanteil: 29 Prozent. Hinzu kamen zwölf Lehrlinge - zehn angehende Verwaltungsfachangestellte und zwei künftige Elektroinstallateure. 23 Angestellte waren als Küchenpersonal beschäftigt. Die Standortverwaltung war damals in vier Sachgebiete aufgeteilt:

Verwaltung,

Lagerbetrieb,

technischer Betriebsdienst und Betriebsschutz,

Küchenbetrieb.

Der Zuschnitt änderte sich später etwas. Das gute Betriebsklima zeigte sich auch durch die Gründung einer eigenen Bläsergruppe, die etwa bei Feldgottesdiensten spielte.

Das Ende der „StoV“

Doch die Tage der Einrichtung waren gezählt: Nach der deutschen Einheit 1990 wurde die Truppe wie berichtet deutlich verkleinert, damit war auch weniger Verwaltung erforderlich. Zwar entging die Kaserne den seitdem in Wellen laufenden Standortschließungen, doch ihre Verwaltung überlebte nicht: Zum 1. Januar 1994 wurde sie geschlossen. Werner Stück schraubte als letzte symbolische Handlung das Schild mit dem Bundesadler von seinem ehemaligen Bürogebäude ab.

Das Lager baute der Kreis 1995 für rund 8,2 Millionen Mark zur Regenbogenschule aus, ins alte Verwaltungsgebäude zog die Kreisvolkshochschule ein. - Die Versorgung und Betreuung der Kaserne übernahmen zunächst die knapp 450 Beschäftigen in Stadtallendorf, als auch ihre Standortverwaltung um 2002 geschlossen wurde, wurde bis Ende 2008 die in Mengeringhausen zuständig.

Die Umstrukturierungen liefen indessen weiter. Zum 31. Dezember 1999 schlossen das Depot in Oberasphe und die Standortvermittlung in der Kaserne. Im Januar 2004 trafen die ersten silbern lackierten Fahrzeuge des neuen Bundeswehr-Fuhrpark-Services ein.

Anfang 2007 folgte die nächste Reform: Die verbliebenen Standortverwaltungen wurden in 59 Bundeswehr-Dienstleistungszentren zusammengefasst. In sie wurde auch die bisher getrennt arbeitende Truppenverwaltung eingegliedert.

Heute gibt es in der oberen Ebene des Verteidigungsministeriums die beiden Sparten Territoriale Wehrverwaltung und Rüstung, die mittlere Ebene bilden die nur noch vier Wehrbereichsverwaltungen - Hessen gehört zur Region West mit Sitz in Düsseldorf. Ihnen unterstellt sind die Dienstleistungszentren - für Frankenberg ist das in Homberg/Efze zuständig.

Die Wege mögen somit länger geworden sein als früher, aber die zivilen Mitarbeiter halten den Fachleuten für Elektronische Kampfführung auch weiter den Rücken frei für ihre eigentlichen Aufgaben: die militärischen. Fortsetzung folgt.

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