Gemünden

Zögerliches Ja zur neuen Kläranlage

- Gemünden (gl). Die Diskussion um die Gemündener Kläranlage interessiert auch die Bevölkerung: Etwa 50 Zuschauer haben am Donnerstagabend verfolgt, wie sich die Stadtverordneten zu einer Entscheidung durchrangen.

Die Stadtverordneten haben sich entschieden: Ja, sie wollen eine neue Kläranlage – die allerdings darf nun nicht mehr bis zu 3,3 Millionen Euro kosten, wie ursprünglich eingeplant, sondern nur noch maximal 3 Millionen Euro. Vorausgegangen war eine lebhafte Debatte darum, ob ein Neubau einer Sanierung vorzuziehen ist oder nicht.

Dabei waren die Lager innerhalb des Parlaments klar: Die CDU-Fraktion war der Meinung, dass eine Sanierung sinnvoll ist. Diese solle aber nur so weit gehen, dass das Abwasser, das derzeit die Grenzwerte regelmäßig überschreitet, wieder unterhalb der Grenzwerte liegt. Nach Ansicht der CDU würde damit die Politik der Stadtverordnetenversammlung seit dem November 2007 konsequent fortgesetzt. Damals hatte das Parlament beschlossen, die Anlage schrittweise zu sanieren.

Die Fraktion der Christdemokraten stellte einen dementsprechenden Antrag, der später mit 14 zu 8 Stimmen abgelehnt wurde. Bürgermeister Frank Gleim trat vehement für den Neubau der Anlage ein. „Der sofortige Neubau der Kläranlage ist aus Sicht der Investitionen der wirtschaftlich beste Weg“, sagte Gleim in einer ausführlichen Rede. Zwar sei eine Sanierung tatsächlich günstiger – aber nur minimal. Er habe sich viele Stunden mit der Thematik beschäftigt und nach Möglichkeiten gesucht, an Fördergelder zu kommen, obwohl für Kläranlagen eigentlich keine Zuschüsse mehr bereitstehen.

Neben bereits berücksichtigten Summen, die beim Anlagenbau in Herbelhausen und Lehnhausen nicht abgerufen worden waren, sowie einer Rückvergütung nach Inbetriebnahme der neuen Anlage verwies er auf Möglichkeiten der interkommunalen Zusammenarbeit: Er habe beim Umweltministerium angefragt, ob eine Vertragsübernahme aus der Stadt Rosenthal über einen dort nicht verbrauchten „Mittelansatz“ von 715 000 mit einem Zuschuss von 35 Prozent Euro möglich sei. Die Gelder waren in der Nachbarstadt bei einem Programm zur Sanierung der Kanalsysteme nicht gebraucht worden.

Die Anfrage sei in Wiesbaden telefonisch bejaht worden – und entspreche einer Fördersumme von etwa 250 000. Zudem sei es möglich, die Anlage etwas kleiner zu dimensionieren. Eigentlich sollte die Kläranlage für 3250 sogenannte Einwohnergleichwerte (EWG) ausgelegt sein. Diese sind ein Wert, der aus der Bevölkerungszahl sowie dem angesiedelten Gewerbe die nötige Reinigungsleistung einer Kläranlage errechnet. Wegen der täglichen Pendelbewegungen in das Umland sei auch eine Anlage für 3000 EWG realisierbar, sagte Gleim.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Samstag, 19. November.

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