Vortrag in Battenberg

Zuchthaus als Strafe fürs Radiohören

Arndt Böttcher (r.) berichtete auf Einladung des Geschichtsvereins-Vorsitzenden Matthias Seim von drei Battenbergern, die über den Volksempfänger ausländischer Sender verfolgten. Foto: ph

Battenberg - Drei Battenberger hörten zur Zeit des Nationalsozialismus ausländische Radiosender. Dafür wurden sie verurteilt. Über ihr Schicksal berichtete Arnd Böttcher.

Rund 30 Zuhörer begrüßte der Vorsitzender des Geschichtsvereins Matthias Seim im Alten Rathaus zum Vortrag „Drei mutige Battenberger hörten im Krieg Feindsender“. Der Frankenberger Arndt Böttcher berichtete über seine Recherchen zum Nationalsozialismus in der Region.

Auf dem Tisch im alten Rathaus stand ein Volksempfänger,. Dieser wurde im Dritten Reich mit einem Warnschild versehen, auf dem stand, dass das Hören ausländischer Sender ein Verbrechen ist. Dem Vortrag schloss sich eine rege, teils emotionale, Diskussion an, die zeigte, dass die Erinnerungen an die Vergangenheit vorhanden sind.Arndt Böttcher berichtete über die drei Battenberger, die im Jahr 1940 wegen Hörens ausländischer Rundfunksender zu mehrjährigen Zuchthausstrafen verurteilt wurden. Dies war ein Fall zivilen Widerstands in der kleinen rund 1000 Einwohner zählenden Stadt.

Am 26. Juli 1940 wurden der Schmied Hermann Willstumpf, der Schneider Willi Schmitt und der Klempner Heinrich Noll vom Oberlandesgericht in Kassel wegen Hörens ausländischen Rundfunks, sogenannte Feindsender, verurteilt. Schmitt und Noll bezahlten die Haft mit ihrem Leben, Willstumpf mit seiner Gesundheit. Diese Ereignisse sind in der heutigen Zeit und bei der Vielfalt der Medien nur schwer vorstellbar.

Über ihr Schicksal, das stellvertretend für die vielen Tausend - allerdings nicht immer überführten „Schwarzhörer“ - stehen kann, hat Arndt Böttcher umfangreiche Recherchen betrieben und mehrere Zeitungsartikel verfasst.

Auf Grundlage einer digitalisierten Fassung, die von dem früheren Battenberger Lehrer Thomas Krane erarbeitet worden war, hat der Geschichtsverein das wichtigste Material nun mit Unterstützung des SPD-Ortsvereins zu einer kleinen Dokumentation zusammengefasst. Sie wurde beim Vortrag vorgestellt. Das Heft 34 der Battenberger Geschichtsblätter kostet sechs Euro, für Mitglieder vier Euro.

(ph)

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