Zehn Monate in Irland

Zuhause in einer fremden Familie

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Haina-Löhlbach - Sie denkt noch immer gerne an die Zeit in Irland zurück: Die Löhlbacherin Theresa Möller lebte zehn Monate auf der "Grünen Insel" und betreute in einer Gastfamilie zwei kleine Kinder.

Haina-Löhlbach. Theresa Möller strahlt über das ganze Gesicht, wenn sie von Irland und ihrer Gastfamilie erzählt. Zehn Monate wohnte sie beim Ehepaar Maunsell-Foley und dessen beiden Söhnen Fionàn und Liam in Abbeydorney. In dem kleinen Ort im Südwesten Irlands leben rund 500 Einwohner. „Das hatte den Vorteil, dass ich bald alle vom Sehen her kannte“, sagt Theresa.

Die 21-Jährige aus Löhlbach hat in Korbach eine Ausbildung zurSozialassistentinabgeschlossen.Dazu gehörte auch ein halbjähriges Praktikum. „Das wollte ich gerne im Ausland machen“, erläutert Theresa. Irland reizte sie besonders, da sie vermehrt von der Gastfreundschaft der Inselbewohner gelesen hatte. Das kann Theresa jetzt aus eigener Erfahrung bestätigen: „Die Iren sind total offen, kontaktfreudig und unvoreingenommen. Sie denken erst einmal nie etwas Schlechtes von einem anderen Menschen.“ Neben den Iren hat sie auch die Landschaft der „Grünen Insel“ in ihr Herz geschlossen. Gemeinsam mit anderen Au-pair-Mädchen, die sie in der Abend-Sprachschule kennenlernte, bereiste Theresa an einigen Wochenenden verschiedene Dörfer und Städte Irlands. Der Inselstaat ist von der Fläche her etwa fünfmal kleiner als Deutschland. Theresa beeindruckte vor allem die vielfältige Landschaft: Berge, Meer, Klippen, Palmen und Sandstrände. „Es ist sagenhaft“, sagt Andrea Möller, Theresas Mutter, begeistert. Die Eltern der 21-Jährigen hatten ihre Tochter für eine Woche in Irland besucht.

Doch Theresa war nicht ausschließlich zum Urlaub machen in Irland. Unter der Woche sollte sie sich bis etwa 16.30 Uhr um die beiden Kinder des Ehepaars Maunsell-Foley kümmern, „aber es gab eigentlich keinen richtigen Feierabend“. Wenn die 21-Jährige abends in ihrem Gästezimmer blieb, war sie nicht lang allein: Der heute zweijährige Liam wollte unterhalten und gekuschelt werden.

Als Theresa am 15. August vergangenen Jahres in Abbeydorney ankam, war Liams Bruder Fionàn noch nicht geboren. Die Löhlbacherin erlebte Schwangerschaft, Geburt und Taufe hautnah mit. „Ich gehörte einfach dazu und war ein Teil der Familie.“ Im Laufe der zehn Monate passte Theresa mehrmals am Wochenende und auch einmal eine ganze Woche allein auf das Baby und das Kleinkind auf.

Verantwortung für Kinder

„Durch die Verantwortung für zwei kleine Kinder bin ich viel selbständiger und reifer geworden“, ist sich die junge Frau sicher. In Irland übernahm sie Aufgaben, die sie in Löhlbach eher ihrer Mutter überließ, wie Waschen und Kochen. „Meine Gastmutter hatte keine Lust zu kochen. Wenn sie doch einmal etwas zubereitete, gab es nur Nudeln mit Fertigsoße oder panierten Fisch mit Kartoffeln und trockenem Gemüse“, erzählt Theresa. Für etwas Abwechslung auf dem Speiseplan habe sie das Kochen schließlich selbst übernommen.

Wenn die 21-Jährige einen Abend ohne Kinder verbringen wollte, ging sie mit ihren Freundinnen ins Kino, in Pups, ins Theater oder ins Museum, etwa das Kobold-Museum in Dublin. Dafür durfte sie den Au-pair-Wagen der Familie fahren. „Das Auto war sehr alt, wir sind ganz oft damit stehengeblieben“, erinnert sich Theresa und lacht. Was für andere womöglich ein Grund zum Verzweifeln gewesen wäre, nahm die junge Frau mit Humor. „Es ist wichtig, unvoreingenommen in eine Gastfamilie zu gehen“, weiß sie. „Wenn ich nicht offen für Neues gewesen wäre, hätte ich nach der ersten Woche wieder zurück nach Hause gewollt“, ist sich Theresa sicher. Mit ihrer Einstellung gewann sie die Zuneigung der Familie, zu der sie immer noch Kontakt hat.

Der Abschied fiel Theresa ähnlich schwer, wie der von ihrer eigenen Familie. Mitgenommen hat sie einen irischen Akzent. Weil Theresa fließend Englisch spricht, hofft ihre Mutter auf bessere Berufschancen für ihre Tochter. Die 21-Jährige möchte „Soziale Arbeit“ studieren und noch einmal in Irland arbeiten, „aber immer wieder nach Deutschland zurückkommen.“

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