Kein Vorstand für den Rosenthaler Sportverein gefunden

Zukunft des TSV auf Messers Schneide

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Sorgenvolle Gesichte beim Gesamtvorstand und den Spartenleitern Beate Becker, Friedhelm Trusheim, Heinrich Balzer, Heiko Becker und Vera Klingelhöfer (von links): Der TSV hat niemanden gefunden, der den Vorsitz übernehmen will. Foto: Jürgen Jacob

Rosenthal - Falls nicht in allernächster Zeit die Vorstandsfrage geregelt wird, droht im März 2014 die Auflösung des 800 Mitglieder starken Turn- und Sportvereins Rosenthal.

Rosenthal. Geht im April 2014 nach 111 Jahren die Ära des TSV Rosenthal zu Ende? Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung versuchte der amtierende Vorstand gemeinsam mit den Mitgliedern, noch eine Lösung zu finden und die Gründe für die bisher erfolglose Suche nach einem neuen ersten Vorsitzenden zu finden.

„Die Klärung meiner Nachfolge ist für mich die schlechteste Erfahrung in meiner gesamten Zeit im Vorstand“, erklärte Noch-Vorsitzender Heinrich Balzer zu Beginn der Sitzung. Positiv hingegen blickte er auf die gelungene Ausrichtung des Heimatfestes Rosenthal anlässlich des 110-jährigen Bestehens im Juli zurück. Die Zusammenarbeit im Vorstand und auch im Festausschuss war für die Verantwortlichen sehr erfolgreich und mit viel Freude verbunden.

Die Auflösung droht

Heinrich Balzer hatte schon im vergangenen Jahr angekündigt, dass er ab 2013 nicht länger als erster Vorsitzender zur Verfügung stehe. Doch trotz intensiver Suche wurde kein Ersatz gefunden. Nicht erst seit der abgebrochenen Jahreshauptversammlung im März laufen die Gespräche bezüglich Balzers Nachfolge - bislang aber ohne Erfolg (die FZ berichtete).

Kürzlich wurden alle Mitglieder in einem Schreiben darauf hingewiesen, was es bedeutet, wenn sich kein neuer Vorstand findet. „Das Fundament bricht, dem Verein droht die Auflösung“ ist darin zu lesen. Denn aktuell besteht der Vorstand nur aus zwei Mitgliedern: Der stellvertretenden Vorsitzenden Vera Klingelhöfer und Kassiererin Beate Becker. Beide sind noch bis zum März 2014 im Amt, wollen sich aber unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht zur Wiederwahl stellen.

Gemeinsam mit den Spartenleitern haben die Verantwortlichen zahlreiche Diskussionen geführt und mögliche Szenarien durchgespielt. Dabei wurde auch deutlich, dass viele Aufgaben in den einzelnen Abteilungen laufen und auch die Arbeit innerhalb des Gesamtvorstandes gut verteilt ist.

Bei der außerordentlichen Versammlung wurde jetzt auch noch einmal die Stimmung und Ideen der Mitglieder abgefragt. Mehr als 60 Mitglieder und somit knapp 20 Prozent der Aktiven, waren gekommen, um über den Punkt „Vorstandsnachfolge“ zu diskutieren - ein Zeichen dafür, dass es doch noch ein großes Interesse unter den Mitgliedern gibt.

Heiko Becker, Abteilungsleiter der Sparte Tischtennis, hatte die Diskussionsleitung übernommen und stellte zunächst die Frage, was die Menschen daran hindert, sich für das Amt des ersten Vorsitzenden bereitzustellen. Schnell wurde deutlich, dass Verantwortung übernehmen, allgemeine Überlastungen in Beruf und Familie oder auch die Befürchtung, zu viel Arbeit zu haben, manche abschrecken.

Aber es gab auch Stimmen, die unterstrichen, dass Ehrenamt auch die persönliche Entwicklung fördert und ein Gewinn für alle Aktiven ist. „Die Gemeinschaft lebt vom Gemeinschaftsgeist“, unterstrich Karl-Heinz Waßmuth, selbst langjährig in der Vereinsarbeit tätig.

Idee: Satzung umgestalten

Die Idee des Vorstands ist nun, das Amt an die Person anzupassen. So gibt es Überlegungen, das Amt des ersten Vorsitzenden auf ein Team zu verteilen und mehreren gleichberechtigten Vorsitzenden die Führung zu überlassen. Auch Vorschläge, wie den Verein „gesund zu schrumpfen“ oder die Arbeit der Geschäftsstelle umzugestalten, kamen in der Runde auf. Diese Ideen sollen nun weiter besprochen werden.

Vorbehaltlich weiterer Gespräche wurde schon jetzt durch die Mitgliederversammlung beschlossen, dass der Vorstand sich Gedanken zu einer Umgestaltung der Vereinssatzung machen soll und auch eine solche erarbeiten kann. Wenn sich nun auch noch einige Mitglieder finden, die ein wenig Verantwortung übernehmen wollen, kann der Verein weiterleben und die Abteilungen Fußball, Leichtathletik, Tischtennis und Turnen können auch nach 2014 gemeinsam unter dem Dach des TSV zusammenarbeiten.

Der Vorstand lädt alle Mitglieder ein, am Freitag, 15. November, ab 20 Uhr im Sportlerheim weiter zu diskutieren. (jj)

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