Schüler machen Praktika im Frankenberger Land

Zwei Wochen "Berufsluft" schnuppern

+
Die 15-jährige Edertalschülerin Lisa Cronau während ihres Praktikums im Fitnesscenter „Charisma“ an einem der zahlreichen Sportgeräte.

Frankenberg - Betriebspraktika sollen das Interesse am Berufsleben wecken und Karrierewege aufzeigen. Darum haben mehr als 120 Gymnasiasten in den vergangenen zwei Wochen praktische Erfahrungen in Betrieben des Landkreises gesammelt.

Es ist schon vorgekommen, dass Schüler in einem Betrieb erst ein Praktikum absolvierten und dann eine Ausbildung anschlossen, so gut hat es ihnen dort gefallen. Ob das bei jenen 120 Edertalschülern ebenso ist, die gerade im gesamten Altkreis ins Berufsleben hineinschnuppern, muss sich noch zeigen. Doch gefallen tut es den meisten. Ihre gesammelten Eindrücke sollen helfen, eine Orientierung für den weiteren Arbeitsweg nach dem Abitur zu finden.

Die Vorbereitungen für das Praktikum fanden noch an der Schule statt. In Zusammenarbeit mit dem Heiztechnik-Hersteller Viessmann durchliefen die Schüler drei Module eines Bewerbungstrainings. Zuerst ging es zu einer Betriebsführung an den Viessmann-Stammsitz in Allendorf. Darauf folgte das Bewerbungsschreiben im zweiten Modul. Mit einem Einstellungstest wurde schließlich das Wissen der Schüler getestet: Sie mussten Mathe-Aufgaben lösen, Fragen aus Politik, Geschichte und Geografie beantworten, physikalische Gleichungen lösen und mehr.

Der Anreiz für den 15-jährigen Philipp Hoffmann, den Arbeitsalltag der Mitarbeiter im Werkmarkt „Eisen-Finger“ kennenzulernen, war eine Empfehlung seines Bruders. Der hatte sein Praktikum ebenfalls dort absolviert - und war begeistert. „Das Berufsfeld weckt auch in mir Interesse“, sagt Philipp. Sein zuständiger Betreuer teilt ihm stets neue Aufgaben zu. In den ersten Tagen musste er etwa Waren verschiedener Lieferanten entgegennehmen, die schon jetzt Gartengeräte für die nächste Frühlingssaison anliefern. Die entsprechenden Lieferscheine musste er in Akten sortieren.

Sein handwerkliches Geschick beweist Philipp beim Zusammenbauen von technischen Geräten. Im Laufe seines Praktikums bei dem Frankenberger Einzelhandel lernte er auch das Computersystem des Betriebs kennen und wurde mit der Sicherung diverser Daten vertraut gemacht.

Nach einigen Tagen im Praktikum ist er sich noch nicht sicher, ob er dieser Art von Arbeit auch später einmal nachgehen möchte: „Da lege ich mich noch nicht fest, aber grundsätzlich bin ich nicht abgeneigt.“ Und obwohl bereits viele seiner Erwartungen an das Betriebspraktikum erfüllt wurden, sind noch einige Wünsche offen: „Ich würde gerne nochmal die Möglichkeit bekommen, die Kunden hinter der Kasse zu bedienen.“

Soziales statt Handwerk

Während Philipp mit Kunden zu tun hat, die handwerklich interessiert sind, kümmert sich Sophie Krüger um den Frankenberger Nachwuchs. Die Edertalschülerin hat sich dazu entschlossen, ihr Betriebspraktikum im sozialen Bereich zu absolvieren. „Das ist die richtige Aufgabe für mich, weil ich Freude daran habe, mit Kindern zu arbeiten“, sagt sie. Ihre Entscheidung fiel auf die integrative Kindertagestätte „Kegelbergzwerge“, die sie als Kind selbst schon besuchte.

In der „Hexengruppe“ für zwei- bis fünfjährige Kinder darf sie täglich zusammen mit den Kleinen den Frühstückstisch decken - und muss im Anschluss daran auch den Abwasch erledigen. Das macht ihr wenig aus. Besondere Freude jedoch hat sie an der Erziehungsarbeit, obwohl sie diese nicht ganz alleine verrichten darf: Der 15-Jährigen wird erlaubt, den Kindern Bücher vorzulesen oder mit ihnen Spiele zu spielen. Auch wenn ihr das sichtlich Spaß macht: Für ihren weiteren Lebensweg sieht sie die Kindererziehung jedoch nur als Alternative an. „Eigentlich ist es mein Wunsch, Tierärztin zu werden“, bekennt Sophie. Dass sie die dafür nötigen Abiturnoten jedoch schafft, mag sie noch nicht beurteilen. „Deshalb wäre ein sozialer Beruf wie dieser ein schöner ‚Plan B‘ für mich“. Dabei erfüllt der Praktikumsplatz im Kindergarten der Lebenshilfe all ihre Erwartungen: Für Sophie spielt ein guter Umgang, sowohl mit den Kollegen als auch mit den Kindern, eine große Rolle. „Mir macht es viel Spaß, mit Kindern zu arbeiten und hier wird es nie langweilig“, zieht sie ein erstes Fazit aus ihrem Praktikum.

Körperlich fordernd ist das Praktikum für die 14-jährige Lisa Cronau: Sie hat sich für eine sportliche Variante entschieden und arbeitet für zwei Wochen im Fitnesscenter „Charisma“. Grund für ihre Entscheidung waren die vielen positiven Rüchmeldungen anderer Praktikanten in dem Unternehmen.

Lisas Aufgabenbereiche sind unterteilt in die Arbeit an der Rezeption, das Bedienen der Kunden an der Theke und die Verwaltung. Jeden Tag hat sie eine andere Aufgabe zu erledigen, damit ihr Praktikum vielseitig und abwechslungsreich bleibt. Und sie ist positiv überrascht: Nach den Erfahrungen ihrer ersten Arbeitstage kann sich die Ernsthäuserin grundsätzlich vorstellen, in dieser Branche zu arbeiten: „Es wäre denkbar, dass ich diese Art von Arbeit später einmal machen möchte. Aber ich habe ja noch Zeit, mich zu entscheiden“, hält sie sich alle Optionen offen. Zuvor möchte sie gerne noch mehr Eindrücke sammeln und fachliche Erklärungen von ihren Mitarbeitern bekommen.

Medizin macht Spaß

Menschen helfen und Kontakte knüpfen zu können war für Nosa Debus die Motivation, ein Praktikum im Frankenberger Kreiskrankenhaus als Krankenpfleger auf der Pflegestation für innere Medizin, anzustreben: „Diese Arbeit ist ein sehr kommunikativer Beruf“, sagt er. Zu seinen Aufgaben gehörte es, Blutdruck, Blutzucker und Puls der Patienten zu messen. Des Weiteren ist er für die Versorgung der Patienten mit Essen zuständig. Menschen zu begleiten, wenn sie spazieren gehen wollen oder die Toilette aufsuchen müssen, ist ein weiterer Bestandteil seiner siebenstündigen Arbeitstage.

Für ihn ist das Praktikum nur der erste Schritt in die Welt der Krankenhäuser - denn statt Pfleger würde Nosa lieber Arzt werden, wenn sich nicht sein großer Kindheitstraum erfüllt: „Mein erster Berufswunsch ist der des Zeichners“, bekräftigte er. Ob es später einmal tatsächlich in diese Richtung geht, muss die Zeit zeigen. Etwas praktische Erfahrung kann daher nicht schaden. Doch Nosa wünscht sich mehr Verantwortung: Gerne würde er den Patienten Medikamente verabreichen dürfen, was selbstverständlich in den Händen des ausgebildeten Personals liegt. Verantwortung zeigt er so durch das strenge Einhalten der Hygienevorschriften. So gehört das regelmäßige Desinfizieren der Hände und Arme beim Verlassen eines Raumes für ihn inzwischen zur Routine. Beim körperlichen Kontakt mit Patienten ist es ein Muss, Handschuhe zu tragen. Nosa bekommt spezielle Kleidung und ist dazu verpflichtet, weiße Schuhe zu tragen - ungewohnt für einen Schüler, der in der Schule eher leger gekleidet ist.

So kann er sich ab Montag wieder kleiden. Dann haben die Edertalschüler einen Einblick in Berufswelten gewinnen können, die später einmal zu ihrem Alltag werden könnten - oder auch nicht, denn es steht ja auch noch der Weg eines Studiums offen.

Von Zoe Hartmann und Marlena Kesper

Kommentare