Viessmann erwirbt Vollmer-Lizenz

Zweimal V unter einem Dach

Hatzfeld-Reddighausen - Mit Vollmer verabschiedet sich ein Traditionsunternehmen aus dem Modellbaumarkt. Die Marke aber bleibt: Viessmann aus Reddighausen erwirbt die Lizenz, die Formen haben Partnerunternehmen in Rumänien und Ungarn erworben. Für die neuen Produkte baut das Unternehmen an.

. Wer auf seiner Modellbahn-Platte Vollmer-Häuser stehen hat, der mag es höchstwahrscheinlich pittoresk. „Vollmar macht unglaublich detailverliebte Modelle“, schwärmt Wieland Viessmann von der Stuttgarter Traditionsmarke. Bayern und Baden-Württemberg sind stets die Inspirationsquellen gewesen für das Unternehmen, das mit mehr als 3000 Formen rund tausend Produkte für Sammler und Modellbahner herstellte. Groß war der Aufschrei in der Szene, als sich das Ende des Unternehmens abzeichnete - Wieland Viessmann hat dafür gesorgt, dass die Marke Vollmer nicht verschwindet.

Susanne Vollmer als Nachfolgerin ihres Vaters, Firmengründer Wolfram Karl Vollmer, stand vor einer schwierigen Situation: Die in Deutschland beheimatete Produktion sorgte für verhältnismäßig hohe Kosten, die beiden Töchter sahen sich beruflich in anderen Branchen zu Hause und der große Nachbar Porsche bot gutes Geld für das Grundstück. Verständlich nennt es daher Wieland Viessmann, dass der Entschluss fiel, das Unternehmen zu liquidieren.

Niedrigzinsphase hilft

„Wir haben kurze, aber erfolgreiche Verhandlungen geführt“, sagt Viessmann nicht ohne einen Hauch von Stolz. Einige Mitbewerber hätten ebenfalls Interesse gehabt. „Aber es ist nicht für jeden einfach, so etwas zu stemmen“, sagt Viessmann - und erklärt freimütig: „Auch uns hat die derzeitige Niedrigzinsphase dabei geholfen.“ Das Reddighäuser Unternehmen kauft Vollmer nicht komplett - dafür hatten auch die Verhandlungen zu spät begonnen, nämlich bereits in der Liquidation: „Wir konnten uns eine langfristige Lizenz sichern“, erklärt Firmengründer Wieland Viessmann. Die Formen für die beliebten Modelle befinden sich inzwischen zudem im Eigentum der Viessmann-Partner aus Ungarn und Rumänien. „Es waren alleine 17 Sattelschlepper à 22 Tonnen nötig, um das Material zu transportieren“, erläutert der Unternehmer den Umfang der Akquise.

Für sein Unternehmen kommt die Erweiterung um eine dritte Marke - seit 2010 gehört Kibri zu Viessmann - zum rechten Zeitpunkt: „Der Zufall wollte es, dass wir für die Kibri-Werkzeuge im Juni eine neue Halle in Betrieb genommen haben. Da kommt jetzt Vollmer rein“, berichtet Viessmann über die ungarische Dependance. Die Halle sei hochgradig energieeffizient, die Abwärme der Spritzguss-Maschinen werde mit einer - wie könnte es anders sein - Viessmann-Wärmepumpe für die Fußbodenheizung genutzt, die Halle ist stark gedämmt. „Dort findet Vollmers Formenschatz eine schöne neue Heimat“, freut sich Viessmann.

Und auch am Stammsitz in Reddighausen, wo selbst nicht mehr produziert wird, tut sich einiges. „Wir wollten für Konfektionierung und Versand eine neue Halle bauen. Die wird jetzt vergrößert“, erläutert der Inhaber. Die Baugenehmigung der Stadt Hatzfeld liege bereits vor. Noch in diesem Jahr sollen die Fundamente gesetzt werden, im Frühjahr beginnt dann der Hochbau. Bis zur Fertigstellung erhält das Unternehmen Container - denn nach dem Kauf einiger Vollmer-Modelle und bereits fertiger Produkte sind die Produktions- und Schulungsräume in Reddighausen derzeit mit Kartons beinahe überfüllt.

Marken bleiben getrennt

Der Kunde soll von alledem möglichst wenig mitbekommen. Viessmann, Kibri und Vollmer sollen als eigenständige Marken nebeneinander existieren. „Natürlich wollen wir auch einige Vollmer-Modelle mit Elektrizität versehen“, erlaubt Wieland Viessmann einen Blick in die Zukunft. In der Kernmarke Viessmann werde zudem gerade an einer Steuerung von Anlagen per Smartphone oder Tablet gearbeitet. „Es tut sich was im Markt“, hat der Reddighäuser Unternehmer erkannt.

Das registriere er auch auf Messen, wo Viessmann, Vollmer und Kibri weiterhin getrennt auftreten: „Es kommen wieder mehr junge Familien mit Kindern.“ Nach einer Krise rund um die Märklin-Pleite habe sich der Markt konsolidiert und sei wieder am wachsen. „Mit Vollmer werden wir vom Umsatz her an Faller herankommen“, blickt Wieland Viessmann auf einen der größten Wettbewerber. Das Wachstum schlägt sich auch in der Zahl der Mitarbeiter nieder - wenn auch mäßig: „Zwei bis drei Kollegen werden wir hier in Reddighausen sicher brauchen“, sagt Viessmann. Ähnlich sehe es bei den ausländischen Partnern aus.

Denen verdankt er, dass die Vollmer-Produkte künftig wohl sogar etwas günstiger angeboten werden können: „Wir sparen natürlich insbesondere dadurch, dass wir keine zweite Verwaltung brauchen“, sagt Viessmann. Es werde ein Geschäftsführergehalt gespart, im Marketing und im Vertrieb. Auch die Produktion in Ungarn und Rumänien sei geringfügig günstiger, erläutert der Geschäftsführer und ergänzt: „Wir möchten versuchen, dies auch an den Kunden weiterzugeben.“ Bereits ab Mitte September soll es wieder Vollmer-Produkte auf dem Markt geben. Vielen Kunden dürfte die derzeitige Lieferlücke kaum auffallen: Viele Fachhändler haben noch Produkte im Lager - und bekommen ab Herbst Vollmer-Ware mit Viessmann-Herz.

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