Zweites Frühchen in Marburg vergiftet?

Verdacht auf Tötung: Babyleiche im Schwalm-Eder-Kreis exhumiert

Marburg/Willingshausen. Bei einem Frühchen in Marburg wird eine Vergiftung festgestellt, es überlebt knapp. Eine Krankenschwester sitzt in U-Haft. Ermittler gehen einem schrecklichen Verdacht nach. Deswegen wurde nun ein totes Baby im Schwalm-Eder-Kreis aus seinem Grab geholt und untersucht.

Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zu diesem Fall:

Welchen Verdacht haben die Ermittler?

Aktualisiert um 17 Uhr

Die Ermittler vermuten, dass die Krankenschwester nicht nur dem einen Frühchen eine Vergiftung durch Narkosemittel zugefügt hat. „Ja, es gibt weitere Verdachtsfälle“, bestätigte Ute Sehlbach-Schellenberg, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Marburg. In diesen Fällen bestehe gegenüber der Schwester der Anfangsverdacht auf ein Tötungsdelikt. Die Behörden prüfen nun, ob es auch eine Verbindung zwischen einer Babyleiche aus dem Schwalm-Eder-Kreis und dem vergifteten Kind gibt.

Wie sind die Ermittler jetzt bei uns in der Region vorgegangen?

Ein im Dezember 2015 auf der Marburger Frühchen-Station verstorbenes Baby wurde am Freitagmorgen auf einem kleinen Friedhof in der Gemeinde Willingshausen im Schwalm-Eder-Kreis exhumiert. Das Kind stammte aus dem Schwalm-Eder-Kreis. Ein Leser bestätigte gegenüber unserer Zeitung die Exhumierung. Die Frau des Lesers war gerade auf dem Friedhof, als das Grab des Babys unter Polizeiaufsicht geöffnet wurde. Eine Obduktion soll klären, ob das Kind auch durch Narkosemittel getötet wurde.

Wann ist mit den Ergebnissen der Obduktion zu rechnen?

Lesen Sie auch:

-Überdosis Narkosemittel bei Frühchen: Verdächtige festgenommen

Bis wann genau Ergebnisse vorliegen, steht noch nicht fest. Vermutlich frühestens im Laufe der kommenden Woche. Die Staatsanwaltschaft gab nur bekannt, dass die Untersuchung der Leiche „einige Zeit“ dauern werde.

Wie hat man festgestellt, dass das gerettete Baby vergiftet wurde?

Auf der Frühchen-Station waren vor einer Woche bei einer Untersuchung unerklärliche Werte der Narkosemittel Dormicum (der Wirkstoff heißt Midazolam) und Ketamin im Blut des kleinen Mädchens festgestellt worden. Daraufhin war die Frau festgenommen worden.

Was ist über die Krankenschwester bekannt?

Nicht viel. Sie hat offenbar seit mehreren Jahren auf der betreffenden Station gearbeitet. Zur Identität der Frau machte die Staatsanwaltschaft bislang keine Angaben.

Ist das vergiftete Mädchen in ein anderes Krankenhaus verlegt worden?

Die Eltern des einen Monat alten Mädchens lassen das Kind weiter auf der Frühchen-Station der Uniklinik betreuen. Das berichtete der ärztliche Direktor Prof. Harald Renz. Es gebe auch keinen anderen Fall, in dem die Eltern eines Frühchens sich für die Betreuung durch eine andere Klinik entschieden hätten. Renz wertet dies als Vertrauensbeweis für die Kinderklinik. Die Eltern lehnen laut Klinik den Kontakt zur Presse ab.

HINTERGRUND

Was ist eine Exhumierung?

Das tote Baby aus dem Schwalm-Eder-Kreis ist exhumiert worden. Das bedeutet, dass die Leiche des Babys ausgegraben und aus dem Grab geholt wird. Das ist in Deutschland aber rechtlich nicht einfach ohne weiteres möglich. Die Ausgrabung einer Leiche ist in erster Linie in einem Strafverfahren für eine Leichenschau zulässig – so wie im Fall des toten Frühchens. Die Störung der Totenruhe wird beim Exhumieren prinzipiell bewusst in Kauf genommen, um dadurch ein Verbrechen aufzuklären. Die Angehörigen des Toten werden von den Behörden in der Regel benachrichtigt. Wenn der Verdacht besteht, dass die Leiche vergiftet wurde (so wie bei dem Baby im Schwalm-Eder-Kreis), ist laut einer Richtlinie für Strafverfahren normalerweise auch ein chemischer Sachverständiger bei der Exhumierung anwesend.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion