Asamblea Mediterranea bezauberte zum Tag des Denkmals in der Liebfrauenkirche

Zwischen Tag und Traum

„Hör mal im Denkmal“: Unter diesem Motto bot in der gotischen Frankenberger Liebfrauenkirche am Freitagabend „Asamblea Mediterranea“ ein sehr atmosphärisches Konzert mit jüdischer Musik der Sepharden und Ashkenazen. Foto:  Völker

Frankenberg. Mit einer klangfarbenprächtigen, märchenhaften Entdeckungsreise zwischen Orient und Okzident auf den Spuren der spanischen Sepharden bezauberte am Freitag die „Asamblea Mediterranea“ in der Liebfrauenkirche ein hoch aufmerksames Publikum.

Auf Einladung des Frankenberger Kulturrings und der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen bot das achtköpfige Ensemble zum „Tag des Offenen Denkmals“ ein Konzert mit hoher solistischer Qualität, authentischer Musikkultur und einer Atmosphäre voller Poesie.

Dabei spielte das Denkmal Liebfrauenkirche selbst aktiv mit: Während die acht Musikerinnen und Musiker ihre Lieder von Liebe und Abschied, von Seefahrern und Tänzern in einer Stimmung zwischen Tag und Traum aus der Vierung des gotischen Gotteshauses erklingen ließen, begannen in der Abenddämmerung die von außen angestrahlten Chorfenster zu strahlen. Baugerüste im Schatten machten aber auch sichtbar: Menschen arbeiten tagsüber an der Erhaltung dieses mittelalterlichen Gotteshauses.

Die eigene Entdeckungsfreude im Musikreichtum der Kulturen rund um das Mittelmeer war dem Ensemble immer wieder anzumerken. Der Jerusalemer Gittarist und Arrangeur Alon Wallach machte deutlich, wie Musik der spanischen Juden auf der Flucht in die Türkei transportiert wurde, im Austausch der Kulturen ihren Grundrhythmus veränderte und neue Stilformen adaptierte – das Publikum durfte es klatschend ausprobieren. Das Lieblingslied der Gruppe „Avram avinu“, dem für drei Religionen gemeinsamen Stammvater Abraham gewidmet, war zugleich auch ein Zeugnis für die Möglichkeit einer friedlichen Koexistenz zwischen Juden, Muslimen und Christen.

Solistische Einzelleistungen

Dass der Klangkosmos der jüdischen Sepharden und Ashkenazen im Mittelmeerraum mit solch betörender Pracht aufgeblättert wurde, ist das Verdienst großartiger solistischer Einzelleistungen: Ines Amanovic und Gabriele Anna Lesch verzauberten mit den changierenden Farben ihres Gesangs, Melani Bogisch mischte dazu die perlenden Blockflötenläufe, kontrastiert von Andreas Geyers virtuos tanzender Klezmer-Klarinette und feinsten Violinenlinien, die Yen-Lin Huang darüber schweben ließ. Hans-Christof Dreßen trieb die Tänze mit dem Kontrabass an, Andreas Pastorek erreichte mit minimaler Fingerkuppen-Perkussion spannungsvolle Effekte.

Es gab langen Beifall und mehrere Zugaben. Für den Frankenberger Kulturring bedankte sich Werner Bistritz für ein herausragendes Konzert bei den Künstlern von Asamblea Mediterranea, der Sparkassenstiftung und der evangelischen Kirchengemeinde als Gastgeberin.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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