Geismarer Heimat- und Kulturverein wandert auf dem Zechsteinpfad

Zwischen Zechenhaus und Neuer Hütte

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Frankenberg-Geismar - Mit Geologie, Bergbaugeschichte und Botanik zwischen Frankenberg und Geismar befassten sich die Teilnehmer einer Wanderung auf dem geplanten Zechsteinpfad.

Eine alte Haldenlandschaft, Weiße Berge, Zechenhaus, Neue Hütte oder blühender Acker-Wachtelweizen zeugen von der Geismarer Bergbauzeit vom 17. bis 19. Jahrhundert.

Der Geismarer Heimat- und Kulturverein wählte für seine traditionelle Wanderung an Fronleichnam den „Geismarer Zechsteinpfad“, der in Kürze von der Stadt Frankenberg und dem Geopark GrenzWelten ausgewiesen und beschildert werden soll.

Geschichte des Bergbaus

Er führt als Rundweg vom Geismarer Dorfmuseum aus über acht Stationen zu den Spuren der Bergbaugeschichte und entlang von Fossilien-Fundstätten des 250 Millionen Jahre alten Zechsteinmeers.

Der Geismarer Bergbauhistoriker Hans-Joachim Schlaudraff gab Einblicke in die Vergangenheit. Auf der Haldenlandschaft „Gnadenthal“ sind bis heute bewaldete Hügel zu sehen, die durch den Bau der über 100 senkrechten Förder- und Bewetterungsschächte entstanden.

Auf der Höhe zwischen Frankenberg und Geismar ließ Landgraf Friedrich I. im Jahr 1746 das Zechenhaus erbauen, das bis zur Aufgabe des Bergbaus 1818 als Verwaltungssitz diente. Günter Faust und Gerhard Kesper vom NABU stellten die in voller Blüte stehende Charakterpflanze der Halden vor: den Acker-Wachtelweizen (siehe Kasten).

An den rötlich-gelben Dohlenfelsen legten die Wanderer eine Rast ein. Die bis zu 30 Meter hohen Gesteinsformationen aus dem Erdzeitalter des Trias entstanden durch sandige Ablagerungen in Binnengewässern.

An der Neuen Hütte betrachteten die Wanderer eine alte Sandsteintafel aus dem Jahr des Baus 1681. Dort wurde aus dem abgebauten Roherz Kupfer gewonnen. Die durchschnittliche Jahresproduktion betrug 16 Tonnen.

„Krallwäsche“ als Ursprung

Reste der ehemalige „Krallwäsche“ bilden die „Weißen Berge“, die bis heute geologisch und ökologisch als sehr wertvoll eingeschätzt werden. Hier findet man auch die Versteinerungen der „Frankenberger Kornähre“. Über die „Champagne“ wanderten die Geismarer zurück zum Dorfmuseum neben der Kirche, wo die Wanderung bei Kaffee und Kuchen ausklang.

Hintergrund

Am Naturdenkmal Bergbauhalden zwischen Frankenberg und Geismar steht derzeit eine seltene Pflanze in voller Blütenpracht: der Acker-Wachtelweizen (Melampyrum arvense). Er ist eine Charakterpflanze der Geismarer Pingen. Intensiv lila-rot gefärbte Hochblätter bilden den Schopf des auffälligen, ährenförmigen Blütenstandes. Gelbe und weiße Flecken im mittleren Bereich der Rachenblüten verstärken den Kontrast zum dominierenden Rot. Die Blütezeit liegt zwischen Mai und August. Der Acker-Wachtelweizen lebt als Halbschmarotzer auf den Wurzeln von Gräsern. Ehemals kam er in großen Mengen auf extensiv genutzten Getreideäckern und Feldrainen mit kalkhaltigem, steinigen Boden ?vor. Heute treffen Naturfreunde die in Waldeck-Frankenberg stark gefährdete Art nur noch selten im Saum wärmeliebender Gebüsche oder in Trockenrasen an. Der Standort an der ehemaligen Bergbauhalde wurde auf Vorschlag des Naturschutzbundes als flächenhaftes Naturdenkmal ausgewiesen und wird vom Landkreis Waldeck-Frankenberg in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des Betriebshof der Stadt Frankenberg gepflegt, damit Büsche der seltenen Schönheit nicht den Lebensraum streitig machen. (sr)

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