Autobauer zwischen Hoffen und Bangen

München - 2011 war für die deutschen Autobauer ein Rekordjahr. Doch bereits die jüngsten Jubelmeldungen waren überschattet von der Furcht vor dem Abschwung. Warum es bald ungemütlich werden könnte:

Kein deutscher Automanager hat den tiefen Absturz der Branche vor drei Jahren vergessen. Wettgemacht hat Deutschlands Vorzeigeindustrie ihn zwar längst: 2011 war für Daimler, BMW und VW das Rekordjahr. Nicht nur auf dem ungebrochen boomenden chinesischen Markt ging es aufwärts, auch der wichtige Heimatmarkt legte zu. Von Champagnerlaune war trotzdem wenig zu spüren. Zu groß ist die Sorge vor einem neuerlichen Einbruch, zu groß ist die Ungewissheit. Und so wagen die Herren in den Vorstandsetagen kaum Vorhersagen.

Autos unter 10.000 Euro

Top 10: Autos unter 10.000 Euro

“Das nächste Jahr wird gemessen an 2011 ein sehr viel schwierigeres werden“, sagt der Autoexperte Stefan Bratzel. “Es ist wichtiger denn je, dass auf Sicht gefahren wird. Der Modus “volle Fahrt voraus“ der vergangenen beiden Jahre verändert sich auf “Fuß vom Gas“.“

Man bereite sich “auf alle möglichen Situationen sorgfältig vor“, verkündete auch VW-Boss Martin Winterkorn Anfang Dezember. “Wir mussten schon einmal einen Rückgang um 25 Prozent verkraften, da bleibe ich lieber auf der vorsichtigen Seite“, sagte BMW-Finanzchef Friedrich Eichiner bei der Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal.

Vor allem die Politik und ihr Krisenmanagement treiben etlichen Managern Sorgenfalten auf die Stirn, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Gerade der Euro ist für die auf den Export angewiesenen Autobauer ein Erfolgsmodell, das sie sich entschlossener und nachdrücklicher verteidigt wünschten.

Doch neben allen Krisenszenarien gibt es noch die Realwirtschaft. Und dort läuft es auf den meisten Märkten weiter rund. Die Schere zwischen der Furcht vor einem Absturz und den weltweit ausgelasteten Fabriken klafft weit auseinander. VW, Audi, BMW und Daimler verkaufen so viele Autos wie nie zuvor. So ist die Furcht bei vielen Firmen groß, dass eine Krise auch herbeigeredet werden könnte - denn die Rahmendaten sind erfreulich. Die Märkte in den Schwellenländern wie China, Brasilien oder Russland etwa dürften langfristig wachsen. Auch 2012 sollte eigentlich ein gutes Autojahr werden können.

“Wir gehen etwas vom Gas, aber halten das Tempo“, formulierte zuletzt der Präsident des Automobilverbandes VDA, Matthias Wissmann. Er sieht eine weltweit leicht steigende Nachfrage nach Autos. 65,4 Millionen verkaufte Wagen rund um den Globus werden es demnach in diesem Jahr sein, 68 Millionen Wagen könnten es 2012 werden.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer rechnet mit einer Stagnation. “In den USA und China wird es nach oben gehen, aber gebremst“, sagt Dudenhöffer. “In Europa geht es stark nach unten.“ Dies wäre seiner Ansicht nach für die Autobauer nach den Verkaufsrekorden 2011 auch kein Problem, solange die Hersteller vorsichtig agierten.

Nicht nur bei Volkswagen stellen sich die Strategen auf diverse Szenarien ein, auch bei BMW rechnet man verschiedene Modelle durch. Wohin die Reise wirklich geht, wollen auch die Münchner nicht orakeln. Volatile Märkte erwarte man, also Schwankungen in alle Richtungen. Furcht vor einer tiefen Rezession sei unangebracht. Einig sind sich die Hersteller, dass sie viel besser auf eine neuerliche Krise vorbereitet sind, als vor drei Jahren. “Trotzdem sind wir optimistisch, dass wir keinen weltweiten Einbruch der Märkte erleben werden“, sagte Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber jüngst der dpa.

Doch auch in Stuttgart regiert die Vorsicht. “Zuviel neues Personal einzustellen in der jetzigen Zeit wäre weder klug noch verantwortlich“, sagte Uebber und warnt die Gewerkschaften. “Es ist gerade nicht die Zeit zu sagen, die Gewinne gehen hoch und wir genehmigen uns jetzt was von dem Kuchen. Es wäre klug, weiterhin umsichtig zu bleiben und zunächst abzuwarten.“

dpa

Kommentare