Der Boah-Ey-Effekt

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Bereit zum rasanten Vergnügen: Im Cayman R genoss Reporterin Maria Zsolnay Rennwagen-Feeling, bequem war es aber nicht.

Als der Klatschreporterin das 330 PS-Geschoss vor die Füße brummt, ist es, als ob man Ralph Moeller gegenüber tritt: Unter seiner glänzenden Außenhaut zeichnet sich sein muskulöses Innenleben ab...

...selbstverliebt spiegelt sich die Umwelt in seinem Lack. Der ist köngisblau, was auch das einzig Majestätische an ihm ist. Flach und schwer drückt er sich auf die Straße, bereit zur schnellen Flucht – oder eben zum rasanten Vergnügen.

Klatschreporterin Maria Zsolnay im Porsche Cayman R

Der Porsche Cayman R kommt nicht elegant, stilvoll oder gar lässig daher. Nein, der Porsche Cayman ist laut, sexy, aggressiv. Der feststehende Heckspoiler und der seitliche, plakative Porsche-Schriftzug buhlen um Aufmerksamkeit. Und zeigen dem Kenner, dass es sich um die R, also um die rennsportliche (oder wie es Porsche auch gerne nennt, die reinrassige) Variante handelt. Denn schon den ersten Porsche 911 R von 1967 zierte dieser Schriftzug.

Porsche Cayman R

3,4-Liter-Sechszylinder Hubraum: 3.436 cm3 Leistung: 330 PS bei 7.400 U/min Verbrauch: 9,7 l/100 km (kombiniert) CO2-Emission: 228 g/km Höchstgeschwindigkeit: 282 km/h
Beschleunigung: von 0 auf 100 in 5,0 Sekunden Gewicht: 1.295 kg

Preis: ab 69.830 Euro

Doch dieser Kaiman aus der Porsche-Familie beißt nicht. Im Inneren erwartet einen eine Automatik- bzw. Halbautomatik-Schaltung. Damit kann dann auch die ungeübte Sportwagenfahrerin gefahrlos über die Leopoldstraße brettern und die Passanten zum Publikum machen. „Boah ey“-Rufe, Viktory-Zeichen und Daumenhoch-Signale sind der Dank, gerade von jungen Männern, die auch gerne mal an die Scheibe klopfen und fragen, ob sie eine Runde mitfahren dürfen. Männer begeistert auch die Sportabgas-Taste (damit wird’s lauter) – oder die Sport-Plus-Taste, wo er schließlich richtig grantig wird. Das Schaltprogramm ist für die Rundstrecke konzipiert: für einen Nachmittag am Nürburgring perfekt, für deutsche Autobahnen schlichtweg überflüssig.

Funktionell: Luxus sucht man im Cockpit vergebens, der Kofferraum ist winzig

Frauen haben vor allem ein Problem mit den extrem harten, kaum verstellbaren Sitzen. Unmöglich, da schnell oder gar elegant auszusteigen. Durch das hohe Seitenteil der Sitze quetscht man sich praktisch immer den Oberschenkel. Zwar fliegt man dann in einer rasanten Kurve nicht raus, kann aber der Rennsemmel nur langsam entsteigen. Bei einer Spritzfahrt der Klatschreporterin nach Bregenz schmerzt spätestens in Memmingen der Rücken. Zerknittert schält man sich aus dem Wagen. Wechselkleidung hat man so gut wie keine dabei – der Kofferraum ist mit einer Handtasche ja schon fast voll.

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Ganz klar: Das Rennwagen-Feeling steht bei dem Porsche Cayman R im Vordergrund. Deshalb hat ihn der schwäbische Autobauer auch ordentlich auf Diät gesetzt – gegenüber dem vergleichbaren Cayman S musste die R-Variante gleich um ganze 55 Kilo abnehmen. Das gelang mit Aluminiumtüren und den eben unbequemen, aber leichten Sportschalensitzen.

Leider hat man auch so praktische Dinge wie den Cupholder weggelassen und die Türgriffe durch rote Schlaufen ersetzt. Nette, aber ein wenig gewöhnungsbedürftige Spielerei. Porsche Cayman R ist wie ein Muskelprotz: Zum Spaß gerne, für den Alltag besser nicht.

Maria Zsolnay

Porsche Cayman R - sportliches Leichtgewicht

Porsche Cayman R - sportliches Leichtgewicht

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