Sonne, Mond und Sterne

2011 wird ein spannendes Jahr für Hobbyastronomen

- Hobbyastronomen aufgepasst: Gleich sechs besondere Schattenspiele wird es im kommenden Jahr am Himmel geben - vier partielle Sonnenfinsternisse und zwei totale Mondfinsternisse.

Zu Jahresanfang 2011 bietet uns der Himmel ein kosmisches Schattenspiel. Am 4. Januar findet am Vormittag eine partielle Sonnenfinsternis statt, die von Mitteleuropa aus beobachtbar ist - sofern das Wetter mitspielt. Je nach Standort werden bis zu drei Viertel der Sonne vom Neumond bedeckt.

Die partielle Sonnenfinsternis ist von Mitteleuropa aus fast in ihrer gesamten Länge zu sehen. Für die meisten Regionen beginnt die Finsternis kurz vor Sonnenaufgang. Für Orte östlich der Grenzlinie, die knapp westlich der Städte Görlitz, Prag und Salzburg verläuft, beginnt die Sonnenfinsternis erst kurz nach Aufgang der Sonne. Der größte Bedeckungsgrad wird zwischen 9.09 und 9.29 Uhr MEZ erreicht, wobei rund 70 Prozent der Sonnenscheibenfläche vom dunklen Neumond verdeckt werden. Das Schauspiel endet für die meisten Orte in Mitteleuropa zwischen 10.33 Uhr (Genf) und 10.55 Uhr MEZ (Brünn).

Die zweite partielle Sonnenfinsternis findet am 1. Juni abends statt und endet kurz nach Mitternacht - sie ist in Mitteleuropa allerdings nicht zu beobachten. Eine totale Mondfinsternis kann am 15. Juni abends bestaunt werden. Sie ist in ihrer zweiten Hälfte von Mitteleuropa aus zu sehen. Der Mond geht in unserem Gebiet bereits verfinstert auf. Die Finsternis endet mit dem Austritt des Mondes aus dem Halbschatten der Erde um 1.02 Uhr MESZ am 16. Juni.

Am 1. Juli findet die dritte partielle Sonnenfinsternis des Jahres 2011 statt. Sie ist nur im Südlichen Eismeer weit südlich von Südafrika sowie von einem Zipfel der Antarktis aus beobachtbar. Auch die vierte partielle Sonnenfinsternis entgeht uns in Mitteleuropa. Sie ereignet sich in den frühen Morgenstunden des 25. November und bleibt von der gesamten Nordhalbkugel der Erde aus unbeobachtbar.

Zum Jahresausklang findet nochmals ein kosmisches Schattenspiel statt, das von Mitteleuropa gesehen werden kann. Am 10. Dezember nachmittags wandert der Mond komplett durch den Kernschatten der Erde. Allerdings sehen wir bei uns nur den zweiten Teil dieser totalen Mondfinsternis. Denn wenn der Mond bei uns aufgeht, steht er nicht mehr vollständig im Kernschatten der Erde.

Zu Jahresbeginn beherrscht Jupiter als hellster Planet den Winterhimmel. Er leuchtet als erstes Gestirn in der Abenddämmerung im Westen auf. Der Riesenplanet wandert durch das Sternbild Fische. Anfang Januar zieht er nur eine Vollmondbreite südlich am fernen, grünlichen Uranus vorbei. Im März nimmt Jupiter Abschied vom Abendhimmel. Mitte Mai macht er sich am Morgenhimmel bemerkbar und wird bis Sommer zum Planeten der zweiten Nachthälfte. Anfang August verlagert er seine Aufgänge in die Zeit vor Mitternacht. Am 29. Oktober kommt der Planet in Opposition zur Sonne. Er steht der Sonne genau gegenüber und ist die ganze Nacht über sichtbar. Bis Jahresende beherrscht Jupiter die erste Nachthälfte, wenn er auch am frühen Abendhimmel im Dezember von Venus Konkurrenz bekommt.

Venus spielt zu Jahresbeginn ihre Rolle als Morgenstern. Am Morgenhimmel ist sie über dem Südosthorizont als hellstrahlender, weißer Lichtpunkt zu sehen. Im Laufe des Frühjahres verkürzen sich ihre Sichtbarkeitszeiten. Im Juni zieht sich unser innerer Nachbarplanet vom Morgenhimmel zurück und wird für drei Monate unsichtbar. Ende Oktober, Anfang November macht sich Venus auf der abendlichen Himmelsbühne bemerkbar. Noch ist sie ziemlich unauffällig als Lichtpunkt tief im Südwesten in der Abenddämmerung zu erspähen. Im Dezember baut Venus ihre Stellung am Abendhimmel nur zögerlich aus. Im Frühjahr 2012 wird sie hingegen zum strahlenden Abendstern.

Außer Venus ist zu Jahresbeginn 2011 noch der schwierig zu beobachtende Merkur am Morgenhimmel vertreten. Der sonnennächste Planet zeigt sich in der ersten Jahreshälfte bei guter Sicht knapp über dem Südosthorizont in der Morgendämmerung. Vom 15. bis 24. März ist Merkur tief im Westen nach Sonnenuntergang für eine halbe Stunde zu sehen. Noch zweimal lässt er sich am Morgenhimmel blicken. Ende August bis Anfang September sowie in der zweiten Dezemberhälfte kann man den flinken Planeten kurz in der Morgendämmerung erspähen.

Mars bleibt in der ersten Jahreshälfte unsichtbar in den Strahlen der Sonne verborgen. Am 4. Februar holt ihn die Sonne ein, er steht in Konjunktion mit ihr. Zur Jahresmitte taucht unser äußerer Nachbarplanet allmählich am Morgenhimmel auf. Bei guten Sichtverhältnissen kann man Mars als rötlichen Lichtpunkt knapp über dem Nordosthorizont in der beginnenden Morgendämmerung erkennen. Am 6. Juli wandert er fünf Grad nördlich an Aldebaran, dem rötlichen Stierauge, vorbei. Anfang November verlagert Mars seine Aufgänge in die Zeit kurz vor Mitternacht. Bis zum Jahresende wird der Rote Planet zu einem auffälligen Objekt der zweiten Nachthälfte.

Saturn im Sternbild Jungfrau zeigt sich zu Jahresbeginn in der zweiten Nachthälfte. Er verschiebt seine Aufgänge im Laufe des Januars in die Zeit vor Mitternacht. In der Nacht vom 3. auf 4. April kommt er in Opposition zur Sonne und ist die gesamte Nacht über am Sternenhimmel vertreten. Im Teleskop erkennt man seinen prächtigen Ring. Zu Sommerbeginn zieht sich Saturn aus der zweiten Nachthälfte zurück. Bis August kann er noch am Abendhimmel gesehen werden. Im Oktober holt ihn die Sonne ein. Ab Mitte November kann man den Ringplaneten am Morgenhimmel im Sternbild Jungfrau ausmachen.

Der August bietet den stärksten und ergiebigsten Meteorstrom des Jahres. Von 10. bis 14. August flammen die Perseiden auf. Sie liefern auch helle Objekte, die man Feuerkugeln oder Boliden nennt. Als schönster und reichster Strom des Jahres bescheren uns die Perseiden bis zu 110 Meteore pro Stunde. Ursprungskomet der Perseiden ist der periodische Komet 109P/Swift-Tuttle, der seine Trümmer entlang seiner Bahn verstreut hat. Im Volksmund werden die Perseiden auch Laurentius-Tränen genannt. Der Märtyrer Laurentius wurde am 10. August 258 nach Chr. in Rom auf glühendem Rost zu Tode gefoltert. Am Abend weinte der Himmel Tränen in Form von Sternschnuppen.

dpa

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