Nach Dammbau

Aralsee regeneriert sich

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Foto: Soll zum Naturschutzgebiet werden: der Aralsee in Kasachstan.

Greifswald - Nach dem Bau eines Dammes erholt sich der nördliche Aralsee in Kasachstan allmählich wieder. Neue Feuchtgebiete entstehen, Familien kehren zurück. Die Succow-Stiftung empfiehlt den Aufbau eines Naturschutzgebietes.

Der Wasserspiegel des einst stark geschrumpften Aralsees in Kasachstan steigt zumindest im nördlichen Teil wieder an. Einige Gebiete davon sollten der Greifswalder Michael-Succow-Stiftung zufolge zu einem Schutzgebiet erklärt werden. Fachleute der Stiftung haben im Auftrag des Bundesumweltministeriums eine entsprechende Machbarkeitsstudie erarbeitet.

Der Aralsee, ehemals viertgrößter See der Erde und größer als die Schweiz, hatte nach Angaben der Stiftung mehr als 85 Prozent seiner Wasserfläche verloren. Hauptgrund war die landwirtschaftliche Bewässerung in sehr trockenen Gebieten aus den Zuflüssen des Aralsees, die vor allem auf der sowjetischen Landwirtschaftspolitik beruhte. Der nördliche (kleine) und der südliche Aralsee wurden dadurch zu getrennten Gewässern mit unterschiedlicher Entwicklung. Nach der Errichtung eines Dammes im Jahr 2005 und anderen Wasserbaumaßnahmen ist der Wasserspiegel im nördlichen Aralsee nach Angaben der Succow-Stiftung von 34 auf inzwischen 43 Meter angestiegen. Der Salzgehalt des Wassers sinke.

Der steigende Wasserspiegel des nördlichen Aralsees habe dazu geführt, dass etwa neue Lebensräume für dort heimische Vögel und Amphibien und Feuchtgebiete für Zugvögel entstanden seien, sagte Projektmitarbeiter Jens Wunderlich in Greifswald. Gerade die Kliffe seien reich an seltenen Vogelarten. Der See sei Trinkwasserquelle für wandernde Huftierarten wie Wildesel oder Gazellen. Zudem seien erste Familien in die einst verlassenen Küstensiedlungen zurückgekehrt, die Fischereiwirtschaft etabliere sich.

Die Stiftung schlägt in ihrer Studie drei Schutzszenarien vom Nationalpark über ein Biosphärenreservat bis zu einem Naturschutzgebiet vor. Die Größe variiert von 5000 bis 10.000 Quadratkilometer. Die Machbarkeitsstudie orientierte sich nach Angaben der Stiftung am staatlich vorgegebenen Strategieplan zur grünen Entwicklung Kasachstans „Zhasyl Damu“ (Grüne Brücke). Damit sollte sichergestellt werden, dass die erarbeiteten Vorschläge politisch umsetzbar seien.

Kasachstan unter Präsident Nursultan Nasarbajew gilt als ein autoritär und streng hierarchisch geführtes Regime. Nach Angaben Wunderlichs ist der Abstimmungsprozess schwierig, weil in unteren Hierarchien niemand bereit sei, Entscheidungen zu treffen.

In Arbeitstreffen mit Gemeindevertretern und Entscheidungsträgern und mit Hilfe von Interviews seien in den vergangenen zwei Jahren die Vorschläge für Schutzgebietstypen und -grenzen erarbeitet worden. Für die Studie habe das Bundesumweltministerium 50.000 Euro zur Verfügung gestellt. Der Vizeleiter des für Schutzgebiete zuständigen Komitees im Landwirtschaftsministerium habe versichert, dass die Ergebnisse der Studie in die Schutzgebietsentwicklung in der Region Eingang finden würden.

dpa

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