„Neuschwansteine“

Ausstellung zeigt Meteoriten

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Foto: Fragmente eines Meteoriden sind im Rieskratermuseum in Nördlingen in einer Glasvitrine ausgestellt

Nördlingen - Die Geschichte der „Neuschwansteine“ begeisterte vor zehn Jahren Wissenschaftler und Hobby-Astronomen. Den Sturz der Steine aus dem Weltall konnten nicht nur Kameras aufzeichnen – die Meteoriten wurden sogar gefunden. Eine Ausstellung zeigt sie erstmals zusammen.

An einem klaren Aprilabend vor zehn Jahren erblickten viele Menschen in Süddeutschland und Österreich eine Feuerkugel am Himmel. Forschern gelang es, das Ereignis mit speziellen Kameras aufzuzeichnen. Nach der Auswertung der Daten stand fest: Der Himmelskörper war aus dem All gekommen und in der Luft in mehrere Teile zerbrochen. Einige Fragmente mussten als Meteoriten die Erdoberfläche erreicht haben. Doch wo genau waren die Trümmer gelandet? Diese Frage beschäftigte nicht nur Wissenschaftler - auch viele Bürger durchkämmten das Grenzgebiet zwischen Innsbruck in Österreich und Füssen im Ostallgäu nach Teilen des Himmelskörpers.

Zunächst allerdings blieben die Suchaktionen erfolglos. Die Flugbahn und auch das Fallgebiet konnten die Wissenschaftler zwar dank der Kameraaufzeichnungen recht präzise eingrenzen. Doch auf dem letzten Teil ihrer Strecke - der sogenannten Dunkelflugphase - glühten die Bruchstücke nicht mehr und waren damit für die Kameras unsichtbar. Im Juli 2002 schließlich hatten zwei Touristen aus der Nähe von Berlin Glück und fanden im Ammergebirge den Meteoriten „Neuschwanstein I“. Im Mai und Juni 2003 wurden zwei weitere Steine aus dem All entdeckt - wieder von Privatleuten. Alle Meteoriten lagen nahe dem Schloss Neuschwanstein - dem sie ihren Namen verdanken.

„Da hält man dann schon die Luft an“, erinnert sich der Physiker Karl Wimmer aus Nordendorf im Landkreis Augsburg an seinen spektakulären Fund. Monatelang hatte er Wochenende für Wochenende das Ammergebirge durchkämmt - anhand eigener Berechnungen, in die er die Ablenkung durch den Wind miteinbezog. Dass er auf einen Meteoriten gestoßen sei, habe er an der hauchdünnen schwarzen Schmelzkruste erkannt, erzählt der 63-Jährige. Sein „Neuschwanstein III“ und die zwei anderen Steine sind bis zum 23. September im Rieskratermuseum in bayerischen Nördlingen zu sehen. Erstmals werden sie in einer Ausstellung gemeinsam präsentiert.

Sie liegen in einer Vitrine auf einem königsblauen Kissen - als Verweis auf ihren Fundort in der Nähe des Schlosses, wie der kommissarische Museumsleiter Stefan Hölzl sagt. „Ich habe sie mit sehr viel Ehrfurcht drapiert - wie oft macht man schon so etwas?“ Vor den „Neuschwansteinen“ sei es weltweit erst dreimal gelungen, nicht nur die Flugbahn eines Himmelskörpers mit Kameras zu dokumentieren, sondern die Fragmente dann auch tatsächlich mit Hilfe der aufgezeichneten Daten zu finden.

Dieter Heinlein aus Augsburg koordiniert das Feuerkugelnetz des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), dessen Kameras den Fall der „Neuschwansteine“ aufzeichnen konnten. Er war auch an der Auswertung der Daten beteiligt und spricht von einem sensationellen Fund. „Ich habe schon eine persönliche Beziehung zu diesen Meteoriten“, sagt er.

Es gab einigen Streit um die Frage, wer die rechtmäßigen Eigentümer der „Neuschwansteine“ sind. Finder Wimmer führte sogar einen Rechtsstreit vor dem Augsburger Landgericht gegen die Tiroler Gemeinde Reutte, auf deren Boden er den Stein gefunden hatte. Beide erhoben einen Besitzanspruch auf den Meteoriten - Wimmer gewann. Zur Begründung hieß es, bei dem Stein handele es sich um einen herrenlosen Gegenstand und nicht um einen Schatz. Das Land, in dem der Brocken lande, habe keinen automatischen Besitzanspruch.

Den ersten „Neuschwanstein“ kaufte der Freistaat Bayern den Findern ab. „Neuschwanstein II“ teilten sich das Land und die Finder, die Teile ihrer Hälfte verkauften. Auch Wimmer würde sein Fundstück gern an ein Museum verkaufen, wie er sagt. Aber wohl nicht gleich morgen. „Ich stehe da unter keinerlei zeitlichem Zwang.“ Vielleicht findet er sogar noch einen Meteoriten. Wimmer ist sich sicher, dass „Neuschwanstein IV“ noch irgendwo im Ammergebirge herumliegt.

dpa

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