Animalisches Verlangen

Ausstellung zeigt Sexualpraktiken von Tieren

- Homosexuelle Liebeleien, Sado-Maso und Gruppensex - nichts weiter als Spielarten menschlicher Lust? Von wegen! Die Tierwelt treibt es mindestens genauso bunt. Das altehrwürdige National History Museum in London zeigt in einer Ausstellung das wahre animalische Treiben.

Die Eingangshalle des National History Museums erinnert ein bisschen an die übergroße Pausenhalle eines britischen Elite-Internats: Hunderte Teenager in Schuluniformen wuseln in dem viktorianischen Ensemble herum. Seit 1881 gehört das Londoner Museum zu den renommiertesten naturhistorischen Einrichtungen der Welt. Und jetzt das: Unter dem Titel „Sexual Nature“ zeigt das Museum, was für eine unzüchtige Vielfalt die Evolution in Sachen Fortpflanzung geschaffen hat.

„S-E-X“ leuchtet dem Besucher in grellroten Lettern entgegen, sobald er die Milchglasfront und den braunen Vorhang passiert hat, die allzu neugierige kindliche Blicke fernhalten sollen. Kinder dürfen nämlich nur in Begleitung eines Erwachsenen in die Ausstellung, die gut versteckt in einem unscheinbaren Nebengang untergebracht ist. Das Licht ist schummrig, es dudelt Instrumentalmusik, die unwillkürlich an das TV-Nachtprogramm erinnert. Regelmäßig wird sie von Stöhnen übertönt.

„Sex ist ein wichtiger Teil des Lebens vieler Spezies. Er fördert Bindungen und löst Konflikte, ganz zu schweigen davon, dass er Spaß macht“, wird der Besucher begrüßt. Vor das Vergnügen hat der Herr (respektive die Evolution) aber bekanntlich den Schweiß gesetzt. Besonders von den Flirtmeistern der Tierwelt - den Vögeln - kann sich der Junggeselle der Gattung Homo sapiens dabei einiges abschauen.

Da ist zunächst der Pfau, Typ Schönling. Mit seinen psychedelischen Schwanzfedern hat er leichtes Spiel. Er hypnotisiert Frauen einfach. Wer nicht über solch ein blendendes Aussehen verfügt, der muss mit anderen Fähigkeiten punkten. Der australische Laubenvogel setzt auf eine schmucke Junggesellenbude: Bunte Blumen und leuchtende Käfer verschönern noch jedes Nest.

Beliebt sind auch Tanzeinlagen. Die reichen von albern, wie beim Blaufußtölpel aus Mittelamerika, der recht ungelenk versucht, seine blauen Füße zur Schau zu stellen, bis cool wie beim ebenfalls mittelamerikanischen Gelbhosenpipra, der mit seinem „Moonwalk“ Michael Jacksons Tanzkünste locker in den Schatten stellt.

Wer nun weder gut aussieht, noch etwas besonders toll kann, dem bleibt Bestechung. Essen gegen Sex ist ein beliebter Deal im Tierreich. Sowieso scheint Liebe durch den Magen zu gehen: In der Ausstellung werden zahlreiche Videos mit Tiersex gezeigt - und meist wird dabei genüsslich geschmatzt. Während die Affendamen beim Akt aber nur gern mal eine Banane knabbert, hat die Gottesanbeterin eine makabere Vorliebe: Sie frisst beim Sex den Kopf ihres Männchens.

Zu heiß zum Mümmeln geht es dagegen bei Katzen und Hasen zu - die es sprichwörtlich wie die Karnickel treiben. Das hat einen einfachen Grund: Erst durch heftige Stöße beim Sex wird bei ihnen der Eisprung ausgelöst. Bei Katzen ist das männliche Geschlechtsteil sogar mit Stacheln ausgestattet. Die Kätzchen mögen es offenbar schmerzhaft:Forscher beobachteten eine Löwin 157 Mal beim Sex - in drei Tagen.

Ob bi, homo oder hetero; ob Sado-, Maso- oder Blümchensex; ob Gruppenorgien oder Selbstbefriedigung: Offenbar gibt es im Tierreich nichts, was es nicht gibt. Und wer kümmert sich am Ende um die Kinder? Auch hier hat die Evolution allerhand Lösungen gefunden: vom Harem zur Kommune, von der Hausfrau zum alleinerziehenden Vater.

Aber so eng sieht die Natur die Sache mit den Geschlechtern sowieso nicht. Bei Seepferdchen bekommen praktischerweise gleich die Männchen die Jungen. Und bei Hyänen sind die vermeintlichen Männchen die Weibchen. Sie sind größer als die Herren und ihre 15 Zentimeter lange Klitoris sieht aus wie ein männliches Geschlechtsteil.

Bei unseren nächsten Verwandten ist zwar klar, wer Männchen und wer Weibchen ist - beim Sex ist das den Affen aber reichlich egal. Gorillas haben sogar zärtlicheren Sex mit gleichgeschlechtlichen Partnern. Und Schimpansen leben gleich in einer Art Kommune zusammen. Gesexelt wird ständig, in allen möglichen Positionen, jeder mit jedem - ohne Rücksicht auf Kleinigkeiten wie Geschlecht oder Alter. Der Vorteil: Da keiner weiß, welches Junge von wem gezeugt wurde, traut sich niemand, einem der Kinder etwas anzutun.

Und die eine wahre, lebenslange Liebe? Auch die ist in der Natur vorgesehen. Dabei haben unsere tierischen Verwandten aber offenbar ähnliche Probleme wie wir: Wissenschaftler haben mit Gentests nachgewiesen, dass monogam lebende Vögel - sofern sie nicht fernab ihrer Artgenossen leben - heimliche Affären haben.

dpa

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