Bauchspeicheldrüsenkrebs

Bakterien bekämpfen erfolgreich Krebszellen

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Nützliche Bakterien: US-Forscher nutzen Listerien, um radioaktive Isotope in die Tumorzellen von Mäusen zu transportieren.

New York - Krebszellen kennen viele Tricks, um unseren Körper zu schwächen. Doch mit dem Einfallsreichtum der US-Forscherinnen Claudia Gravekamp und Ekaterina Dadachova vom Albert-Einstein-College in New York haben sie ganz sicher nicht gerechnet. Die beiden Wissenschaftlerinnen nutzten erstmals Bakterien, um radioaktive Isotope in Mäuse mit Bauchspeicheldrüsenkrebs einzuschleusen – mit überwältigendem Erfolg.

Ihre Ergebnisse haben sie in der Online-Version des Forschungsmagazins „Proceedings of the National Academy of Sciences“ veröffentlicht. „Wir waren in der Lage, bei unserer ersten Versuchsreihe eine 90-prozentige Reduktion der Metastasen (Absiedelungen) zu erreichen“, erklärt Mikrobiologin Gravekamp vom Einstein-College. „Mit weiteren Verbesserungen hat unser Ansatz das Potenzial, eine neue Ära in der Behandlung von metastasiertem Pankreaskrebs zu starten.“

Die Idee zu der trickreichen Behandlung kam Gravekamp bei der Arbeit an einem bekannten Phänomen: Bereits vor einigen Jahren hatten Wissenschaftler beobachtet, dass abgeschwächte Listeria-Bakterien nur Tumorzellen befallen, während sie gesunden Zellen mit starker Immunabwehr nicht schaden. Die ungeschwächten Erreger dagegen verursachen bei empfindlichen Menschen schwere Lebensmittelvergiftungen. Gravekamp entdeckte als Grund, dass die körpereigene Immunabwehr in den Krebszellen geschwächt war und diese sich daher nicht gegen die Listerien wehren konnten.

Dadurch motiviert, entwickelte die Mikrobiologin Ideen weiter, um die geschwächten Listerien als Fähre für Krebsmedikamente zu nutzen. Ihre Kollegin, die Radiologie-Professorin Ekaterina Dadachova, hatte dann die Idee, das radioaktive Isotop Rhenium an die Bakterien zu hängen, um die Krebszellen quasi von innen zu bestrahlen. „Wir wählten Rhenium, weil es Betastrahlung aussendet, die sehr effektiv in der Krebsbehandlung ist“, sagt Dadachova. „Außerdem hat Rhenium nur eine Halbwertszeit von 17 Stunden, sodass es recht schnell aus dem Körper verschwindet und so das Risiko für das gesunde Gewebe minimiert.“

In ihrer anschließenden Versuchsreihe spritzten die Wissenschaftlerinnen Mäusen mit metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs die Listerien mit ihrer radioaktiven Fracht direkt in den Bauchraum. Die Mäuse erhielten sieben Tage lang jeweils eine Injektion sowie weitere vier Injektionen nach einer Woche Pause. Nach 21 Tagen zählten die Forscherinnen die Metastasen: Im Vergleich zu den unbehandelten Kontrolltieren hatten sich diese um 90 Prozent verringert.

„Wir haben das Experiment nach 21 Tagen beendet, weil dann die Kontrollmäuse begannen zu sterben“, erläutert Dadachova. Sie und Gravekamp gehen jedoch davon aus, dass die Behandlung sogar noch mehr Metastasen abtöten könnte. „Unser Ziel ist es, 100 Prozent der Metastasen auszulöschen, weil jede Krebszelle, die zurückbleibt, das Potenzial hat, einen neuen Tumor zu bilden“, sagt Gravekamp. Um dies zu erreichen, käme auch eine zusätzliche Beladung der Bakterien mit Anti-Krebs-Medikamenten infrage.

Pankreaskrebs gilt als eine der tödlichsten Krebsformen mit einer Fünf-Jahres-Überlebensrate von lediglich vier Prozent. Weil die Frühstadien des Tumors keine Beschwerden verursachen, wird der Krebs der Bauchspeicheldrüse in der Regel erst entdeckt, wenn er schon etliche Metastasen gebildet hat und nicht mehr chirurgisch geheilt werden kann.

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