Weltgesundheitstag

Bakterien immer häufiger gegen Antibiotika resistent

- Die WHO schlägt zum Weltgesundheitstag Alarm: 25.000 Menschen sterben jährlich in der EU an Bakterien, denen Antibiotika nichts mehr anhaben können. Schuld sind falsche Behandlungen und mangelndes Wissen - auch aufseiten der Medizin. Jetzt wurden Resistenz-Gene bei Cholera-Erregern entdeckt.

Durch falschen Umgang mit Antibiotika droht die Medizin einige dieser Allzweckwaffen zu verlieren. Immer mehr Bakterien und Keime werden resistent gegen die Mittel, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Weltgesundheitstag an diesem Donnerstag (7. April) warnt. Grund seien die zu häufige und allzu sorglose Anwendung von Antibiotika. "In Ermangelung dringender Korrektur- und Schutzmaßnahmen steuert die Welt auf ein post-antibiotisches Zeitalter zu, in dem viele gewöhnliche Infektionen nicht mehr geheilt werden und, noch einmal, unvermindert töten", sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan laut einer Mitteilung. In den EU-Ländern sterben nach den Angaben der WHO-Europazentrale in Kopenhagen pro Jahr 25.000 Menschen durch Infektionen mit antibiotikaresistenten Bakterien, die oft bei Krankenhausbehandlungen entstanden sind.

Werden Antibiotika-Therapien nicht sachgerecht durchgeführt, überleben die hartnäckigsten Keime und können sich wieder vermehren. Durch diese Auslese können Bakterienstämme entstehen, denen manche Antibiotika gar nichts mehr anhaben können. Im vergangenen Jahr wurden laut WHO rund 440.000 neue Tuberkulose-Fälle in fast 70 Ländern gemeldet, gegen die eine Vielzahl von Medikamenten nichts ausrichten konnte. Das Problem der Resistenzen ist nicht auf Bakterien begrenzt: Malaria-Parasiten würden immer widerstandsfähiger gegen die neusten Medikamente, und auch bei speziellen Mitteln gegen den Aidserreger HIV tauche das Problem immer häufiger auf, hieß es weiter. Forscher der Universität Cardiff entdeckten unterdessen in öffentlichen Wasserstellen in Indien ein bedrohliches Resistenz-Gen von Bakterien.

Der DNA-Schnipsel NDM-1 hatte sich in der Untersuchung in mehr als ein Dutzend Bakterienarten eingeschleust - darunter elf, bei denen es zuvor noch nicht gefunden worden war. Das Resistenzgen breite sich von Indien und Pakistan aus und sei auch in Erregern für Ruhr und Cholera nachgewiesen worden, berichten die Briten im Medizinjournal "The Lancet Infectious Diseases". "Wir sind an einem kritischen Punkt angelangt, weil die Resistenz gegen vorhandene Antibiotika beispiellose Ausmaße erreicht hat und neue Antibiotika nicht schnell genug bereitgestellt werden können", sagte die europäische WHO-Chefin Zsuzsanna Jakab. Nach Angaben von Experten dauert es etwa zehn Jahre, bis ein neues Antibiotikum entwickelt ist. Die Organisation fordert daher unter anderem von den einzelnen Staaten, den Arzneimitteleinsatz zu regulieren, sowie mehr Forschung.

Diese Forderung unterstützt auch die Europäische Gesellschaft für klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten (Escmid). Grundlage für den Kampf gegen Antibiotikaresistenzen seien Aufklärung - sowohl der Medizin als auch der Öffentlichkeit - und mehr Vorgaben für die Verschreibung von Medikamenten, sagte der Escmid-Präsident Guiseppe Cornaglia in einer Stellungnahme. Für die 53 Mitgliedsländer der WHO-Europaregion gibt es keine gemeinsame Statistik über Todesfälle durch Antibiotikaresistenzen. Die Lage sei aber oft "noch schlimmer" als in der EU, weil es in vielen Staaten keine regulierte Anwendung antibiotischer Medikamente gebe.

Als Negativbeispiel nennt die WHO, dass Antibiotika in 14 von 21 osteuropäischen Ländern ohne ärztliches Rezept frei verkäuflich sind. Das würden unter anderem Landwirte nutzen, die ihren Tieren Antibiotika vorbeugend verabreichten. Viele Ärzte würden die Mittel außerdem "leichtfertig und unangemessen" zur Behandlung von Virus-Infekten wie Grippe und simplen Erkältungen verschreiben, obwohl diese gar nicht damit behandelt werden könnten. Antibiotika wirken nur gegen Bakterien, gegen Viren sind sie wirkungslos.

dpa

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