Steigender Meeresspiegel

Barrierensystem "Mose" soll Venedig retten

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Hochwasser („acqua alta“) in Venedig: Das Barrierensystem "Mose" soll Abhilfe schaffen.

Rom/Venedig - Immer wieder steht Venedig wegen „acqua alta“ unter Wasser, und der Meeresspiegel steigt weiter. Ein Milliarden teures Barrierensystem soll bald helfen - passend benannt nach Mose, der das Wasser teilte.

Mose muss mal wieder das Wasser teilen, diesmal zur Rettung der „ertrinkenden“ Lagunenstadt Venedig. Nach dem Führer des Volkes Israel benannt ist das Milliardenprojekt, mit dem das Kleinod in Nordostitalien vor dem Hochwasser bewahrt werden soll. Nach langem Hin und Her kommt das Projekt Mose jetzt voran und könnte ab dem Jahr 2015 Venedig vor seinen immer wiederkehrenden und immer noch weiter steigenden Wassermassen bei „acqua alta“ schützen: Mobile Barrieren, die sich bei Hochwasser an den drei Öffnungen zwischen den Nehrungen der Lagune erheben, halten dann die pittoreske Altstadt Venedigs mit dem Markusplatz trocken. Es gibt aber auch skurrile Pläne, die Stadt der Kanäle und Gondeln ein für alle Mal „hochwasserdicht“ zu machen.

Die globale Klimaerwärmung und die damit steigenden Meeresspiegel gelten als Hauptursache dafür, dass Venedig so oft und immer höher das Wasser bis zum Halse steht. „Wenn Mose in Betrieb ist, wird das Hochwasser nur noch eine Erinnerung sein“, sagt der Präsident des Konsortiums „Venezia Nuova“, zu dem etwa 5,5 Milliarden Euro teuren Rettungsprojekt für die Serenissima. Als die ersten Pläne dafür vor knapp einem Vierteljahrhundert auf dem Tisch lagen, da lag der Preis noch bei einem Bruchteil der heutigen Summe. Er stieg dann so wie das Wasser, woran auch Rechnungsprüfer letztlich nichts ändern konnten.

Doch jetzt sind etwa zwei Drittel der Arbeit getan, und das Konsortium schwärmt: „Mose schützt vor bis zu drei Meter hohen Tiden und wird darum wirksam sein können, auch wenn der Meeresspiegel innerhalb der nächsten 100 Jahre erheblich steigt.“ Dies könnten nach jüngsten Schätzungen immerhin bis zu 60 Zentimeter in diesem Zeitraum sein. Obwohl Umweltschützer diesen Eingriff in die Lagune bekämpften, sollen jetzt also die Barrieren helfen: Bei erwartetem Hochwasser von 110 Zentimetern oder mehr heben sich an den drei Lagunen-Öffnungen Chioggia, Malamocco und Lido sonst unsichtbar unter Wasser liegende Schleusentore. Sie schotten so die Lagune völlig von der Adria ab.

Die Bauherren nennen das „eines der wichtigsten hydraulischen Ingenieurprojekte, die je verwirklicht wurden“. Und sie gehen davon aus, dass Mose auch zu einer neuen venezianischen Touristenattraktion werden dürfte. Zumal am Lido auch eine neue künstliche Insel aus dem Wasser ragen wird, um die Reihe der Anti-Flut-Barrieren zu verkürzen.

Und wenn das alles doch nicht reicht? Da hat der belgisch-dänische Architekt Julien de Smedt noch einen ganz spektakulären Plan in der Tasche: Ein sternförmiger Ring von Wolkenkratzern, der sich schützend um die Serenissima aus dem Lagunenwasser erhebt, wie das Magazin der römischen Zeitung „La Repubblica“ berichtete. Denn immerhin gehe der Architekt davon aus, dass das Wasser rund um Venedig noch weit höher als nur 60 Zentimeter in 100 Jahren ansteigen könnte. Gut vorstellbar, wie die Tier- und Naturschützer, bereits sehr aufgebracht wegen der Mose-Barrieren, gegen einen solchen starken Eingriff anrennen würden.

Wer das Wasser in seinem Geschäft, in der Wohnung und im Keller leid ist, wie es mindestens sechs bis siebenmal jährlich fast überall hinschwappt, der setzt jetzt aber wohl eher auf Moses Kunst. Zu Hilfe könnte ihm bis dahin ein Hi-Tech-Instrument mit dem pharaonischen Namen Ramses kommen: Satellitenaugen und ein Laserscanning sollen hochpräzise sagen können, wie hoch sich ankündigendes „acqua alta“ auf jeder Piazza, in jeder Gasse Venedigs sein wird. So kann jeder Venezianer und jeder Tourist erkennen, ob er Stiefel braucht, wo er gar nicht mehr hingehen kann und wo die Holzplanken vielleicht nasse Füße vermeiden. Bis dann später Mose für Venedig das Wasser teilt.

dpa

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