Mini-Labor auf Komet

Batterien leer - „Philae“ geht die Puste aus

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Foto: Das Mini-Labor „Philae“ muss Energie tanken.

Darmstadt - Noch schnell einige Arbeiten erledigt, dann ging „Philae“ die Puste aus. Im Schlaf geht es nun auf dem Kometen weiter Richtung Sonne.

Kein Strom im All: Das Mini-Labor „Philae“ hat wegen leerer Batterien seine spektakuläre Arbeit auf dem Kometen „Tschuri“ eingestellt. „Signalverlust, keine weitere Kommunikation mehr“, teilte die Europäische Weltraumagentur Esa am frühen Samstagmorgen in einer Twitter-Botschaft mit. Ob „Philae“ während des Ritts auf dem Himmelskörper nochmals erwachen wird, ist unklar.

Das waschmaschinengroße Labor schaltete eine halbe Milliarde Kilometer von der Erde entfernt seine Instrumente ab und schläft jetzt auf dem Kometen. „Alle Experimente sind gemacht worden“, sagte der Chef für den Esa-Flugbetrieb, Paolo Ferri, in Darmstadt. „Jetzt machen wir mit der Raumsonde "Rosetta" weiter.“ Er rechnete nicht damit, dass „Philae“ sich bald wieder melden könnte.

„Rosetta“ soll „Tschuri“ auf seiner Reise Richtung Sonne begleiten und beobachten, wie er reagiert, wenn es immer heißer wird. Die Mission ist bis Dezember 2015 geplant. „Philae“ droht der Hitzetod.

Die Sonde hatte „Philae“ huckepack zu dem Kometen gebracht, der offiziell „67P/Tschurjumow-Gerassimenko“ heißt. Zehn Jahre dauerte die Reise im Universum. Dem Mini-Labor war am Mittwoch dann die erste Landung auf einem Kometen in der Geschichte der Raumfahrt gelungen.

Doch es lief längst nicht alles glatt: Nach dem Aufsetzen machte das Gerät zwei Hüpfer, bevor es - etwa einen Kilometer vom ursprünglichen Ziel entfernt - am Rande eines Kraters in Schieflage zum Stehen kam. Ein gewaltiger Hopser dauerte etwa zwei Stunden, der andere mehrere Minuten. „Tschuri“ hat nur geringe Anziehungskraft.

Trotz der misslichen Position des Mini-Labors konnten alle Instrumente aktiviert werden. Zuletzt hatte auch noch ein Bohrer den Befehl bekommen, dem Kometen eine Probe zu entnehmen.

Die Batterie des Labors war von vornherein auf zweieinhalb Tage ausgelegt. Da „Philae“ aber nach der holprigen Landung an einer schattigen Seite aufgekommen war, war ein Nachladen vorerst nicht möglich. Experten hatten es schon am Mittwoch als Erfolg bezeichnet, wenn das Gerät etwa 60 Stunden durchhalten könnte. „Wir sind in dem Zeitrahmen geblieben, den wir uns vorgestellt haben“, sagte Esa-Sprecher Bernhard von Weyhe.

Den Kontrolleuren beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln war es am späten Freitagabend noch einmal gelungen, mit dem Lander zu kommunizieren. Projektleiter Stephan Ulamec vom DLR sprach von „letzten Zuckungen von "Philae"“.

Wissenschaftler hoffen bei der Analyse der Daten auf Hinweise über die Entstehung des Sonnensystems

Möglicherweise könnte das Labor wieder Energie tanken, wenn es auf „Tschuri“ Richtung Sonne geht. Den Kontrolleuren war es auch noch im letzten Moment gelungen, „Philae“ zu drehen, damit besser empfangen werden kann. „Ob das wirkt, wird sich aber erst in den nächsten Wochen zeigen“, meinte Ferri.

„Tschuri“ ähnelt in seiner Form einer kilometergroßen Quietsche-Ente und wurde 1969 entdeckt. Kometen bestehen aus einer Mischung von Eis und Gestein und werden auch als schmutzige Schneebälle bezeichnet.

Schon jetzt haben die Forscher herausgefunden: Auf „Tschuri“ ist es dunkel wie in einem Kohlenkeller und es stinkt - nach faulen Eiern und Pferdestall. Der Brocken braucht fast sieben Jahre, um die Sonne zu umrunden. Je näher der Komet unserem Zentralgestirn kommt, desto mehr verdampft von seinem Eis und umso stärker wird seine Ausgasung.

Mit den von „Philae“ gesammelten Daten wollen die Experten jetzt unter anderem die Zusammensetzung des Kometenkerns sowie die Bodenbeschaffenheit und Temperatur genau analysieren. Am Freitag wurde ein Thermometer des Instruments „Mupus“ rund 35 Zentimeter in den Kometen gerammt, um die Festigkeit des Bodens zu testen und Informationen über seine Wärme zu bekommen.

Wissenschaftler hoffen bei der Analyse der Daten auf Hinweise über die Entstehung des Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren - ein Blick in die tiefste Vergangenheit des Universums. Erwartet werden auch Indizien darauf, wie Leben möglich wurde, etwa durch den Nachweis von organischen Molekülen. „Philae“ lieferte schon bald nach der Landung beeindruckende Fotos.

Die „Rosetta“-Mission erinnert an ein Projekt Japans. 2005 sammelte die „Hayabusa“-Sonde Bodenproben auf einem Asteroiden und brachte sie Jahre später zurück zur Erde.

dpa

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