Studie

Bildung ist Schlüssel für Integration

Berlin - Investitionen in Bildung und Ausbildung sind nach Ansicht des Berliner Integrationsforschers Prof. Klaus J. Bade der Schlüssel zu einer besseren Eingliederung der türkischen Bevölkerung in Deutschland.

„Die Investitionen in die Bildung sind auch allgemein viel zu gering“, sagte Bade der Nachrichtenagentur dpa vor dem Staatsbesuch des türkischen Präsidenten Abdullah Gül in Deutschland. Der jüngste Bericht der OECD habe dies erneut bestätigt. „Man sollte auf Integrationsprobleme nicht mit Panik reagieren, sondern mit Innovationen und Investitionen.“

Die meisten Türken würden ihre Kinder in Kitas schicken, sagte Bade. „Wenn nicht, dann liegt es meist daran, dass es nicht genügend Kitaplätze gibt.“ Auch Schulklassen mit hohem Migranten-Anteil könnten „viel erfolgreicher arbeiten durch kleinere Klassen, mehr Lehrer und innovative Unterrichtsmodelle“, sagte Bade, der Vorsitzender des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) ist.

Der Wissenschaftler erinnerte daran, dass viele türkische Zuwanderer aus ländlich-rückständigen Gebieten gekommen seien. „Nicht wenige waren Analphabeten.“ Diese Menschen seien dann in Deutschland auf ein Bildungssystem gestoßen, das soziale Startnachteile über die Generationen weitergegeben habe. „Es geht hier in erster Linie um soziale, nicht um ethnische oder religiöse Probleme.“

Bade sagte weiter: „Auch der Islam muss Platz im Religionsunterricht an deutschen Schulen finden.“ Der Forscher war Gründer des Osnabrücker Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS), das sich für die Ausbildung von Islam-Lehrern einsetzte. Heute gibt es dort das Zentrum für interkulturelle Islamstudien, das der türkische Staatspräsident zusammen mit Bundespräsident Christian Wulff am Dienstag besucht.

Insgesamt zeichnete Bade ein eher positives Bild der Integration türkischer Einwanderer in Deutschland. Allerdings hätten türkische Zuwanderer hierzulande oft Identifikationsprobleme gehabt, weil sie zu lange an der „Rückkehr-Illusion“ festgehalten hätten. „Das liegt aber auch daran, dass die Deutschen zu lange an ihrer Illusion des Nicht-Einwanderungslandes festgehalten und darin versagt haben, den Türken ihr eigenes Land zu erklären.“

dpa

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