Zunahme der Abholzung

Brasilien erklärt Regenwaldzerstörern den „Krieg"

- Brasiliens Umweltministerin schlägt Alarm. Im Amazonas-Gebiet hat die Regenwaldzerstörung entgegen dem bisherigen Trend schlagartig zugenommen. Die Regierung droht jetzt mit drastischen Strafen.

In Brasilien ist die Abholzung des Amazonas- Regenwaldes im März und April um fast das Sechsfache auf insgesamt 593 Quadratkilometer gestiegen. Mehr als 80 Prozent der Rodungen entfielen auf den Bundesstaat Mato Grosso, der für seinen extensiven Soja-Anbau und die Rinderhaltung bekannt ist. Im Vorjahreszeitraum lag die Fläche bei 103,5 Quadratkilometern. Im März und April wird wetterbedingt gewöhnlich relativ wenig Wald zerstört. Die auf Satelliten-Bilder gestützte Analyse des staatlichen Institutes für Weltraumforschung (INPE) überraschte Brasiliens Regierung.

Umweltministerin Izabella Teixeira erklärte den Waldzerstörern den "Krieg". Noch im Dezember 2010 hatte die Regierung aufgrund von Satellitenbeobachtungen den niedrigsten Stand der Regenwaldabholzung seit 1988 gefeiert. Damals war die abgeholzte Fläche im Amazonas in den zwölf Monaten August 2009 bis Juli 2010 im Vergleich zu einem Jahr davor um 14 Prozent auf "nur" noch 6451 Quadratkilometer zurück gegangen. Der grundsätzliche Trend wurde damit bestätigt. Der jetzt festgestellte Anstieg sei atypisch, sagte Teixeira. "Wir wissen noch nicht, was passiert ist. Wir prüfen die Lage noch." Die derzeitige Zunahme sei inakzeptabel, sagte Teixeira, die um die ehrgeizigen Klima- und Umweltschutzziele ihres Landes weiß.

Bis 2020 will Brasilien die CO2-Emissionen um bis zu 39 Prozent und die Waldabholzung um 80 Prozent zurückfahren. Beides bedingt einander, denn die Waldzerstörung wird für fast zwei Drittel der Treibhausgas-Emissionen in Brasilien verantwortlich gemacht. Teixeira will gegen die Verantwortlichen der illegalen Rodungen rigoros vorgehen. "Wer auf Abholzung setzt, um neue Weideflächen zu bekommen, dem werden die Rinder als Spende für das Programm Fome Zero (Sozialprogramm Null Hunger) beschlagnahmt." Das Gleiche gelte für Pflanzungen auf den Flächen.

Der für das INPE-Institut zuständige Minister Aloízio Mercadante warnte, Umweltverbrechen könnten nicht verheimlicht werden: "Durch die Satelliten sehen wir alles." Nach Mato Grosso sollen zusätzlich 500 Beamte entsandt werden, um den Umweltverbrechern das Handwerk zu legen. Die neuen Zahlen dürften indes die hitzig geführte Debatte über die Novelle des Waldgesetzes verschärfen. Die mächtige Agrarlobby will zum Ärger der Regierung wichtige Punkte des sogenannten Código Florestal aufweichen und unter anderem Auflagen zur Wiederaufforstung illegal abgeholzter Flächen umgehen. Die Abstimmung über den Gesetzentwurf im Parlament wurde bereits dreimal verschoben. Für die Umweltstiftung WWF ist der Anstieg der Abholzung deshalb kein Zufall. "Die Hoffnung darauf, dass ohnehin bald straffrei gerodet werden darf, lässt offenbar die Sägen kreisen", sagte Roberto Maldonado, Amazonas-Referent beim WWF Deutschland. Die Abholzung sei für das Klima, den Amazonas und die Arten, die dort lebten katastrophal. "Mit jedem Quadratmeter Regenwald verlieren wir ein weiteres Stück der Kühlanlage unserer Erde", warnte Maldonado.

dpa

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