Studie von Göttinger Ökosystemforschern

Brockenurwald ist ein Vorbild für Klimaschutz

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"Etwas ganz Besonderes": Der Brockenurwald im Harz.

Göttingen - Deutschland braucht Urwälder, fordern Göttinger Forscher. Weil alte sterbende Bäume besonders viel Kohlenstoff speichern, könnten sie dazu beitragen, den allgemeinen Temperaturanstieg zu verlangsamen. Ein Vorbild dafür ist der sogenannte Brockenurwald im Harz.

Große Urwälder in Deutschland könnten nach Ansicht Göttinger Ökosystemforscher einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Denn Wälder mit vielen alten absterbenden Bäumen können das Doppelte an Kohlenstoff speichern wie junge Wirtschaftswälder, stellten Wissenschaftler um Prof. Markus Hauck von der Georg-August-Universität bei einer Studie im sogenannten Brockenurwald im Harz fest.

„Urwälder haben nicht nur die bekannte Bedeutung für die Artenvielfalt“, sagte Hauck. „Wir konnten auch feststellen, dass im Urwald viel mehr Kohlenstoff eingelagert ist als im Wirtschaftswald“. Da der weltweite Temperaturanstieg wesentlich durch die steigende Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre hervorgerufen werde, wünsche er sich mehr Urwälder in Mitteleuropa. Sie könnten mit der Speicherung von Kohlenstoff der Erderwärmung entgegen wirken.

Der Harzwald unterhalb der 1142 Meter hohen baumlosen Brockenkuppe sei anders als fast alle anderen mitteleuropäischen Wälder wohl niemals von Menschen abgeholzt worden, sagte Hauck. „Er ist nur schwer zugänglich“, begründete er. Zudem war er bis ins hohe Mittelalter Teil eines sogenannten Reichsbannwaldes und der Jagd des Hochadels vorbehalten.

Viele der Bäume im Brockenurwald seien bis zu 280 Jahre alt, sagte Hauck. Und es gebe jede Menge sterbende und zerfallende Stämme. „Dieser Urwald ist schon etwas ganz Besonderes“. Die alten Bäume bieten vielen Moosen, Flechten, Pilzen oder Insekten einen Lebensraum, den sie im Wirtschaftswald nicht haben. „Denn gerade in der Zerfallsphase sind Bäume für viele Pflanzen und Tiere von Bedeutung. Sie bieten ganz andere Mikro-Habitate als ein junger Baum.“

Es sei schon länger bekannt, dass Naturwälder in den nördlichen Breiten auch wichtige Kohlenstoffspeicher seien, sagte der Forscher. „Neu ist, dass wir das am Beispiel des Brockenurwaldes jetzt auch für mitteleuropäische Wälder verifizieren konnten.“ Daraus ergebe sich die Forderung, die Urwaldfläche in Deutschland zu vergrößern, sagte Hauck. „Wir sollten alte Bäume stehen und Totholz liegen lassen, und zwar nicht nur in kleinen Schutzgebieten, sondern im Interesse des Natur- und des Klimaschutzers auf großen Flächen.“

dpa

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