Bedrohte Tierart

Bundesamt will Schweinswale vor Deutschlands Küsten schützen

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Foto: Ein Ostsee-Schweinswal schwimmt im Fjord-Belt-Sealand im dänischen Kerteminde.

Insel Vilm/Stralsund - In der Ostsee gilt eine Schweinswalpopulation als vom Aussterben bedroht. Forscher arbeiten an Schutzplänen für die gesamte deutsche Nord- und Ostsee. Fischer befürchten weitere Einschränkungen.

Schweinswale in Nord- und Ostsee sollen künftig besser vor Lärm und Fischerei geschützt werden. Das Bundesamt für Naturschutz erarbeitet derzeit Managementpläne, die weit über die Meeresschutzgebiete hinausreichen. Unterwasserlärm und die Fischerei seien eine flächendeckende Gefährdung für die Meeressäuger, sagte Henning von Nordheim, Wissenschaftlicher Direktor für Meeresnaturschutz am Bundesamt für Naturschutz (BfN), in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Schweinswale orientieren sich per Echo-Ortung und reagieren besonders sensibel auf laute Geräusche, die durch Schiffsschrauben und das Rammen von Offshore-Anlagen entstehen. Als Beifang geraten sie auch in Fischernetze.

Vor allem die Schweinswale in der östlichen Ostsee, die genetisch gesehen eine eigene Population bilden, sind stark bedroht. Groben Schätzungen zufolge gibt es von den Tieren, die östlich vom Darß (Mecklenburg-Vorpommern) leben, nur noch 200 bis 600 Exemplare. Jährlich am dritten Sonntag im Mai wird mit dem Tag des Ostsee-Schweinswals vor allem auf die Bedrohung dieser Tiergruppe aufmerksam gemacht.

Die Managementpläne würden in Abstimmung mit den betroffenen Bundesländern erarbeitet, sagte von Nordheim. "Es ist klar, dass in Meeresschutzgebieten die Regulierung strenger sein wird als in den anderen Meeresgebieten", sagte der Meeresbiologe. Umstritten ist vor allem ein geplantes und von den Ostseefischern kritisiertes Stellnetzverbot in den Schutzgebieten. Experten halten es für erforderlich, dass die Fangmethoden langfristig umgestellt werden – um Beifänge von Schweinswalen oder Vögeln zu vermeiden.

Für Unterwasser-Lärm gibt es bereits einen Grenzwert. Beim Bau der Windparks erlaubt das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie einen maximalen Lärmpegel von 160 Dezibel in 750 Meter Entfernung von der Rammstelle. Von Nordheim spricht sich für die konsequente Umsetzung dieser Vorschrift und deren Ausweitung auf andere Lärmquellen wie die Schifffahrt aus. "Wir wissen, dass Schweinswale in der Nordsee Schifffahrtsrouten wegen des Lärms meiden."

Das Abkommen zum Schutz der Kleinwale und insbesondere die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU verpflichten die Mitgliedsstaaten zum Schutz der Tiere. Die Managementpläne selbst haben von Nordheim zufolge zwar keinen rechtsverbindlichen Charakter. Sie seien aber die Grundlage für Maßnahmen, die von den zuständigen Behörden für Fischerei oder Schifffahrt umgesetzt werden müssen.

In der Ostsee westlich der Darßer Schwelle leben nach Angaben des Bundesamtes zwischen 10.000 und 12.000 Schweinswale, davon rund 2500 in deutschen Gewässern. In der Nordsee wird die Population auf 250.000 bis 300.000 Tiere geschätzt, von denen rund 60.000 hauptsächlich in deutschen Gewässern leben.

Im Rahmen eines 2011 gestarteten internationalen Projektes (SAMBAH) haben Forscher Schweinswale in der gesamten Ostsee nachgewiesen – allerdings im östlichen Teil nur in geringer Verbreitung. Im Rahmen des Projektes werden derzeit rund 300 Unterwassermikrofone ein letztes Mal in der Ostsee verankert, um die sogenannten Klick-Laute der Wale zu erfassen. Die auf diesem Wege gewonnenen Informationen über die Anzahl der Tiere sollen in die Managementvorschläge einfließen.

dpa

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