Hochfliegende Pläne

Deutscher will Flug als Weltraumtourist buchen

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Foto: Der Heidelberger Zahnarzt Jos Gal möchte als erste Privatperson im Jahr 2014 in den Weltraum fliegen.

Berlin - Touristen im Weltall? Für Optimisten ist das in 20 Jahren normal. Neben Milliardär Richard Branson wirbt nun ein weiterer Anbieter um Kunden. Es fehlt nur noch das Raumschiff. Ein Deutscher wäre gerne als Tourist dabei.

Ein sportlicher Zahnarzt aus Süddeutschland, ein weltraumbegeisterter Luftwaffen-Pilot aus den Niederlanden und ein golfspielender PR-Mann für gehobenen Lebensstil aus Hamburg: Es ist ein ungewöhnliches Trio, das am Mittwoch in Berlin für Tourismus im Weltall wirbt. 2014 soll es losgehen mit den Flügen – und Zahnarzt Jos Gal möchte als erster deutscher Kunde dabei sein. Sein Ticket wird 95.000 Dollar (70.700 Euro) kosten. Bezahlt hat er noch nicht, er wolle die Verträge noch ein paar Tage prüfen, sagt er.

Vom Jahr 2014 will die Firma „Space Expedition Curacao“ (SXC), gegründet von Niederländern, von der Karibik-Insel Curacao aus Flüge für Weltraumtouristen anbieten. Ein Raumschiff mit Raketenantrieb soll dafür von einem bestehenden Flughafen aus zu 60-minütigen Touren starten. Zuerst – so die Pläne – geht es steil in die Höhe. Nach dreieinhalb Minuten ist das Shuttle außerhalb der Erdatmosphäre und schwebt in rund 100 Kilometern Höhe fünf Minuten in der Schwerelosigkeit. Danach geht es im Zirkel- und Gleitflug zurück zum Flughafen.

Es gibt dabei nur ein kleines Problem: Das Raumschiff „Lynx“ für die Weltraumflüge existiert noch nicht, geschweige denn eine Genehmigung. Der Prototyp werde gerade gebaut, sagt Pilot Harry van Hulten. Erste Testflüge solle es Ende 2012 geben. „Wir denken, dass es sicher ist. Aber es ist ein Risiko. Es ist neu“, ergänzt er. Mit dem Raketenantrieb zum An- und Abstellen, den ein US-Hersteller kommerziell produziere, habe bisher aber immer alles geklappt. Es gebe Reserve-Triebwerke – und für Notfälle auch Fallschirme an Bord.

Zu den Kosten des neuen Raumschiffs kann van Hulten wenig sagen. Die Maschine werde geleast. Sie sei aber billiger als ein F16-Kampfjet, den er sonst fliege. „Ich bin Testpilot. Ich wollte immer höher und schneller sein als mit der F 16“, sagt er. Astronautenerfahrung hat er noch nicht.

Der Werbefilm für das SXC-Weltraum-Abenteuer beginnt mit Bildern von der Mondlandung - und lässt so schnell niemanden auf die Idee kommen, dass die USA ihr Shuttle-Programm gerade eingestellt haben. Curacao wirkt deutlich netter als Weltraumbahnhöfe in Steppen und Wüsten. Die Röcke der neuen Berufsgruppe weiblicher „Astronaut Relations Manager“ in einem Berliner Hotel sind sehr kurz und ihre Beine sehr lang. Zahnarzt Gal spricht nun weniger über das Weltall („Ich habe keine Angst“), sondern sehr geerdet über die Vorzüge seiner Zahnarztpraxis in Ubstadt-Weiher (Baden-Württemberg).

Wer jemals eine Maschine mit Raketentriebwerk hat starten hören, könnte sich Sorgen um die Einwohner von Curacao machen. Doch dort sei man begeistert, versichert Pilot van Hulten. Ein Weltraumbahnhof werde noch gebaut, sehr futuristisch. Rund 50 Tickets für die Flüge habe SXC international bereits verkauft. Die Kunden von Weltraumtourismus-Konkurrent „Virgin Galactic“ warten allerdings auch immer noch auf den Beginn ihres exklusiven Abenteuers im All.Dazu zählt auch die deutsche Unternehmerin Sonja Rohde aus Nordrhein-Westfalen.

dpa

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