Studenten starten selbstgebaute Raketen

Drei, zwei, eins – Zündung!

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Foto: Studenten haben selbst Raketen gebaut.

Hardthausen - Daniel Düsentrieb lässt grüßen: 26 Nachwuchstüftler haben an Raketen Marke Eigenbau gebastelt. Auf einer Wiese nahe Heilbronn sollen sie gezündet werden. Mit einem Satelliten zu Messzwecken huckepack. Ob alles glattgeht?

Ein Horn ertönt, dann läuft der Countdown. Und wie geplant zündet die Rakete „Phenomena“. Unter Beifall von 26 jungen Raketenbauern steigt sie sekundenschnell in die Höhe, sprengt einen Satelliten ab und segelt dann behutsam mit einem Fallschirm wieder zurück zur Erde in Hardthausen (Baden-Württemberg). „Es ist das erste Mal, dass eine solch große und innovative Rakete in einer Summer School gebaut wurde“, sagt Professor Ansgar Meroth von der Hochschule Heilbronn über die 1,50 Meter großen Carbonhülsen.

Die Studenten – darunter Franzosen, Italiener, Spanier und Deutsche – haben sich in den vergangenen drei Wochen einen Traum erfüllt: eine eigene Rakete bauen. Bei der 14. Sommerschule der „Communauté des Villes Ariane“ (CVA), eines Zusammenschlusses von Städten und Unternehmen, die in das europäische Raumfahrtprogramm Ariane involviert sind, durften sie ihr Wissen unter Beweis stellen und an eigenen Raketen tüfteln. Abschuss war an diesem Dienstag.

„Ich wollte schon immer mal eine Rakete bauen“, erzählt der 27-jährige Johann Bernhard, Student aus Wien. Er gehört zu den ältesten Teilnehmern und macht schon bald seinen Master. Zwei Raketen und einen Satelliten haben die Studenten in ihren Ferien gebaut. Mit dem knapp 30 Zentimeter großen Satelliten wollen sie später Aussagen über Höhe, Beschleunigung, Druck und Temperatur während des Fluges treffen. „Die „Phenomena“ hat geschwungene Flügel, die Rakete des „Team Tin“ hingegen sogenannte Trapezflügel“, erklärt Bernhard.

Mit einer Software haben die Studenten ihre Konstruktionen zwar zuvor getestet. Das nimmt ihnen aber nicht die Aufregung. Nach dem erfolgreichen Start grölen und jubeln sie. Dabei ist die Erwartung, dass die Rakete 500 Meter hoch fliegt, nicht ganz erfüllt worden. Die Experten der CVA schwärmen jedoch von einer fabelhaften Zündung.

Eine der Raketen war mit einem Satelliten des Herrenberger Aerospacelab bestückt, eines Vereins für Jugendliche. Studenten der Stuttgarter Universität betreuen die jungen Wissenschaftler. Ihr Ziel ist es, einmal einen eigenen Satelliten huckepack auf einer europäischen Ariane-Rakete mitschicken zu können.

Für die Sommerschule hatte die Hochschule Heilbronn mit der CVA in einem komplizierten Auswahlverfahren Teilnehmer aus ganz Europa gesucht. „Dass es sich hier um sehr gute Studenten handelt, erkennt man schon daran, dass sie ihre Ferien für das Projekt opfern“, sagt Meroth stolz. Auch vier Studentinnen machten dieses Jahr das Rennen. 2007 hatte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) das letzte Mal die Summer School beherbergen dürfen.

Natürlich ist die Veranstaltung auch eine Chance für das DLR, junge Talente gezielt zu fördern. Silvais Norilhat hat mit seinen 21 Jahren bereits vier Raketen gebaut und fasziniert mit seinem Wissen nicht nur seine Team-Mitglieder. Nach dem Studium will der junge Franzose jedoch nicht selbst den Weltraum erkunden: „Das ist mir zu gefährlich. Ich ziehe es vor, die Raketen zu bauen.“

dpa

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