Forschung

Durchbruch an der Medizinischen Hochschule Hannover

- Hannoversche Wissenschaftler sind ihrem Ziel, Ersatzgewebe für menschliche Organe wie Herz und Haut im Labor zu züchten, zwei entscheidende Schritte nähergekommen. Die Forscher um Herzchirurg Prof. Axel Haverich von der Medizinischen Hochschule (MHH) haben ein Verfahren entwickelt, mit denen für die Gewebezüchtung benötigte Stammzellen erstmals in großen Mengen hergestellt werden können.

Ein weiterer Durchbruch gelang Prof. Peter Vogt, Direktor der MHH-Klinik für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, und dem hannoverschen Laser-Zentrum: Mit der von ihnen entwickelten Technologie lassen sich dreidimensionale Zellstrukturen erzeugen. „Die Produktion von Gewebeersatz für die medizinische Anwendung ist nun in greifbare Nähe gerückt“, sagt Haverich.

Schon seit einigen Jahren züchten die MHH-Wissenschaftler im Labor sogenannte pluripotente Stammzellen, die sich ähnlich wie embryonale Stammzellen zu jeder beliebigen Zelle entwickeln können, aber ethisch unbedenklich sind. Ziel der Forscher ist es, auf diese Weise innovativen Gewebeersatz herzustellen, der Patienten eingesetzt werden kann, die etwa einen Herzinfarkt oder schwere Verbrennungen der Haut erlitten haben.

Ein Problem war dabei die nicht ausreichende Menge der erzeugten Zellen. Ein Beispiel: Allein ein Quadratzentimeter Haut besteht aus mehreren Millionen Zellen. Die MHH-Forscher setzen nun eine Speziallösung ein, mit der die sechsfache Ausbeute erzielt werden kann. „Wir können jetzt viele Millionen Zellen in einem Ansatz produzieren“, sagt Haverichs Kollege Prof. Ulrich Martin. Eine unerlässliche Voraussetzung, um in größerem Umfang biologisch funktionales, menschliches Gewebe wie Herzmuskel, Blutgefäße oder Haut im Labor herstellen zu können. Eine weitere Hürde auf dem Weg zur Gewebezüchtung überwanden MHH-Chirurg Vogt und Prof. Boris Chichkov vom Laser-Zentrum. Ihre Technik ermöglicht es, unterschiedliche Zellen in einem dreidimensionalen Verbund zu schichten – ebenso wie das menschliche Gewebe aufgebaut ist. Mithilfe des Lasers lassen sich so Haut- und Bindegewebszellen verbinden.

Haverich geht davon aus, dass beide neuen Verfahren in Kürze in Tierversuchen getestet werden. Bei der Züchtung von Haut seien in etwa zwei Jahren erste klinische Studien mit Patienten möglich. Bis im Labor erzeugte Herzmuskel oder Blutgefäße beim Menschen eingesetzt werden können, werde es wohl noch fünf Jahre dauern.

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