Gerst im Außeneinsatz

Eine heikle Mission

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Die Internationale Raumstation ISS umkreist die Erde in rund 400 Kilometern Höhe.

Braunschweig - Nach vier Monaten auf der Internationalen Raumstation ISS kann Astronaut Alexander Gerst (38) sein aktuelles Zuhause am Dienstag von außen betrachten. Erstmals seit sechs Jahren soll dann wieder ein Deutscher im freien Kosmos arbeiten. Als „Höhepunkt“ bezeichnet Deutschlands Raumfahrtchef Jan Wörner (60) im Interview die geplante Montage von Instrumenten.

In der Geschichte der Raumstation ISS gab es seit 1998 schon fast 200 Außenbordeinsätze. Warum ist es trotzdem etwas Besonderes?

Astronauten begeben sich bei einem solchen Einsatz aus der schützenden Hülle der Raumstation direkt in die lebensfeindliche Umgebung des Weltalls. Dort funktionieren ihre Anzüge wie kleine Raumschiffe und sind technische Meisterwerke. Jedoch hat sich auch immer wieder gezeigt, dass es bei aller Perfektion zu Ausfällen kommen kann - etwa zu einem Leck im Kühlsystem des Anzugs. Zu den Herausforderungen gehören auch Mikrometeoriten und die Weltraumstrahlung - ebenso wie die starke physische wie psychische Anstrengung bei der mehrstündigen, hoch konzentrierten Arbeit.

Zur Person

Johann-Dietrich Wörner, kurz Jan Wörner, wurde 1954 in Kassel geboren. Seit März 2007 leitet er den Vorstand des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Der Hesse studierte Bauingenieurwesen in Berlin und Darmstadt und forschte zum Thema Erdbebensicherheit zwei Jahre lang in Japan.

Sie haben den geplanten Ausstieg einmal als einen Höhepunkt bezeichnet. Was würden Sie an der Mission noch hervorheben?

An erster Stelle steht für mich, dass Alexander Gerst mit seinen Kollegen Maxim Surajew aus Russland und Reid Wiseman aus den USA demonstriert, wie es gelingen kann, in einer politisch schwierigen Zeit erfolgreich an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten. Hinzu kommen die fast 100 Experimente, die unser deutscher Astronaut in den vergangenen Monaten betreut hat. Und wir dürfen nicht vergessen, welche öffentliche Aufmerksamkeit die Raumfahrt im Allgemeinen und die bemannten Missionen im Besonderen durch diesen Flug bekommen haben. Damit ist wieder einmal klar geworden, wie „ALL-täglich“ die Raumfahrt ist, wie sie unsere Leben beeinflusst.

Schon in gut einem Monat, am 11. November, soll Alexander Gerst wieder zurück auf der Erde sein. Denken Sie mit Wehmut daran?

Ja. Aber wie immer im Leben ist ein Ende auch ein Neuanfang. Viele Forscher werden über Jahre damit zu tun haben, die Ergebnisse der Mission auszuwerten. Es wird spannend sein zu beobachten, welche erwarteten und welche unerwarteten Ergebnisse das bringen wird.

Kann es sein, dass er der letzte Deutsche an Bord der ISS ist?

Das wird davon abhängen, welche Entscheidungen über die weitere europäische Beteiligung an der ISS in den nächsten Monaten getroffen werden. Natürlich kann man auch über einen bilateralen Flug nachdenken. Die Italiener machen ja vor, dass es geht.

Interview: Wolfgang Jung

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