Rendezvous im Weltall

Erstmals kreist eine Sonde auf Merkurs Umlaufbahn

- Merkur ist der kleinste und faszinierendste Planet unseres Sonnensystems - aber noch wenig erforscht. Als erste Weltraumsonde ist "Merkur" nun in die Umlaufbahn des Planeten eingetreten. Zwölf Monate lang soll sie ihn studieren.

Premiere im All: Zum ersten Mal in der Geschichte der Astronomie umkreist eine Sonde den Planeten Merkur. Nach einer rund 7,9 Milliarden Kilometer langen Reise trat das Nasa-Raumfahrzeug „Messenger“ um 2.10 Uhr mitteleuropäischer Zeit in der Nacht zum Freitag in einen eiförmigen Orbit ein. „Nahezu perfekt“, zitierte die „Baltimore Sun“ John Finnegan von der Johns Hopkins University in Maryland, der zu den führenden Köpfen der Mission gehört.

Das Rendezvous fand rund 150 Millionen Kilometer von der Erde entfernt statt. In der letzten Anflugphase zündete die Sonde eine Hauptdüse 15 Minuten lang: Dadurch verringerte sich ihr Tempo so stark, dass sie von Merkurs Anziehungskraft erfasst wurde und in die Umlaufbahn eintreten konnte.

Die 446 Millionen Dollar (315 Millionen Euro) teure Sonde soll nun den innersten und kleinsten Planeten unseres Sonnensystems 12 Monate lang studieren. Die elliptische Umlaufbahn bringt „Messenger“ (übersetzt Botschafter) bis zu 200 Kilometer nahe an Merkur heran, zu anderen Zeitpunkten ist sie wiederum mehr als 15.000 Kilometer entfernt.

Mit sieben verschiedenen Instrumenten soll die Sonde die Zusammensetzung der Atmosphäre und Oberfläche des Planeten erforschen und eine Art Landkarte anfertigen. Die Wissenschaft erhofft sich unter anderem Informationen über das magnetische Feld des Planeten, über seinen Kern und darüber, ob es in den ständig im Schatten liegenden Kratern an Merkurs Polen Wassereis gibt.

Merkur mit einem Durchmesser von 4880 Kilometern gilt als besonders faszinierend, etwa wegen seiner ungewöhnlich dichten Materie und seiner starken Temperaturschwankungen von plus 430 Grad Celsius bis minus 170 Grad in den dunklen Kraterregionen.

„Messenger“ war sechseinhalb Jahre unterwegs. Auf der Reise umkreiste die Sonde 15 Mal die Sonne, flog einmal an der Erde vorbei, zweimal an Venus und dreimal an Merkur. Diese Manöver sollten ihre Geschwindigkeit genug drosseln, um sie schließlich in eine Umlaufbahn um den Planeten zu bringen.

Schon bei ihren Vorbeiflügen an Merkur hatte „Messenger“ einen großen Teil der Oberfläche kartographiert und viele atemberaubende Bilder zur Erde geschickt. Es waren die ersten detaillierteren Informationen über Merkur, seit die Nasa-Sonde „Mariner 10“ 1974 und 1975 den Planeten passiert hatte. Aber das, so sagen Nasa-Forscher, waren nur „Probeaufführungen“ im Vergleich zur Erkundungsmission von „Messenger“, die jetzt begonnen hat.

„Diese Mission wird unser Verständnis vom Merkur weiter revolutionieren“, erklärte auch der Chef der Behörde, Charles Bolden, nachdem telemetrische Daten von der Sonde das erfolgreiche Erreichen des Orbits signalisiert hatten. Projektmanager Peter Bedini schwärmte: „Das ist bei weitem der größte Meilenstein seit „Messengers“ Start.“

dpa

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