Raumfahrt

"Flug zum Mars könnte auf dem Mond starten"

Laut Thomas Reiter, dem neuen ESA-Direktor, kann der Mond Ausgangspunkt für Reisen zum Mars werden.

Darmstadt - Auf den Mond haben Astronauten 1969 erstmals einen Fuß gesetzt. Nächstes großes Ziel der Raumfahrt ist der Mars. Dabei könnte der Mond wieder ins Spiel kommen.

Eine Landung von Menschen auf dem Mars ist das große Ziel der bemannten Raumfahrt. Zum weit entfernten Roten Planeten sollten Astronauten aber nicht ohne Zwischenstopp fliegen. „Der Mond ist aus meiner Sicht eine logische Zwischenstation“, sagte der Astronauten-Chef der europäischen Weltraumbehörde Esa, Thomas Reiter, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Den Sprung direkt vom niedrigen Erdorbit aus zu machen halte ich für gewagt.“

Allerdings: „Für einen bemannten Flug zum Mars gibt es weder bei unseren Partnern in den USA noch in Russland derzeit ganz konkrete Pläne“, sagte der 53-Jährige. „Eine Landung ist auch erst 2030 oder später möglich.“ An unbemannten Flügen wird aber schon gearbeitet, der Traum von bemannten Flügen zum Mars weiter geträumt.

Reiter ist seit April vergangenen Jahres Esa-Direktor für bemannte Raumfahrt und Missionsbetrieb und arbeitet im Satelliten- und Kontrollzentrum Esoc in Darmstadt. Als Astronaut hat er fast ein Jahr seines Lebens im All verbracht - 171 Tage an Bord der Internationalen Raumstation ISS und 179 Tage auf der russischen Raumstation „Mir“.

Für eine Reise zum Mond und weiter zum Mars könne auch das Wissen genutzt werden, das auf der Internationalen Raumstation ISS gewonnen wird. „Dort gibt es eine Vielzahl von Technologie-Experimenten, die der Vorbereitung von zukünftigen Explorationsmissionen dienen“, sagte Reiter. „Dieses Programm läuft bereits.“ Der aus den Niederlanden stammende Esa-Astronaut André Kuipers führe an Bord der ISS auch eine Vielzahl wissenschaftlicher Experimente durch im Bereich der Humanmedizin, Geologie, Physik und Materialwissenschaft.

„Diese Themen werden auch in den kommenden Jahren weiter bearbeitet“, sagte Reiter. „Gerade im Bereich der Humanmedizin ist es nicht ausreichend, ein Experiment nur einmal zu machen. Man braucht einige Wiederholungen, um eine gewisse statistische Grundlage zu schaffen.“ An Bord des Columbus-Laboratoriums der ISS seien bisher etwa 110 Experimente durchgeführt worden. „Es mangelt uns nicht an Forschungsthemen.“

Nächstes Jahr fliegt für die Esa der italienische Astronaut Luca Parmitano zur ISS; 2014 folgt der Deutsche Alexander Gerst. „Beide werden ungefähr ein halbes Jahr oben sein“, sagte Reiter. „Sie befinden sich jetzt in missionsspezifischem Training.“

jhf/dpa

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