Bis aufs letzte Wurmloch

Forscher gelingt exakte Kopie einer Stradivari-Geige

Chigago - Mit Hilfe modernster Computertechnik haben Forscher erstmals eine mehr als 300 Jahre alte Stradivari-Geige detailgetreu kopiert. Dem Nachbau liegen dreidimensionale Schnittaufnahmen eines Computertomografen (CT) zugrunde, die von einem Holzfräseroboter umgesetzt wurden. Anschließend verfeinerten Geigenbauer die Konstruktion.

Der moderne Nachbau gleiche dem Original bis hin zum letzten Wurmloch, berichten die Wissenschaftler auf der Jahrestagung der Radiological Society of North America (RSNA) in Chicago. „Wie beim Mensch gibt es auch bei Geigen eine große Spannbreite von individuellen Variationen“, erklärt der Radiologe Steven Sirr aus Mora in Minnesota, der das Projekt leitete. Bei einem Hunderte von Jahren alten Instrument finde man zahllose Eigenheiten wie winzige Risse und Wurmlöcher, Reparaturspuren sowie Veränderungen durch Umwelteinflüsse.

„Die CT bietet uns eine einzigartige Methode, ein solches historisches Objekt zu analysieren, ohne es auseinanderzubauen oder zu zerstören“, sagt Sirr. Das ermögliche es einerseits, genaue Reproduktionen herzustellen, beispielsweise um jungen Geigern ein bezahlbares, aber gutes Instrument zu verschaffen. Andererseits eröffne dies neue Möglichkeiten, um herauszufinden, was Stradivari-Geigen so besonders mache.

dapd/frs

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