Chemnitz

Forscher legen versteinerte Wurzel frei

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Beim Schließen des Grabungsfeldes haben Wissenschaftler in Chemnitz noch einmal ein spektakuläres Stück vom versteinerten Wald entdeckt.

Chemnitz - Eigentlich waren die Arbeiten schon beendet: Beim Schließen des Grabungsfeldes haben Wissenschaftler in Chemnitz noch einmal ein spektakuläres Stück vom versteinerten Wald entdeckt.

Bei Grabungen nach dem 290 Millionen Jahre alten versteinerten Wald in Chemnitz sind Wissenschaftler auf eine gut erhaltene Baumwurzel gestoßen. Grabungsleiter Ralph Kretzschmar sprach am Montag von einem einmaligen Fund. Der dazu gehörige Baumstamm war den Angaben zufolge bereits zu Beginn der Ausgrabungen im Frühjahr 2008 entdeckt und nach und nach abgetragen worden. Die weit verzweigte Wurzel wurde nun erst zum Abschluss der Grabungen in einer Tiefe von fünf Metern entdeckt.

Sie soll nun gemeinsam mit dem Stamm wissenschaftlich untersucht werden. Kretzschmar zufolge handelt es sich bei dem Fossil um eine mit einer „Zimmertanne“ verwandten Nadelbaum-Art - wenn auch nicht vergleichbar mit heutigen Nadelbäumen. „Der Baum hatte breite Blätter, wir haben auch Samen gefunden“, sagte Kretzschmar. Die Wurzel sei auf einer Länge von mehr als vier Metern freigelegt worden, der Baum sei deshalb womöglich 25 bis 30 Meter groß gewesen, schätzt Kretzschmar.

Von der nun anstehenden Analyse der inzwischen mehr als 550 versteinerten Funde versprechen sich die Forscher Aufschluss über die Vegetation zu einer Zeit, als auf dem Gebiet von Chemnitz noch einen tropischen Regenwald gab. Als Glücksfall für die Wissenschaft erwies sich ein Vulkanausbruch vor 290 Millionen Jahren, der Pflanzen und Tiere genau dort konservierte, wo sie einst lebten. Dies gilt weltweit in dieser Zusammensetzung als einmalig.

An der 400 Quadratmeter großen Grabungsstelle waren erst im Sommer die Abdrücke eines Ur-Sauriers entdeckt worden. Vorher fanden die Wissenschaftler unter anderem fünf verkieselte Landschnecken, zwei Doppelfüßer und mehr als 100 fossile Schnecken. Der bereits 2008 zutage geförderte versteinerte Schachtelhalm-Baum war im vergangenen Jahr als „Fossil des Jahres 2010“ geehrt worden. Seine mindestens zwölf Äste und Achsen hätten die vorherige Annahme widerlegt, dass solche Pflanzen im Erdzeitalter des Perms keine Zweige hatten, würdigte die Paläontologische Gesellschaft damals die Bedeutung des Fundes.

Nun soll die Grabungsstelle geschlossen und mit Erde verfüllt werden. Ab dem Frühjahr 2012 wird der Ort „ein Stück grüne Wiese“ sein, sagte Kretzschmar. Weitere Grabungen sollen nun an anderer Stelle, im Stadtteil Sonnenberg, fortgeführt werden - und den Chemnitzern Einblick in ihren laut Kretzschmar „unglaublichen“ Untergrund liefern. Die Stadt bemüht sich um Aufnahme des Versteinerten Waldes ins Unesco-Welterbe.

dpa

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