High-Tech-Jet für die Höhenforschung

Forschungsflugzeug „Halo“ startet

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Vorstellung des neuen Forschungsflugzeuges „Halo“ durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und RUAG Aerospace in Oberpfaffenhofen.

Oberpfaffenhofen - Stürme, Regenfluten, Schadstoffe über den Wolken: Das deutsche Höhenforschungsflugzeug „Halo" soll eine neue Dimension der Atmosphären-, Umwelt- und Klimaforschung eröffnen. Nach dreijähriger Erprobungsphase ist es bereit zum Einsatz für die Wissenschaft.

Sonst sitzen Geschäftsleute im Anzug in dem Reiseflugzeug vom Typ Gulfstream G 550 - von Montag an wird ein solcher Business-Jet als fliegendes Hochleistungslabor hoch über den Wolken im Dienst der Wissenschaft unterwegs sein. Das deutsche Höhenforschungsflugzeug „Halo" wird Wetterextreme und Schadstoffverteilungen erkunden - in großer Höhe und mit neuer Reichweite. Die größeren Kapazitäten ermöglichen Forschungsmissionen in bisher nicht direkt erreichbare Regionen über den Ozeanen oder an den Polen. „Halo" soll auch Wettervorsagen verbessern helfen.

Der millionenteure High-Tech-Jet, den das Deutsche Zentrum für Luft-und Raumfahrt (DLR) betreibt, kann bis zu 15 Kilometer hoch aufsteigen, rund fünf Kilometer höher als der 30 Jahre alte Vorgänger „Falcon". Bei einer Nutzlast von bis zu drei Tonnen finden auch doppelt so viele wissenschaftliche Instrumente Platz. Mit seiner Flughöhe, einer Reichweite von über 8000 Kilometern und der großen Nutzlast übertrifft „Halo" (High Altitude and Long Range Research Aircraft) bisherige Forschungsjets in Europa - und sichert Deutschland den Anschluss an die USA, wo es ein ähnliches Forschungsflugzeug gibt.

Am Montag wird Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) das Prestigeprojekt nach insgesamt zehnjähriger Planungs-, Bau- und Erprobungszeit beim DLR in Oberpfaffenhofen bei München an die Wissenschaft übergeben. Damit kann „Halo" im Auftrag deutscher und internationaler Einrichtungen zu Flügen rund um den Globus abheben. Dies sei ein weltweit einzigartiges Forschungsflugzeug, sagte Schavan. „„Halo" ermöglicht es den beteiligten Forschern erstmals, Daten in extrem hohen Schichten der Atmosphäre zu sammeln, um beispielsweise die Entstehung von Extremwettersituationen oder Ozonstörungen in Zukunft besser zu verstehen." Damit leiste das Höhenflugzeug einen wichtigen Beitrag zur Klimaforschung in Deutschland.

Das rund 70 Millionen Euro teure Flugzeug, das Ministerium, Max-Planck-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren und Deutsche Forschungsgemeinschaft finanzieren, wird den Blick auf die Entwicklung von Wolken und die Eisverteilung an den Polen ermöglichen. Untersucht werden sollen auch die Zerstörung der Ozonschicht und Auswirkungen von Schadstoffen wie Stickoxiden, Rußpartikeln und CO2 aus dem Luftverkehr in 8 bis 17 Kilometern Höhe. „Halo" ist mit sehr genauen optischen und hochauflösenden Instrumenten ausgerüstet, kann aber auch chemische Prozesse in der Atmosphäre erkunden.

„Es geht darum, eine belastbare Datengrundlage zu schaffen, um damit einen wissenschaftlichen Beitrag für die Entscheidungen im Interesse des globalen Klima- und Umweltschutzes und der Erdsystemforschung zu leisten", sagte der DLR-Vorstandsvorsitzende Johann-Dietrich Wörner.

Ein wichtiges Forschungsfeld sind dabei auch Wege, die Schadstoffe in den Höhenregionen rund um den Erdball nehmen. „Früher hat man sich Gedanken gemacht, wie Schadstoffe vom Ruhrgebiet in den Bayerischen Wald ziehen", sagte Helmut Ziereis, "Halo"-Projektleiter beim DLR, einmal. „Heute untersucht man interkontinentale Schadstoffströme zwischen Asien, Nordamerika und Europa."

Vor drei Jahren war „Halo" an seinem Standort in Oberpfaffenhofen angekommen - nach mehrjährigen Umbauarbeiten unter anderem im Werk des US-Herstellers Gulfstream in Savannah im US-Bundesstaat Georgia. "Wir haben uns "Halo" gewünscht, um höher und weiter als bisher fliegen und messen zu können", sagte damals der ehemalige Leiter des DLR-Instituts für Physik der Atmosphäre, Ulrich Schumann, einer der Ideengeber für „Halo".

Seitdem startete das Flugzeug zu zahlreichen Testmissionen. Sämtliche Funktionen nach dem Umbau mussten akribisch geprüft werden, von der Lastverteilung bis zu den Messsonden in dem 1,60 Meter langen Mast an der Nase des Fliegers. Mit mehr als 100 Flugstunden hat es nun die Erprobungsphase erfolgreich abgeschlossen. Schon jetzt gibt es mehrere Dutzend Missionsvorschläge von Einrichtungen aus aller Welt. Am Montag wird es komplett gerüstet für die erste Mission bereitstehen - um gleich nach der feierlichen Übergabe erstmals offiziell starten.

dpa

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