Tüftler und Weltveränderer

Galileo Galilei vor 450 Jahren geboren

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Rom - Der Astronom Galileo Galilei, vor 450 Jahren geboren, hat unser Weltbild umgestürzt. Vor allem das des mächtigen Vatikans. Erst 1992 machte die katholische Kirche ihren Frieden mit dem Genie.

Das Jahr 1564 hat herausragende Eckdaten der europäischen Kunst- und Wissenschaftsgeschichte gesetzt. Am 18. Februar stirbt mit dem genialen Michelangelo einer der vielseitigsten italienischen Künstler aller Zeiten. Drei Tage zuvor - wie im selben Jahr auch der britische Dramatiker William Shakespeare - erblickt Galileo Galilei das Licht der Welt. Ein Stern der Wissenschaft ist damit im toskanischen Pisa geboren, vor 450 Jahren am 15. Februar 1564.

Aus ihm sollte einer der bedeutendsten Astronomen, Mathematiker, Physiker und Philosophen werden. Seine Erfindungen und Entdeckungen waren teilweise revolutionär, der Vatikan stempelt ihn zum Ketzer - und brauchte dann Jahrhunderte, um diesen bösen Irrtum auszumerzen. Europa verbeugt sich so vor seinem großen Pionier: Es nennt sein Milliarden-Großprojekt der Satellitennavigation "Galileo".

Der Begründer der modernen, auf Experimenten beruhenden Physik widmet sich bereits als Student den Gesetzen der Pendelschwingungen, untersucht die Fallgesetze und erfindet die hydrostatische Waage für die spezifischen Gewichte. Im Alter von nur 28 Jahren wird der hochbegabte Toskaner in Padua Professor, entdeckt mit einem von ihm verbesserten Fernrohr Mondberge und die Phasen der Venus. Ein Meilenstein ist seine Erkenntnis, dass unzählige Sterne die Milchstraße bilden. Nebenbei erfindet er auch viel Kurioses, so etwa einen automatischen Tomatenpflücker oder einen Taschenkamm, der auch als Besteck verwendet werden kann. 1615, als er bereits fünf Jahre in Florenz tätig ist, beginnt sein Konflikt mit dem Vatikan. Sein Hauptwerk sollte der "Dialog über die zwei großen Weltsysteme" sein.

Galilei schafft es mit seinem intensiven Blick in das Sonnensystem wissenschaftlich zu beweisen, was von Nikolaus Kopernikus bereits 1514 als Theorie aufgestellt worden ist: Die Sonne ist der Stern unseres Systems, um den alle Planeten kreisen, also auch die Erde. Das heliozentrische Weltbild. Dieses scheint gegen die Bibel zu stehen. Das päpstliche Inquisitionsgericht verurteilt seine Abkehr vom "ptolemäischen Weltbild" als Irrtum, verbietet Galilei die Verbreitung und setzt die Kopernikus-Schrift auf den Index. Doch der toskanische Astronom lässt nicht locker, studiert das Sonnensystem weiter und landet so zu einem entscheidenden Showdown vor Gericht.

Dass der Sternengucker und Tüftler, Sohn eines Musikers aus einem pisanischen Patriziergeschlecht, mit dem von ihm selbst verbesserten Fernrohr aus Holland die Milchstraße und Mondoberfläche erforscht, die ersten vier Jupiter-Monde entdeckt und sich den Sonnenflecken widmet, das alles hatte dem mächtigen Vatikan durchaus gefallen. Die päpstlichen Gelehrten schätzten den Begründer der modernen Astronomie - bis der unbeirrbare Galilei das Weltbild der katholischen Kirche zu Fall bringt. Diese glaubte noch, dass sich alles um die Erde dreht.

Das zweite Mal also bringen die Jesuiten den ebenso emsigen wie aufmüpfigen Gelehrten vor die vatikanische Justiz. 1633 urteilt das Inquisitionsgericht, er müsse abschwören. Offen ist, ob Galilei, zunächst zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, die ihm abgetrotzte Abschwörung wirklich mit dem seither weltbekannten Spruch "Eppur si muove" quittiert hat: "Und sie (die Erde) bewegt sich doch!".

Immerhin ist Papst Urban gnädig genug, die Haftstrafe in eine Art Hausarrest umzuwandeln: Der ketzerische Wissenschaftler wird nur auf seinen Landsitz in Arcetri bei Florenz verbannt. Neun Jahre später, am 8. Januar 1642, stirbt der erblindete Wissenschaftler, der das Weltbild der Neuzeit umwarf, im Alter von 77 Jahren. Am Geburtstag kann seine Villa auf den Hügeln über Florenz besichtigt werden.

Und der Vatikan? Mehr als 350 Jahre mussten erst vergehen, bis die katholische Kirche mit Galilei 1992 dann ihren Frieden machen konnte. "Merkwürdigerweise zeigte sich Galilei als aufrichtig Glaubender weitsichtiger als seine theologischen Gegner", bemerkte Johannes Paul II. in einer historischen Wiedergutmachungsrede am 31. Oktober 1992.

"Nie wieder ein Fall Galilei", so wollte der polnische Papst Kirche und Wissenschaft versöhnen. Enttäuscht waren manche nur darüber, dass Johannes Paul II. defensiv meinte, Galileis Richter hätten "in gutem Glauben" gehandelt bei ihrem Prozess gegen ihn. Der inzwischen um mehr Transparenz bemühte Vatikan gab später sämtliche Akten zu den Verhandlungen gegen den "Ketzer" Galileo Galilei heraus.

dpa

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