Bildungsgrad der Eltern

„Gebildete“ Frühchen entwickeln sich besser

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Foto: Frühchen, die gebildete Eltern haben, entwickeln sich besser.

Hannover - Bei extrem kleinen Frühgeborenen hat der Bildungsgrad der Eltern einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Kinder. Offenbar können gebildete Eltern die Nachteile durch die Frühgeburt besser ausgleichen.

Babys, die mit einem Gewicht von unter 1000 Gramm zur Welt kommen, leiden oft unter den Folgen von Hirnblutungen oder der maschinellen Beatmung nach der Geburt. „Bisher dachte man, alles entscheidend sind solche biologischen Faktoren. Diese Frühchen hatten eine schlechte Prognose“, sagte der hannoversche Kinderneurologe Wolfgang Voss der dpa. Doch die Entwicklungsverzögerungen von ehemaligen Frühgeborenen haben nicht nur medizinische Ursachen, wie eine im Fachblatt „Acta Paediatrica“ veröffentlichte Studie belegt.

Die nach Angaben der Autoren bundesweit einmalige Langzeituntersuchung am Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult in Hannover kommt zu dem Schluss, dass bei der Entwicklung von Frühgeborenen der Bildungsgrad der Eltern eine große Rolle spielt. Die vielbeklagte Abhängigkeit des schulischen Erfolgs von der sozialen Herkunft gilt demnach auch für Frühchen. Offenbar können gebildete Eltern die schlechten Startbedingungen ihrer Kinder besser ausgleichen.

Von den 200 extrem kleinen Frühchen, die zwischen 1993 und 1998 in dem Krankenhaus behandelt wurden, überlebten 86 Prozent. 16 Prozent waren behindert. 148 dieser Kinder wurden bis zum Ende des Grundschulalters nachuntersucht. 70 Prozent der ehemaligen Frühchen mit gebildeten Müttern waren nach Angaben der Wissenschaftler im Alter von zehn Jahren geistig und körperlich normal entwickelt und besuchten eine Regelschule. In der Vergleichsgruppe mit Müttern mit niedrigem Ausbildungsstand waren es nur 35 Prozent.

„Heute überleben Babys, die vor 20 Jahren noch keine Chance hatten“, sagte Voss. Bei der geistigen Entwicklung spielten sicherlich auch genetische Faktoren eine Rolle, räumte er ein. Die Untersuchung zeige aber, wie wichtig es ist, gerade Frühchen aus benachteiligten Familien lange und intensiv zu begleiten. Viele hätten später zum Beispiel Schulprobleme.

In Niedersachsen kommen jährlich etwa 250 Säuglinge als extrem kleine Frühgeborene vor der 28. Schwangerschaftswoche zur Welt. Seit knapp zehn Jahren gibt es ergänzend zur Studie in der Landeshauptstadt eine Niedersächsische Langzeitstudie mit dem Ziel, die Frühchen-Versorgung zu optimieren und die Frühgeborenen-Stationen in den Kliniken zu vergleichen.

dpa/sag

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